06. Mai 2020 / 22:06 Uhr

Johannes Hein: Schon in der Jugend in Karstädt als Kapitän dabei

Johannes Hein: Schon in der Jugend in Karstädt als Kapitän dabei

Stefan Peglow
Märkische Allgemeine Zeitung
Johannes Hein im Airbus-Dress - in der Endmontagelinie der A320-Familie im Airbus-Werk Hamburg.
Johannes Hein im Airbus-Dress - in der Endmontagelinie der A320-Familie im Airbus-Werk Hamburg. © © 2019 BEATRICE KROL
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Treue Seele: Fußballer Johannes Hein hält seinem Sportclub Hertha Karstädt seit 17 Jahren die Treue.

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„Johannes kümmert sich immer. Er stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft“, lobt Trainer Sven Möller seinen Kapitän Johannes Hein. Der führt die erste Männermannschaft des SC Hertha Karstädt schon zum zweiten Mal durch eine Kreisoberliga-Saison im Fußballkreis Prignitz/Ruppin. „Das Vertrauen dazu habe ich vom Trainer gleich nach unserem Aufstieg 2018 bekommen“, erinnert sich der 21-Jährige. Er sei erstaunt, stolz und dankbar zugleich gewesen, als er die Kapitänsbinde erhielt. „Das ist immerhin eine verantwortungsvolle Aufgabe für einen jungen Spieler wie mich“, sagt Hein. „Johannes ist ein intelligenter Spielmacher, von dem man auch menschlich etwas lernen kann. Selbst ich!“, erklärt sein Trainer die damalige Entscheidung, die er „so immer wieder“ treffen würde, versichert er.

Der junge Spielführer belegt mit seinem Team in der wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison derzeit den zwölften Tabellenplatz. Damit hat die Mannschaft sportlich ihr selbst gestecktes Ziel, den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu packen, geschafft. „Denn spielen werden wir ja nicht mehr“, weiß Möller. Überbewerten müsse man dieses Ergebnis – wie auch die Saison selbst – nicht. Die junge Truppe habe sich alles aber „absolut verdient“.

Quizzen gegen die Langeweile: Die Fragen von Bornims Trainer Janko Müller.

Trainer Janko Müller von der SG Bornim aus der Landesklasse West testet in der Zwangspause das Fußballwissen von Freunden. Zur Galerie
Trainer Janko Müller von der SG Bornim aus der Landesklasse West testet in der Zwangspause das Fußballwissen von Freunden. © SPORTBUZZER

Schon seit Jahren spielen die meisten Akteure der ersten Vertretung des SC Hertha gemeinsam Fußball. „Und auch im Jugendbereich war ich schon regelmäßig Kapitän“, erzählt Hein, der bereits im E-Junioren-Alter von Sven Möller trainiert wurde. „Mit vier Jahren haben wir damals in einem recht großen Team angefangen Fußball zu trainieren“, erinnert sich Hein noch heute an das erste Probetraining mit seinen Freunden bei Günter Kolrep. „Unter dem haben wir alle so lange gespielt, bis er vor Jahren als Übungsleiter aufgehört hat.“

Anschließend wurde der Nachwuchs von Torsten Rusch und Sven Möller weiter ausgebildet. Das sei eine „tolle Zeit“ gewesen. Hein: „Ich erinnere mich noch gut an die jährlichen Trainingscamps bei uns auf dem Sportplatz. Wir trainierten unter anderem mit Ex-Profi René Tretschok und DFB-Stützpunkttrainer Frank Dannehl. Wir hatten aber auch sehr schöne Camps in Dänemark.“

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Hein wisse noch genau, gegen welche Vereine er schon gespielt habe. Das sei Wahnsinn, „wer alles in unser kleines Dörfchen kam und wo wir schon waren.“ Renommierte Vereine wie der BFC Dynamo, Hertha BSC und Hansa Rostock kann er aufzählen. Aber auch die mehrtägigen Osterturniere beim Lichtenrader BC habe er in guter Erinnerung. Besonders gern erinnere er sich jedoch an ein E-Junioren-Hallenmasters der Karstädter, bei dem seine Mannschaft die Gäste vom FC St. Pauli mit 3:0 besiegten. „Das war für uns schon ein krasses Erlebnis“, versichert der junge Spielmacher, dessen Herz für die Profis des Hamburger SV schlägt. Dem halte er selbst in der zweiten Liga noch die Treue.

„Und dem SC Hertha ist er auch treu geblieben“, freut sich der Trainer. Das sei keine Selbstverständlichkeit. „Schließlich lernt Johannes seit zwei Jahren Fluggerätemechaniker bei Airbus in Hamburg“, informiert Möller. „Das ist ja mal nicht eben um die Ecke.“ Zum Freitagstraining und den Spielen am Sonntag sei der Kapitän dennoch immer vor Ort. Natürlich komme er auch an jedem Wochenende heim, um seine Freundin Selma, „die in Rostock auf Lehramt studiert“ zu sehen. „Zur Zeit habe ich natürlich etwas mehr Luft für sie – so ganz ohne Fußball und Training“, sagt Hein. Persönlich hält er sich aktuell mit Laufeinheiten fit. In seiner Wohnung in Finkenwerder mache er zudem regelmäßig Workouts. Nach der Arbeit sei das ein guter Ausgleich.

"Man durchläuft sehr viele Einsatzbereiche"

Seit September 2018 lernt der ambitionierte Freizeitkicker bei Airbus. „Mittlerweile bin ich also schon im zweiten Lehrjahr“, erzählt er stolz. Die Ausbildung sei sehr umfangreich, „aber cool“. „Man durchläuft sehr viele Einsatzbereiche.“ Im vergangenen Jahr war er sogar für eine Woche in England. „Zu einer Teambuilding-Maßnahme. Schließlich sind wir ein multinationales Team – haben uns daher dort nur in einer Sprache, Englisch, verständigt“, hebt der angehende Fluggerätemechaniker, auch im Beruf ein echter Teamplayer, das Miteinander bei Airbus hervor. In diesem Jahr sollte er eigentlich für sechs Wochen in den Vereinigten Staaten arbeiten. „Aber das wird ja wahrscheinlich auf Grund von Corona leider nichts“, bedauert Hein.

Der Wow-Effekt, den er zum Zeitpunkt seiner Bewerbung bei Airbus verspürt habe, sei aber immer noch präsent und sporne ihn auch in Zeiten der Coronakrise an. „Ein Riesenschuppen, Riesenflieger, alles hat nach der Bewerbung ganz schnell geklappt…“, er sei immer noch „geflasht“, erzählt er lachend. „Vor allem die ersten Wochen der Ausbildung waren echt krass, da gab es viele neue Eindrücke.“

„Wir produzieren Flugzeuge für die zivile Luftfahrt“

Dabei wollte Hein ursprünglich, wie sein Vater, in die Kfz-Branche einsteigen, hatte sich bei VW und Porsche beworben. „Doch dann bin ich auf Airbus aufmerksam geworden. Ich war dann vor Ort und dachte sofort: ,Wow!‘“ Stolz erzählt er seither jedem, der ihn nach seinem Beruf fragt: „Wir produzieren Flugzeuge für die zivile Luftfahrt.“

„Das ist schon eine tolle Sache, die Johannes da macht“, findet sein Trainer Sven Möller. Ganz stark sei auch, „dass Johannes seiner Heimat die Treue“ halte. Er kommt jedes Wochenende nach Hause – nach Karstädt. Zu seinem Verein. Hein: „Denn Hertha Karstädt heißt für mich Zusammenhalt. Hier arbeiten schon ewig die selben Leute zusammen, das Trainerteam steht hinter uns.“ Dazu kämen ein gesundes Vereinsleben und die Unternehmungen außerhalb davon. „Wir sehen uns Bundesligaspiele an, fahren angeln – aktuell planen wir gemeinsam für die neue Saison“, informiert der junge Mannschaftskapitän.