06. Februar 2020 / 12:12 Uhr

Vater von Jordan Torunarigha: "Rassismus tut unglaublich weh" - Unterstützung von Boateng-Brüdern 

Vater von Jordan Torunarigha: "Rassismus tut unglaublich weh" - Unterstützung von Boateng-Brüdern 

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jordan Torunarigha wurde beim Pokal-Spiel auf Schalke rassistisch beleidigt.
Jordan Torunarigha wurde beim Pokal-Spiel auf Schalke rassistisch beleidigt. © Getty Images
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Jordan Torunarigha beschäftigte schon als Kind das Thema Rassismus. Nach dem Vorfällen beim Pokalspiel zwischen dem FC Schalke und Hertha BSC spricht sein Vater Ojokojo über seine Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit. Einige Profifußballer, darunter Kevin-Prince und Jerome Boateng, solidarisierten sich mit dem Junioren-Nationalspieler.

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Jordan Torunarighas Vater Ojokojo hat über eigene Erfahrungen mit Rassismus berichtet. "Diskriminierungen lauerten überall. Ich wurde bei einem Stadtfest durch die Stadt gejagt", sagte der frühere Spieler des Chemnitzer FC der Bild-Zeitung. "Die Polizei half mir erst, als sie erkannten, dass ich ein Fußball-Profi war. Ich habe immer versucht, den Rassismus von meinen Kindern fernzuhalten."

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Der gebürtige Nigerianer Torunarigha kam kurz nach der Wende nach Deutschland und spielte unter anderem für den CFC und Borussia Neunkirchen. Sein Sohn Jordan ist seit der Jugend bei Hertha BSC. Im Achtelfinale des DFB-Pokals am Dienstagabend zwischen dem FC Schalke 04 und den Berlinern (3:2 n.V.) war Torunarigha, der in Verlängerung die Gelb-Rote Karte sah, laut Aussagen der Gäste mehrfach rassistisch beleidigt worden. Der DFB-Kontrollausschuss leitete am Mittwoch eine Untersuchung ein.

Torunarigha: "Einige Eltern meiner Freunde haben mich nicht akzeptiert"

"Vielleicht muss er seine Emotionen manchmal besser in den Griff bekommen", sagte Ojokojo Torunarigha über seinen Sohn. "Aber Rassismus tut unglaublich weh. Viele, die sich jetzt darüber erheben und eine schlaue Meinung haben, wissen nicht, wie es sich anfühlt, rassistisch beleidigt zu werden." In seiner Kindheit spielte Jordan Torunarigha auch in Chemnitz und berichtete im vergangenen Jahr in der Berliner Zeitung über seine Erfahrungen. "In Chemnitz haben mich einige Eltern meiner Freunde früher nicht akzeptiert", sagte er im März. "Beim Fußball wurde ich komisch angeschaut. Nicht von den Kindern, die kennen Rassismus nicht, aber von deren Eltern habe ich schon immer wieder eine Abneigung gespürt. Mit acht Jahren bin ich dann nach Berlin gekommen. Hier war alles komplett anders."

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Selke und die Boateng-Brüder unterstützen Torunarigha

Nach den Vorwürfen rassistischer Vorfälle haben sich einige Profis mit Torunarigha solidarisiert. "Wir stehen alle hinter dir Bruder!!! #notoracism", schrieb sein früherer Teamkollege Davie Selke, der inzwischen bei Werder Bremen spielt, in der Nacht zu Donnerstag bei Instagram. "Hätte nicht gedacht, dass so etwas in Deutschland 2020 möglich ist! Bin fassungslos!", schrieb Bayern Münchens Jérôme Boateng bei Twitter. "Racism I am with you my man" (Ich bin bei dir), teilte dessen älterer Halb-Bruder Kevin-Prince mit. "Wenn Engstirnigkeit nur mit geschlossenen Mündern einhergehen würde...!" Kevin-Prince Boateng war in seiner Karriere schon mehrfach Ziel von Rassismus durch Zuschauer gewesen und setzt sich aktiv gegen Hass und Intoleranz ein.