20. November 2020 / 11:05 Uhr

Jörg Heinrich zur Corona-Pause der Nachwuchskicker: Die Jungs sind voll ausgebremst worden

Jörg Heinrich zur Corona-Pause der Nachwuchskicker: Die Jungs sind voll ausgebremst worden

Axel Eifert
Märkische Allgemeine Zeitung
Nach einem halben Jahr als Trainer beim Brandenburgligisten SV Falkensee-Finkenkrug war Jörg Heinrich Ende Dezember 2017 als Co-Trainer zum Bundesligisten Borussia Dortmund gewechselt, wo er ebenfalls ein halbes Jahr tätig war.
Nach einem halben Jahr als Trainer beim Brandenburgligisten SV Falkensee-Finkenkrug war Jörg Heinrich Ende Dezember 2017 als Co-Trainer zum Bundesligisten Borussia Dortmund gewechselt, wo er ebenfalls ein halbes Jahr tätig war. © Jan Kuppert
Anzeige

Der Ex-Nationalspieler findet das Trainings- und Spielverbot tragisch und hat eine zurückhaltende Meinung zur deutschen Nationalmannschaft.

Anzeige

Der frühere Fußball-Nationalspieler und ehemalige Bundesliga-Profi Jörg Heinrich (50) findet es schade, dass derzeit wegen der Corona-Pandemie kein Training und auch keine Spiele auf dem Sportplatz an der Leistikowstraße im Falkenseer Ortsteil Finkenkrug stattfinden, von dem er nur wenige Minuten Fußweg entfernt wohnt und deshalb oft noch als interessierter Zuschauer zu Gast ist.

Anzeige

Vom 1. Juli bis Mitte Dezember 2017 war der lizensierte Fußball-Lehrer dort ein halbes Jahr lang Trainer des Brandenburgligisten SV Falkensee-Finkenkrug, bevor ihn sein früherer Bundesligaklub Borussia Dortmund, mit dem er zweimal Deutscher Meister und 1997 Champions League Sieger geworden ist, als Co-Trainer für den damaligen Coach Peter Stöger geholt hat. Dort blieb er bis zum Saisonende 2018. Derzeit kümmert sich der gebürtige Rathenower Jörg Heinrich hauptsächlich um seine zwei Sportgeschäfte in Rathenow und Berlin-Spandau.

Von Thomas Grunenberg bis André Bittner: Die Trainer des SV Falkensee-Finkenkrug seit 2004

Nach insgesamt drei Oberliga-Spielzeiten tritt der SV Falkensee-Finkenkrug aktuell in der Brandenburgliga an. Wir haben die Trainer seit 2004 für euch zusammengestellt. Zur Galerie
Nach insgesamt drei Oberliga-Spielzeiten tritt der SV Falkensee-Finkenkrug aktuell in der Brandenburgliga an. Wir haben die Trainer seit 2004 für euch zusammengestellt. © Jan Kuppert/Oliver Schwandt/Axel Eifert/Tanja M. Marotzke/Robert Roeske/Frank Neßler

Haben Sie die blamable und deshalb viel diskutierte 0:6-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft am Dienstagabend gegen Spanien gesehen?

Jörg Heinrich: Ja, ich habe das Spiel gesehen, aber ich muss sagen, dass ich nicht so der große Nationalmannschaftsfan bin. Das Tagesgeschäft in der Bundesliga finde ich viel interessanter. Deshalb hat das sicherlich enttäuschende Ergebnis bei mir auch nicht so große Emotionen ausgelöst. Dann fehlen derzeit bei den Fußballspielen wegen Corona die Zuschauer, das kommt dann auch noch dazu.

Ist das Ergebnis für eine deutsche Nationalmannschaft gegen ein sogenanntes B-Team der Spanier aber nicht blamabel?

Das sehe ich nicht ganz so. Die Spanier können schon alle Fußball spielen, das ist jedenfalls kein Fallobst gewesen. Aber sicherlich hätte auch ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht.

Was sagen Sie denn dazu, dass es nun um „Jogi“ Löw eine Trainerdiskussion gibt?

Das ist eben das Geschäft. Du bist als Trainer von Ergebnissen abhängig. Ich finde es aber ansonsten generell gut, wenn nicht permanent der Trainer in Frage gestellt wird. Aber wie gesagt, insgesamt bin ich zu weit weg von der Nationalmannschaft.

Aktuelles aus Brandenburg

Herr Heinrich, ein ganz anderes Thema. Ihr großer Sohn Louis spielt ja in dieser Saison bei den B-Junioren des SV Falkensee-Finkenkrug in der zweiten Mannschaft in der Landesklasse Nord/West. Wie finden Sie es denn, dass wegen der Coronabeschränkungen für die Jungs derzeit wieder kein Training und auch keine Spiele möglich sind?

Das ist schon sehr tragisch, zumal sich die Mannschaft ja im Sommer neu gefunden hat. Ich habe da auch mitgeholfen, damit wir genug Spieler zusammen bekommen. Wir haben Jungs aus der Region angesprochen, die zu uns passen würden, und die haben wir dann auch bekommen. Es funktioniert sehr gut mit der Mannschaft, die ja noch zum jüngeren Jahrgang der B-Junioren gehört. In der Tabelle belegen sie zum Saisonabbruch nach sechs absolvierten Spielen den sehr guten dritten Platz. Die Jungs haben Bock und schon eine ganze Menge dazugelernt. Wir haben 18 Spieler im Kader der Mannschaft, von denen sind immer 16 regelmäßig zum Training gekommen. Allen macht es großen Spaß. Und das, obwohl die Jungs ja gerade in einem Alter sind, wo es mit dem Training manchmal schwierig ist.

Wie finden Sie es denn, dass die Jungs vormittags zur Schule müssen, aber am Nachmittag nicht zum Training dürfen?

Darüber kann man sicher ewig diskutieren. Genau wie darüber, dass derzeit viele Fußball-Nationalmannschaften durch ganz Europa fliegen, um Spiele zu bestreiten. Ob das so richtig Sinn macht, weiß ich auch nicht. Ich finde einfach schade, dass die Jungs nicht trainieren können. Sonst sind sie dreimal in der Woche zum Training gekommen und am Wochenende noch zum Spiel. Jetzt sind sie auf einmal voll ausgebremst worden. Da können wir nur hoffen, dass sie in dieser Zeit nicht die Lust am Fußball verlieren. Das geht ja heute schneller als früher, wo es nicht so viele andere Ablenkungen gab.

Ihr kleinerer Sohn spielt ja auch Fußball bei den F-Junioren in Falkensee. Was sagen Sie denn dazu, dass zum Beispiel in Berlin in Spandau die unter Zwölfjährigen weiter Sport treiben und trainieren können und nur ein paar Kilometer weiter in Brandenburg (Falkensee) nicht?

Auch darüber kann man sich die Köpfe heiß reden. In Berlin sind die Kinder meist ja noch viel enger zusammen als in Brandenburg. Für jeden Nachwuchskicker, der seinen Sport mit Herz macht, ist die jetzige Situation hier in Brandenburg echt schwer.

Und wie geht es Ihnen derzeit persönlich?

So weit sehr gut. Allerdings sitze ich derzeit auch mehr hier zu Hause in Falkensee als ich es möchte. Ich bin ja weiterhin auch für den Bundesligisten Borussia Dortmund tätig, vor allem auch im Ausland. Aber derzeit sind ja wegen Corona weltweit Reisen kaum möglich und vor allem nach Südamerika, wo ich oft zu tun habe, geht momentan überhaupt nichts.