19. Oktober 2018 / 15:15 Uhr

Jörg Schmadtke: "In meinen Augen ist die AfD nicht wählbar" - Politischer Klartext vom Manager des VfL Wolfsburg

Jörg Schmadtke: "In meinen Augen ist die AfD nicht wählbar" - Politischer Klartext vom Manager des VfL Wolfsburg

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Jörg Schmadtke findet deutliche Worte
Jörg Schmadtke findet deutliche Worte © Boris Baschin
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Jörg Schmadtke hat zum Thema Fremdenfeindlichkeit deutliche Worte gefunden. In der aktuellen Ausgabe des Vereinsmagazins "Unter Wölfen" nimmt der Manager der VfL Wolfsburg auch Stellung zur AfD: "In meinen Augen ist diese Partei nicht wählbar."

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Im Nachgang der VfL-Aktion "Gemeinsam bewegen" steht das Heft ganz im Zeichen des Themas Vielfalt. Im bewust mit politischen Themen besetzten Interview bezieht der VfL-Geschäftsführer mit klaren Worten Stellung zur politischen Lage in Deutschland, zur Fremdenfeindlichkeit auf den Straßen und zum Thema Rassismus im Fußball. Auch gegenüber der AfD nimmt er dabei eine deutliche Haltung ein. Jörg Schmadtke über...

...politische Haltung: "Auch wer sagt, dass er sich nicht für Politik interessiert, nimmt damit eine politische Haltung ein. Ich glaube, in Zeiten wie diesen, ist es wichtig, sich mit den politischen Rahmenbedingungen des Landes, in dem man lebt, auseinanderzusetzen. Desinteresse oder Nichtwählen führt dazu, dass Ränder gestärkt werden. Und das ist gefährlich."

...den offen gezeigten Rechtsradikalismus in Chemnitz: "Ich war zum einen sehr überrascht darüber, dass offen rechtsradikale Äußerungen und sogar das Zeigen des Hitlergrußes, obwohl die Polizei danebensteht, in Deutschland möglich sind. Zum anderen war ich erschrocken zu sehen, dass Leute der bürgerlichen Mitte trotzdem zähneknirschend mitmarschieren. Das ist das Gefährliche daran."

...die AfD: "Wenn man die politischen Diskussionen verfolgt und gut zuhört, wenn AfD-Vertreter sich äußern, dann muss man sich über den großen Zuspruch sehr wundern. In meinen Augen ist diese Partei nicht wählbar. Dass so viele Leute es trotzdem tun, ist ein alarmierendes Zeichen für unseren Umgang miteinander. Allerdings gibt es auch Gründe für diese Entwicklung, die zum Teil im Verhalten des politischen Establishments zu finden sind. Wenn man erst gar keine Regierungsbildung hinbekommt und dann, wenn die Koalition endlich im Amt ist, fast pausenlos über ihr Auseinanderbrechen diskutiert werden muss, dann ist das nicht gut. Außerdem bin ich überzeugt, dass man sich mit der AfD sachlich auseinandersetzen muss. (...) Man muss fragen: Was wollt ihr eigentlich? Welche Sorgen treiben euch um? Wie können wir euch wieder zurückholen?"

...die Frage, ob AfD-Wähler in der VW-Arena willkommen sind: "Ich würde ihn nicht per Handschlag begrüßen, weil seine und meine Grundprinzipien nicht zu vereinbaren sind. Wenn man auf die Umfragen schaut, dann kann man allein schon statistisch aber nicht ausschließen, dass AfD-Sympathisanten unsere Spiele besuchen, ohne dass wir das überhaupt wissen. Letztlich steht es einem Klub nicht zu, an der Stadionkasse politische Meinungen auszusieben. Um zu verdeutlichen, wie der VfL zu dem Thema steht, verweise ich deshalb lieber auf unsere Werte. Toleranz, Weltoffenheit, Respekt – wer sich damit nicht identifizieren kann, und das gilt offenkundig für die Anhänger dieser Partei, der ist beim VfL Wolfsburg falsch. (...) Es kommt meiner eigenen politischen Gesinnung sehr nah, dass man sagt: Mit denen wollen wir nichts zu tun haben. Allerdings hat man als Fußballverein auch eine Integrationsfunktion und sollte
deshalb immer lieber auf Menschen zugehen als sie auszuschließen."

Gemeinsam bewegen -  Die Bilder zum Aktionstag des VfL Wolfsburg

Gemeinsam bewegen: Die VfLer vor der Abfahrt Zur Galerie
Gemeinsam bewegen: Die VfLer vor der Abfahrt ©
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..die Flüchtlingsprojekte, die "Gemeinsam bewegen" unterstützt hat: "Es war bemerkenswert, weil wir als Verein damit klar Stellung bezogen haben. Zu sagen ,Flüchtlinge, ihr seid willkommen' ist nicht mehr so populär wie noch vor zwei Jahren. Trotz der öffentlichen Wahrnehmung hat die Jury aber bewusst entschieden,sich im Rahmen der Aktion auch für Geflüchtete einzusetzen. Das fand ich richtig."

...den Umgang mit ausländischen Mitmenschen: "Ich bin mein Leben lang Sportler gewesen und habe es immer als völlig normal empfunden, dass ausländische Jungs Teil meiner Mannschaft waren. Ich bin mit ihnen großgeworden. Ein Ausländer war für mich nie etwas Fremdes oder Abstoßendes, ganz im Gegenteil. Ich habe viel in meinem Leben von Menschen gelernt, die anderer Herkunft waren als ich. Trotzdem bemerke ich natürlich diese Unsicherheit und nehme mit Sorge wahr, was zum Beispiel in Chemnitz passiert ist."

...Rassismus-Erfahrung während der aktiven Karriere: "Es hat sie gegeben, zum Glück waren es aber nur wenige. Ein Kollege zu Düsseldorfer Zeiten ist in einem Spiel mal böse von den gegnerischen Fans angegangen worden, daran kann ich mich gut erinnern. Die Bananenwürfe waren nicht immer gegen Ausländer gerichtet, meine ich, auch Oliver Kahn zum Beispiel hat eine Menge um die Ohren bekommen. Aber es stimmt schon, das war eine Zeitlang im Grunde normal. Heute kommt das in dieser Form nicht mehr vor."

...Rassismus im Stadion: "Ich glaube und hoffe, es spielt gar keine Rolle. Es ist auch nicht mein Eindruck, dass wir ein großes
Problem mit Rassismus oder mit Ausländerfeindlichkeiten haben. Auf den Straßen ja, aber nicht in den Stadien. Im Fußball haben wir andere Probleme, aber kein Rassismus-Problem."

Jörg Schmadtke - Seine Karriere in Bildern:

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VfL Wolfsburg: Jörg Schmadtke - Karriere in Bildern ©
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