20. April 2022 / 16:10 Uhr

Deutscher in der Serie A: Wie Johannes Spors aus Genua den "modernsten Klub Italiens" machen will

Deutscher in der Serie A: Wie Johannes Spors aus Genua den "modernsten Klub Italiens" machen will

Hans-Günter Klemm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Johannes Spors arbeitet seit Dezember als Sportdirektor bei Serie-A-Klub CFC Genua.
Johannes Spors arbeitet seit Dezember als Sportdirektor bei Serie-A-Klub CFC Genua. © IMAGO/ProShots (Montage)
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Als erster deutscher Manager in der Serie A hat Johannes Spors beim CFC Genua große Ziele. Er gibt einen Einblick in seine Pläne und erklärt, warum er auch im Falle eines Abstiegs bleiben darf. An seiner Seite arbeitet inzwischen ein Landsmann: Trainer Alexander Blessin.

"Ich habe nie einen Fuß in ein Klassenzimmer gesetzt", sagt der Mann, der Lehrer werden wollte. In seiner Geburtsstadt Heidelberg hat Johannes Spors Lehramt studiert, Sportwissenschaften und Politik als Fächer. Für ihn ein Glücksfall, dass die Uni eine Kooperation mit der TSG Hoffenheim begann. Der Student Spors, an Fußball interessiert, beteiligte sich an dem Projekt, drehte Filme von Spielen des Klubs. "So ging für mich eine Tür auf."

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Es war der Start in eine einzigartige Karriere im Profifußball. Der Beginn des märchenhaften Aufstiegs eines Quereinsteigers, der sich unaufhaltsam an die Spitze der Branche gearbeitet hat. Heute ist der in Deutschland noch unter dem Radar laufende 39-Jährige eine beachtete Größe im internationalen Geschäft, besonders in Italien. Seit Dezember amtiert er als Sportdirektor bei CFC Genua. Der erste Deutsche in dieser Funktion in der Serie A, seit Rudi Völlers Engagement als Trainer bei AS Rom überhaupt der erste Bundesbürger in einer verantwortlichen Rolle.

"Eine spannende Aufgabe", sagt Spors. "Mir war früh klar, ich wollte in die erste Reihe." Sein Werdegang ist bezeichnend: erst Spielanalyst, dann Chefscout in Hoffenheim, bei RB Leipzig und beim Hamburger SV. Sein Motto: "Raus aus der Komfortzone." Danach wagte er den Sprung an die vorderste Front. Berufsbezeichnung: Sportdirektor, ausgestattet mit einer Machtfülle und verantwortlich für den kompletten Sportbereich, inklusive Kaderplanung und Jugendakademie. Erfolg hatte er zuvor als technischer Direktor schon in der holländischen Eredivisie, wo er in eineinhalb Jahren Vitesse Arnheim ins Pokalfinale und in den Europacup führte.

Nun also die neue Herausforderung in Ligurien. "Wir wollen aus dem ältesten Klub den modernsten und innovativsten Klub in Italien machen", sagt der Badener. CFC Genua war im Vorjahr von "777 Partners", einem amerikanischen Investmentfonds, übernommen worden. Die US-Geldgeber setzen auf Spors und auf die von ihm garantierte deutsche Wertarbeit, sie lassen ihm freie Hand bei der "gewünschten Transformation". Spors: "Wir durchleuchten jedes Detail, behalten das Gute, aber bauen im Grunde das meiste neu auf."

Im winterlichen Transferfenster war der Manager gefordert: neun neue Spieler verpflichtet, darunter den aus Leverkusen ausgeliehenen Nationalspieler Nadiem Amiri, im Gegenzug 13 Akteure abgegeben. Erste Maßnahmen, um den mit rund 80 Profis aufgeblähten Kader zu entschlacken. Auch vor unpopulären Maßnahmen scheute Spors nicht zurück. Er beurlaubte mit Andrej Schewtschenko, dem Trainer aus der Ukraine, eine lebende Legende. "Eine Personalie, die ich aus Überzeugung getroffen habe."

Nachfolger wurde ein trotz der in Belgien erworbenen Meriten weitgehend Unbekannter: Alexander Blessin, 2021 zum Trainer des Jahres im Nachbarland gekürt. Spors sieht in ihm die Idealbesetzung: "Er steht für den Spielstil, den wir anstreben. Balleroberung, Tempospiel und schnelles Umschaltverhalten." Das deutsche Duo will so eine "Duftmarke in der italienischen Liga" setzen. Anfangs kritisch beäugt, hat Blessin die Herzen der Tifosi erobert, weil er schnellen Erfolg verbuchte: neun Unentschieden und ein Sieg seit dem Debüt. Die Hoffnung, den Abstieg trotz sechs Punkten Rückstand bei fünf ausstehenden Spielen noch zu vermeiden, keimt weiter. Sollte es nicht klappen, so droht den Deutschen in Genua kein Ungemach. "Bei einem Abstieg sitze ich hier weiter in meinem Büro", sagt Spors, der sich der Rückendeckung der US-Investoren sicher ist. "Unser Engagement ist langfristig angelegt."