22. Juli 2019 / 13:41 Uhr

Holebas zerlegt die Bundesliga: Ist der Fußball-Standort Deutschland wirklich zweitklassig?

Holebas zerlegt die Bundesliga: Ist der Fußball-Standort Deutschland wirklich zweitklassig?

Dennis Ebbecke und Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
José Holebas (M.) hat im <b>SPORT</b>BUZZER eine Debatte angestoßen: Ist die Bundesliga international konkurrenzfähig?
José Holebas (M.) hat im SPORTBUZZER eine Debatte angestoßen: Ist die Bundesliga international konkurrenzfähig? © Getty / imago images
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Premier-League-Profi José Holebas hält die Bundesliga im Vergleich mit der Premier League für kaum konkurrenzfähig. Die SPORTBUZZER-Mitarbeiter Dennis Ebbecke und Sönke Gorgos diskutieren in einem "Pro und Contra" über Holebas' provokante These und gehen der Frage nach: Wie attraktiv ist eigentlich die Bundesliga?

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Wie gut ist eigentlich die Bundesliga im internationalen Vergleich? Diese Debatte hat Premier-League-Profi José Holebas mit provokanten Aussagen in einem SPORTBUZZER-Interview neu entfacht. Der Verteidiger vom FC Watford hat das sportliche Niveau der deutschen Liga im europäischen Vergleich kritisiert.

Das Interview mit José Holebas

"So wie ich das mitbekomme, will einfach keiner mehr nach Deutschland", sagte der 35-Jährige dem SPORTBUZZER. „Wen hast du denn da noch großartig? Klar gibt es Vereine wie Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder den FC Schalke“, meinte Holebas. „Du hast in Deutschland nur vier, fünf gute Vereine, danach kommt nichts mehr.“

Contra: Die Bundesliga ist besser als ihr derzeitiger Ruf

von Dennis Ebbecke

Die Bundesliga ist deutlich besser als ihr derzeitiger Ruf und muss sich im internationalen Vergleich nicht verstecken. Zugegeben: Die Premier League scheint mit Blick auf die zuletzt zwei rein englischen Finals in der Champions und Europa League enteilt. Doch das betrifft nicht nur die Bundesliga – und bedeutet nicht automatisch, dass es für talentierte Spieler keine Alternative zur Premier League mehr gibt.

José Holebas hat gesagt, dass „einfach keiner mehr nach Deutschland will“. Diese Wahrnehmung mag in Bezug auf die Messis, Ronaldos und Neymars dieser Welt zutreffen, wirkt insgesamt aber zu pauschal.

Vor allem für junge Spieler bietet die deutsche Beletage eine interessante Bühne, um sich weiterzuentwickeln. Das beste Beispiel ist Jadon Sancho. Der Engländer avancierte 2018/2019 im BVB-Trikot zum Top-Vorbereiter (14 Assists) der Bundesliga. In seiner Heimat wäre der Stern des 19-Jährigen im Schatten der vielen Stars vermutlich nicht einmal – oder zumindest nicht so schnell – aufgegangen. Oliver Bierhoff brachte es in einem Bild-Interview treffend auf den Punkt: „Es kommen vielleicht aufgrund des Geldes nicht die absoluten Topspieler, dafür aber die besten Talente.“

Saison 2019/20: Das sind die Sommer-Transfers der Bundesligisten

Thorgan Hazard, Lucas Hernández, Hannes Wolf un Julian Brandt - nur vier Spieler, die in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen werden. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Sommertransfers der deutschen Erstligisten! Zur Galerie
Thorgan Hazard, Lucas Hernández, Hannes Wolf un Julian Brandt - nur vier Spieler, die in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen werden. Der SPORTBUZZER zeigt die Sommertransfers der deutschen Erstligisten! ©
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Wer sich für den Standort Deutschland entscheidet, wird mit hochmodernen Arenen, einer perfekten Infrastruktur und einer fantastischen Atmosphäre belohnt. Über 13 Millionen Fans strömten in der vergangenen Saison in die Stadien, im Schnitt wollten 43.440 Zuschauer Bayern, Dortmund, Schalke und Co. live sehen.

Diese Fans wurden Zeugen eines spannenden Titelkampfes zwischen dem FCB und dem BVB, der erst am letzten Spieltag entschieden wurde. Und die Investitionen der Dortmunder in diesem Sommer lassen darauf hoffen, dass es an der Spitze erneut eng zugehen könnte.

Das Transferfenster schließt in Deutschland am 2. September. Erst dann lässt sich eine Aussage darüber treffen, ob wirklich keiner mehr nach Deutschland will oder die Argumente für die Bundesliga nach wie vor stark genug sind, um Fußballer für diesen Standort zu begeistern.

Pro: Die Bundesliga hat sich ins Abseits manövriert

von Sönke Gorgos

Holebas hat dem SPORTBUZZER einen Satz gesagt, der dem deutschen Fußball zu denken geben sollte: „So wie ich das mitbekomme, will einfach keiner mehr nach Deutschland.“ Die Bundesliga, so Holebas' These, ist international zweitklassig.

Ja, die Stadien der Bundesliga sind voll und es gibt eine Reihe hoffnungsvoller Talente. Im europäischen Wettkampf aber ist die Bundesliga ins Hintertreffen geraten. Dieser Sommer verdeutlicht das: Viele Top-Profis wechseln lieber nach England, Spanien und Italien. Von deutschen Klubs fehlt im Werben um die größten Stars jede Spur.

Nicht mal der FC Bayern hat noch die Strahlkraft von einst, anders ist der aktuelle Absagen-Hagel kaum zu interpretieren. Selbst die 1a-Lösung Leroy Sané scheint nicht willens, seine Zelte bei Manchester City abzubrechen. Welch ein Unterschied zu früher, als der FCB für deutsche Spieler ein Ort der Sehnsucht war.

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Wer darin in Summe nur einen finanziellen Nachteil der Bundesligisten sieht, macht sich etwas vor.

Erstens: Die Liga hat fußballerisch an Attraktivität eingebüßt, ist ein taktisch normierter Defensivwettkampf geworden. Individualkünstler wie Messi, Salah oder Ronaldo gibt es bei uns kaum – sie passen nur selten ins Korsett. Anders England mit seinem schnellen Hin und Her und Spanien mit seinem kreativen Ballbesitzfußball.

Zweitens: Der Bundesliga fehlt es an Klubs von Renommee. Traditionsvereine wie der HSV, Stuttgart oder Köln, einst auch internationale Crème de la Crème, sind europäisch zu vernachlässigen. Klubs ohne große Fangemeinde wie Hoffenheim, Augsburg oder Freiburg interessieren außerhalb Deutschlands – bei allem Respekt – die wenigsten.

Drittens: Kaum ein Klub formuliert ambitionierte Ziele. Tun sie es doch – wie im Vorjahr Werder Bremen – werden sie belächelt. Stattdessen hat man den Eindruck, es handle sich bei vielen Klubs um reine Wirtschaftsunternehmen. Warum sollte ein ehrgeiziger Fußballer für einen Verein spielen wollen, der nur verwaltet?

Viertens: Der letzte große deutsche Erfolg auf Vereinsebene datiert aus dem Mai 2013, als die Bayern den BVB im Champions-League-Finale schlugen. Die Bundesliga blieb vor allem in der Königsklasse seither teils deutlich unter den Möglichkeiten. Auch das wird international registriert.

Hier abstimmen: Welche Liga ist die beste der Welt?

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