12. Juni 2021 / 10:09 Uhr

Deutschland und die K-Frage: Ballack und Co. uneinig über Kimmich-Position im DFB-Team

Deutschland und die K-Frage: Ballack und Co. uneinig über Kimmich-Position im DFB-Team

Heiko Ostendorp und Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Position von Joshua Kimmich wird vor dem EM-Auftakt der DFB-Auswahl diskutiert.
Die Position von Joshua Kimmich wird vor dem EM-Auftakt der DFB-Auswahl diskutiert. © IMAGO/Gribaudi/ImagePhoto/Chai v.d. Laage (Montage)
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Defensiver Mittelfeldspieler oder doch Rechtsverteidiger? Deutschland diskutiert vor dem ersten DFB-Gruppenspiel bei der EM 2021 gegen Frankreich über die Rolle von Joshua Kimmich. Das sagen Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger und Co. zur DFB-Debatte.

Deutschland hat schon wieder eine ­K-Frage. Doch aktuell geht es nicht allein um die zukünftige Kanzlerin oder den zukünftigen Kanzler, sondern um die Rolle von Joshua Kimmich in der Nationalmannschaft. Soll der Antreiber wie beim FC Bayern München im zentralen Mittelfeld agieren oder muss er bei der EM – auch mangels Alternativen – auf die rechte Abwehrseite ausweichen?

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"Aus meiner Sicht ist das eine ganz entscheidende Frage", sagt der ehemalige DFB-Kapitän und EM-Experte des SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), Michael Ballack. "Ich bin ein Verfechter davon zu sagen: Die Besten sollen spielen. Kimmich hat sich in der Mitte toll entwickelt und natürlich den Anspruch, dort auch zu spielen – mit seiner Persönlichkeit, mit seiner Dominanz. Aber wir haben in der Zen­tra­le ein Überangebot an sehr guten Spielern. Warum sollen jetzt zwei darunter leiden, nur um zwei 'Spezialisten' auf ihren Positionen zu bringen?", fragt der ehemalige "Capitano" rhetorisch. "Zumal Kimmich ja als Rechtsverteidiger groß geworden ist."

Vieles spricht aktuell tatsächlich dafür, dass Joachim Löw mit Kimmich auf der rechten Seite plant – zumindest beim Auftaktspiel gegen Frankreich. Auch im letzten Test gegen Lettland (7:1) wählte der Bundestrainer diese Variante. Toni Kroos sagte im RND-Podcast "Eine Halbzeit mit …" zur ­K-Frage: "Klar ist, dass Jo (Kimmich, d. Red.) beide Positionen sehr, sehr gut spielen kann. Es kann auch vom Gegner oder unserer Ausrichtung abhängen. Jo ist ein wichtiger Spieler, ohne Frage. Und der Trainer muss entscheiden, wo er am wichtigsten für uns sein kann."

Experten wie Stefan Effenberg oder Berti Vogts glauben, dass der Bayern-Star auch im Nationalteam im Mittelfeld am besten aufgehoben ist. Deutschlands Europameister-Coach von 1996 befürchtet, dass man "ohne Kimmich in der Zentrale gegen Frankreich überrannt wird", wie Vogts bei ­T-On­line sagte. Tobias Escher, Taktikexperte von spielverlagerung.de teilt diese Meinung durchaus und erinnert sich: "Beim WM-Aus 2018 war das Pro­blem, dass Deutschland keinen zentralen Spieler hatte, der mit einem Auge darauf achtete, die Konter zu unterbinden. Auch beim 0:6 in Spanien fehlte ein absichernder Sechser."

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Escher: "Diskussion um Kimmich kein Luxusproblem"

Im vergangenen November setzte Löw mit Kroos und Ilkay Gündogan auf zwei ballsichere Strategen in der DFB-Zentrale, Leon Goretzka, der für das Frankreich-Spiel noch nicht infrage kommt, spielte auf rechts. Escher sagt außerdem: "Die Diskussion um Kimmich ist kein Luxusproblem, sondern eher eine Mangelverwaltung, da auf rechts die Alternativen fehlen." Mit Lukas Klostermann steht nur ein echter Rechtsverteidiger im DFB-Kader.

Bastian Schweinsteiger sieht das ähnlich. Der Weltmeister von 2014 sagte im SPORTBUZZER-Interview: "Wenn wir jetzt einen sehr guten Rechtsverteidiger hätten, wäre Kimmich mit Sicherheit ein bisschen glücklicher. Aber da wir aktuell keine richtige Alternative haben, könnte es schon sein, dass er Außenverteidiger spielen muss. Vielleicht sagt sich Jogi Löw aber auch: Kimmich hat bei Bayern jetzt immer auf der Sechs gespielt, den brauche ich als Sechser. Ich persönlich erwarte angesichts der Anzahl guter Spieler im zentralen Mittelfeld eher, dass Joshua in der Außenabwehr spielt." Der Ex-DFB-Kapitän glaubt: "Auch als Rechtsverteidiger kannst du im Spielaufbau sehr viel bewirken und ein Spiel nach vorne organisieren."

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des RND sind auch die Bundesbürgerinnen und -bürger in der ­K-Frage gespalten: Je 39 Prozent sehen Kimmich im Mittelfeld und auf der rechten Abwehrseite.´Egal wie sich Löw entscheidet – Kroos stellt mit Blick auf die knackigen Auftaktgegner Frankreich und Portugal klar: "Der Trainer muss direkt die besten Optionen finden, sonst dauert das Turnier für uns nicht lange."

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