22. Februar 2018 / 18:49 Uhr

Jordan Torunarigha bei Hertha BSC auf den Spuren von Vorbild Jerome Boateng

Jordan Torunarigha bei Hertha BSC auf den Spuren von Vorbild Jerome Boateng

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Jordan Torunarigha: Verschätzte sich in der 23. Minute bei einem hohen Ball, den Quaison fast zum 0:1 nutzen konnte. Beim Gegentor wie Pekarik getunnelt worden. Nach vielen guten Spielen des Eigengewächses zuletzt war das ein unterdurchschnittliches. Note: 5
Jordan Torunarigha spielt seit 2006 für Hertha BSC. © imago
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Bundesliga: Innenverteidiger der Berliner spricht vor dem Spiel gegen den FC Bayern München über rassistische Anfeindungen in der Regionalliga, Mitspieler Arne Maier und seinen Wert bei FIFA 18.

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Wenn Jordan Torunarigha spricht, dann tut er das leise und ruhig. Schon darin ähnelt der 20-Jährige dem Spieler, mit dem das Hertha-Talent bereits verglichen wird: Jerome Boateng. „Er ist ein Vorbild von mir und ich versuche mir ein paar Sachen von ihm abzuschauen. Wenn man Auge in Auge gegen ihn spielen kann, freut mich das natürlich. Er führt jeden Zweikampf hart und sein Spielaufbau ist überragend“, sagt Torunarigha über den Ex-Berliner, der inzwischen für Bayern München und am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky) als Gegner aufläuft.

Spielaufbau ist die große Stärke

Auch bei Torunarigha gilt der Spielaufbau als große Stärke. Der Linksfuß besticht durch kluge und präzise Pässe, ist für einen Abwehrspieler technisch unheimlich versiert. Ab und an streut er allerdings die ein oder andere Unachtsamkeit in sein Spiel, wie auch Boateng in seinen Anfangsjahren. „Ich bin grundsätzlich ein ruhiger Spieler, ich komme in den Spielen, glaube ich, nie nervös rüber. Aber in ein paar Situationen muss ich noch reifer werden und mich noch mehr konzentrieren, um der Mannschaft noch mehr helfen zu können“, sagt Torunarigha selbst.

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Das ist eine durchaus realistische Selbsteinschätzung des Hochveranlagten. Bärenstarken Auftritten wie gegen Bremen (Hertha-Trainer Pal Dardai: „Er war der beste Mann.“) folgen dann auch wieder Ausreißer nach unten wie beim desaströsen 0:2 gegen Mainz vergangenen Freitag. „Ich kann mir die Leistung auch nicht richtig erklären. Wir waren nicht gierig in den Zweikämpfen, sind gar nicht richtig in die Duelle gekommen, haben ein bisschen schlapp gewirkt. Es war einfach insgesamt kein guter Tag.“

Vater erster Afrikaner in der ehemaligen DDR

Da kommt der Rekordmeister als Gegner gerade recht. „Gegen Mainz waren wir, in Anführungszeichen, der Favorit. Vielleicht hatten wir dadurch zu viel Druck. Bayern ist eine der besten Mannschaften der Welt, wir können also befreit aufspielen und haben nichts zu verlieren“, sagt der deutsche U21-Nationalspieler.

Geboren wurde Torunarigha in Chemnitz, sein Vater Ojokojo war nach dem Mauerfall der erste afrikanische Profi in der ehemaligen DDR. „Er erzählt nicht so viel von damals. Er sagt mir nur, wie langsam der Fußball früher war, es war praktisch Standfußball. Der Fußball heute ist viel schneller und dynamischer geworden. Er erzählt auch immer, wie gerne er jetzt spielen würde“, sagt Torunarigha.

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In einem Interview mit dem Magazin 11Freunde sagte sein Vater einst: „Ich wurde geliebt als Fußballer und abgelehnt als Mensch, als Schwarzer.“ Anfeindungen wegen seiner Hautfarbe erlebte auch Jordan Torunarigha schon. „Bei der U23 in der Regionalliga wurde ich schon einmal wegen meiner Hautfarbe angegriffen. Da gab es ein paar Sprüche. Das hat mich schon verletzt. Ich kann nichts für meine Hautfarbe. So etwas sollte es in Deutschland und auch irgendwo anders generell nicht mehr geben.“

Seit 2006 in Spandau

In Berlin sei ihm das  hingegen noch nie passiert. 2006 zog die Familie in die Hauptstadt, Torunarighas sieben Jahre älterer Bruder Junior wechselte zu Hertha, aktuell spielt er für Regionalligist Alemannia Aachen. Seit jeher wohnen die Torunarighas in Spandau, 15 Minuten vom Olympiastadion entfernt, Sohn Jordan auch noch bei der Familie. „Sie halten mich schon gut auf dem Boden, auch die Trainer und die Mannschaft. Ich neige eh nicht dazu, aber sie sorgen dafür, dass ich nicht abhebe“, erzählt Torunarigha von der Familie als wichtige Stütze in seinem Leben.

Auch Fleiß scheint ihm dort vermittelt worden zu sein, diese Woche schob er Extraschichten. „Defensiv ist mein Kopfballspiel okay, offensiv kann ich mich aber auf jeden Fall noch verbessern. Bayern schlägt viele Flanken, die müssen wir gut und sauber klären und dann vielleicht vorne eines machen“, sagt Torunarigha. Dafür müsste er am Sonnabend an seinem Vorbild Jerome Boateng vorbei.

Torunarigha über FIFA 18 und Arne Maier

Seit dieser Saison ist er auch beim Videospiel Fifa 18 als Spieler. „Ich habe auf Fifa 18 gewartet. Ich glaube, es ist von jedem Spieler ein Traum, dass er mal sich selbst auf Fifa spielen kann. Auch wenn ich sagen würde, Fifa hat mich ein bisschen zu schlecht eingeschätzt (lacht). Meinen Schuss würde ich ein bisschen hochstufen, meine Schnelligkeit auch. Aber davon kann ich mir auch nichts kaufen. Es ist zwar schön, aber ich muss weiter Gas geben.“

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Mit Mitspieler Arne Maier aus Ludwigsfelde harmoniert er besonders gut, er ist im zentralen Mittelfeld häufig eine Anspielstation. „Arne ist ein überragender Spieler. Er ist 19 Jahre alt, spielt einfach drauf los, ohne zu überlegen. Ich mag es, mit ihm zusammenzuspielen. Ich kann ihn immer anspielen, er weiß, wie er mich anspielen muss, wir harmonieren da sehr gut.“

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