10. Mai 2021 / 07:40 Uhr

Sportschützin Jolyn Beer qualifiziert sich für Olympia: "In mir ist ganz viel Leere"

Sportschützin Jolyn Beer qualifiziert sich für Olympia: "In mir ist ganz viel Leere"

Alexander Flohr
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Freut sich über ihre erste Olympia-Teilnahme: Jolyn Beer.
Freut sich über ihre erste Olympia-Teilnahme: Jolyn Beer. © Eckhard Frerichs/DSB
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In der Qualifikation in Wülfel bestätigte Jolyn Beer ihre Favoritenrolle. Zur Vorbereitung arbeitete sie mit einer Sportpsychologin zusammen. Nun ist sie bei den Olympischen Spielen dabei - und hat dort viel vor.

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Vor den letzten fünf Ringen war Jolyn Beer (SV Lochtum) klar: Diesen Vorsprung wird sie nicht mehr abgeben. Die Anspannung löste sich, der Herzschlag wurde etwas langsamer, die Atmung ruhiger. Die Konzentration ließ nach, die Ringe traf Beer nicht mehr so konsequent wie zuvor. Doch das war egal. Mit insgesamt 3538 getroffenen und 28 Ringen Vorsprung hat die Sportschützin am Sonntag die interne Qualifikation zu den Olympischen Spielen in Tokio deutlich gewonnen.

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Kurz nach dem Wettkampf in Wülfel kann die 26-Jährige ihre Emotionen kaum einordnen. „In mir ist ganz viel Leere“, sagt sie. „Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen.“ Beer verspürte in den vergangenen Wochen einen immensen Druck. Ihre ganze Vorbereitung war auf die Olympiaqualifikation ausgerichtet. Zur Unterstützung holte sich die Bordenauerin sogar eine Sportpsychologin vom Stützpunkt hinzu. „Ich war schrecklich nervös“, sagt Beer. „Sie hat mich etwas heruntergeholt und mir klargemacht, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich die Quali nicht schaffe.“

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Medaillen-Chance in Tokio

Doch Beer blieb bei ihrer Paradedisziplin Kleinkaliberschießen 3×40 (je 40 Schuss kniend, liegend und stehend) nervenstark. Ihre Verfolgerinnen Amelie Kleinmanns (Zweite, 3510 Ringe), Anna Janssen (Dritte, 3508) und Tina Lehrich (Vierte, 3507) waren bei teilweise windigen Bedingungen nicht ganz so locker drauf. Beer: „Mein Vorteil war auch, dass ich bei Wind sehr gut schießen kann.“



Für Beer wird es die erste Teilnahme bei den Olympischen Spielen sein. Dabei sein ist alles – auf diesen olympischen Gedanken will sie sich ab dem 23. Juli aber nicht beschränken. Seit drei Jahren ist sie unter den zehn besten Schützinnen der Welt. Warum also nicht gleich im ersten Anlauf eine Medaille? „Das ist möglich, aber dafür brauche ich auch viel Glück“, sagt sie. „Ich denke, Chancen aufs Finale habe ich. Eine Platzierung unter den besten acht ist mein Ziel.“

Straffer Zeitplan bis Olympia

Zunächst genießt Beer aber ein paar Tage ohne Anspannung. Nach dem Wettkampf macht sie den Grill an, stößt mit ihrer Frau Jessica an. „In den nächsten Tagen besuche ich meine Eltern“, sagt sie. Eine große Feier ist aktuell nicht drin. Doch viel Zeit zum Feiern bleibt ihr auch gar nicht.

Ende Mai steht die Europameisterschaft in Osijek (Kroatien) an. Auch dort geht Beer als Favoritin in das Turnier. Im Anschluss folgt ein weiterer interner Ranglisten-Wettbewerb bei der Nationalmannschaft. Nach ein paar freien Tagen geht’s dann ab ins Flugzeug in Richtung Tokio.