04. Juni 2019 / 18:09 Uhr

Johanna Elsig über die WM, die Höhe der Siegprämie und ihre Zimmernachbarin

Johanna Elsig über die WM, die Höhe der Siegprämie und ihre Zimmernachbarin

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Turbine-Innenverteidigerin Johanna Elsig steht vor ihrer ersten WM mit den DFB-Frauen.
Turbine-Innenverteidigerin Johanna Elsig steht vor ihrer ersten WM mit den DFB-Frauen. © Foto: Sven Hoppe/dpa
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Frauen-WM 2019: Innenverteidigerin Johanna Elsig (26) von Turbine Potsdam spricht im großen WM-Interview über Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, ihren Vorgänger Horst Hrubesch und die Erkenntnisse aus ihre Masterarbeit über "Richtiges Coachen Männer- und Frauenfußball".

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Frau Elsig, nach Turnieren mit den U-Nationalteams ist die anstehende WM Ihr erstes Turnier mit dem DFB-Team. Wie aufgeregt sind Sie?

Johanna Elsig: Im Moment bin ich noch relativ entspannt. Die Vorfreude ist da, weil es einfach etwas ist, was man noch nicht kennt. Aber die Aufregung wird sicherlich am Tag des ersten Spiels enorm steigen.

Im letzten Test gegen Chile (2:0), der als Fingerzeig für das Auftaktspiel gegen China am Samstag galt, standen Sie nicht auf dem Platz. Wie nah sind Sie an der Startelf dran?

Ich gehe nicht davon aus, dass ich gegen China in der Startelf stehen werde. Das ist natürlich nicht leicht für mich, aber so ein WM-Turnier ist lang. Da kann es sein, dass man taktisch umstellen muss oder sich jemand verletzt oder man andere Charaktere auf dem Platz braucht.

Welchen Aspekt können Sie in das Spiel der Nationalmannschaft einbringen?

Ich glaube, was die Bundestrainerin an mir schätzt, ist die Physis auf dem Platz und meine Präsenz in den Zweikämpfen. Ich gehe in jeden Ball kompromisslos rein. Und mit meinem Willen kann ich die Mitspielerinnen mitreißen.

Von (A)lushi bis (Z)ietz: Alle deutschen Nationalspielerinnen von Turbine Potsdam

<b>Fatmire Lira Alushi:</b> Als sie 2009 aus Duisburg nach Potsdam wechselte, hieß sie noch Bajramaj. Alushi kickte bis 2011 bei Turbine, gewann mit dem Verein zwei Meisterschaften und 2010 die Champions League. Schon vor ihrem Wechsel nach Potsdam war sie 2007 mit der DFB-Elf Weltmeister geworden. Zur Galerie
Fatmire "Lira" Alushi: Als sie 2009 aus Duisburg nach Potsdam wechselte, hieß sie noch Bajramaj. Alushi kickte bis 2011 bei Turbine, gewann mit dem Verein zwei Meisterschaften und 2010 die Champions League. Schon vor ihrem Wechsel nach Potsdam war sie 2007 mit der DFB-Elf Weltmeister geworden. ©
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Was hat im Testspiel gegen Chile schon geklappt und wo gibt es noch Luft nach oben?

In der Defensive haben wir schon ganz gut gestanden und grundsätzlich haben wir ein gutes Spiel gemacht. In der ersten Viertelstunde haben wir extrem Druck gemacht, aber kein Tor geschossen. Daraus werden wir unsere Lehren ziehen müssen. Gegen bessere Gegner werden wir vielleicht nicht so viele Chancen bekommen, deshalb müssen wir die dann auch reinmachen.

Wie schätzen Sie die Gruppengegner China, Spanien und Südafrika ein?

China ist ein Überraschungspaket, sie können es einem richtig schwer machen, können aber auch mal keinen guten Tag erwischen. Spanien ist eine sehr spielstarke Mannschaft und unser größter Konkurrent um den Gruppensieg. Wir müssen physisch dagegenhalten und dürfen sie nicht ins Spiel kommen lassen. Für Südafrika ist es die erste Teilnahme, deshalb sind sie etwas schwieriger einzuschätzen. Wie alle afrikanischen Mannschaften sind sie physisch sehr stark und kämpfen um jeden Zentimeter.

Wie nehmen Sie die Stimmung in der Mannschaft wahr?

Es herrscht eine Riesenvorfreude, weil alle an einem Punkt sind, dass sie endlich loslegen möchten. Wir haben die ganze Saison in der Kabine immer wieder über die WM gesprochen, jetzt kann sie endlich losgehen.

Mit Svenja Huth wurde noch eine zweite Spielerin von Turbine für die WM nominiert. Torhüterin Lisa Schmitz und Felicitas Rauch stehen dagegen auf Abruf bereit. Hätten Sie gedacht, dass die beiden auch fest nominiert werden?

Ich habe ihre Chancen relativ gut eingeschätzt. Lisa hat in den letzten Spielen gut gehalten, aber die Bundestrainerin und der Torwarttrainer haben sich bestimmt sehr viele Gedanken darum gemacht und so entschieden. Für beide tut es mir natürlich sehr leid, weil sie bei den Lehrgängen davor dabei waren und sie mir als Mitspielerinnen natürlich am Herzen liegen.

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Felicitas Rauch war bei der Nationalmannschaft auch Ihre Zimmernachbarin. Wer ist es jetzt?

Laura Benkarth von Bayern München, wir haben schon in den U-Nationalmannschaften zusammengespielt und kennen uns schon lange.

Für einen möglichen WM-Sieg würde jede Spielerin 65 000 Euro bekommen und zusätzlich 10 000 Euro für die damit verbundene Olympia-Qualifikation. Die Männer hätten für einen WM-Erfolg 350 000 Euro bekommen. Sollten beide gleich viel bekommen?

Ich möchte nicht so viel zu dem Thema sagen. Ich glaube, die 75 000 Euro sind immens viel Geld, damit können wir sehr zufrieden sein.

Wie nehmen Sie Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Vergleich zu ihrem Vorgänger Horst Hrubesch wahr?

Sie sind zwei komplett unterschiedliche Trainertypen. Martina ist sehr aktiv auf dem Platz, bringt unheimlich viel Leidenschaft mit und lebt die Emotionen vor, die sie erwartet. Sie sagt genau, was sie haben will und ist sehr akribisch. Aber dabei ist sie neben dem Platz sehr locker. Am Tisch lachen wir viel. Horst ist jemand, der auch sehr locker ist, aber genau weiß, was er will. Er hat natürlich eine immense Erfahrung. Und das Training war kürzer, manchmal nur 45 Minuten, aber dafür sehr intensiv.

Der deutsche WM-Kader für Frankreich 2019:

Dieses Team hat Trainerin Martina Voss-Tecklenburg für die WM in Frankreich nominiert. Zur Galerie
Dieses Team hat Trainerin Martina Voss-Tecklenburg für die WM in Frankreich nominiert. ©

Sie studieren Sportpsychologie und haben Ende Mai Ihre Masterarbeit abgegeben. Das Thema war „Richtiges Coachen im Männer- und Frauenfußball – Gemeinsamkeiten und Unterschiede“. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Ich habe insgesamt sieben Trainer interviewt, darunter Martina, Horst und meinen Vereinstrainer Matthias Rudolph. Was extrem aufgefallen ist: Bei der verbalen Kommunikation gibt es deutliche Unterschiede. Wenn Männer Frauen coachen, dann achten sie viel mehr auf ihre Wortwahl, würden nichts unter der Gürtellinie sagen. Wenn Frauen Männer trainieren, dann treten sie viel härter und dominanter auf als gegenüber Frauen.

Haben Sie der Bundestrainerin schon von den Ergebnissen erzählt?

Ich werde sicherlich noch einmal mit Martina darüber reden – aber erst nach der WM.

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