30. Oktober 2021 / 23:55 Uhr

"Als wenn ein Schwerverbrecher gefangen wurde": Lukas Podolski verteidigt Joshua Kimmich in Impf-Debatte

"Als wenn ein Schwerverbrecher gefangen wurde": Lukas Podolski verteidigt Joshua Kimmich in Impf-Debatte

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lukas Podolski hält die Kritik an Joshua Kimmich für überzogen.
Lukas Podolski hält die Kritik an Joshua Kimmich für überzogen. © IMAGO/Laci Perenyi/dpa/Montage
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Der gegen das Coronavirus noch nicht geimpfte Bayern-Star Joshua Kimmich erhält in der Debatte um seinen Impfstatus Unterstützung von Ex-Nationalspieler Lukas Podolski. Der Weltmeister von 2014 kritisiert die Berichterstattung der Medien und sieht es als "gutes Recht" Kimmichs an, nicht geimpft zu sein.

Mit seiner Einstellung zur Impfung gegen das Coronavirus sorgte Joshua Kimmich in der vergangenen Woche für ein großes Medien-Echo. Sogar die Bundesregierung schaltete sich in die Debatte um den derzeit noch nicht geimpften Star des FC Bayern München ein. Kimmich musste sich viel Kritik anhören - zu viel, meint Ex-Nationalspieler Lukas Podolski. Der Weltmeister von 2014 hat den FCB-Profi in einem Interview mit Bild Live in Schutz genommen: "Das Thema ist in Deutschland ja so, als wenn ein Schwerverbrecher gefangen wurde", kritisierte Podolski die Berichterstattung. "Ich finde das ein bisschen übertrieben, die ganze Diskussion. Und es wird auch dem Joshua nicht gerecht, ihn an den Pranger zu stellen für so etwas."

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Kimmich hatte am vergangenen Wochenende nach dem 4:0-Sieg des FC Bayern München gegen die TSG 1899 Hoffenheim eingeräumt, nicht gegen das Coronavirus geimpft zu sein. Das hatte bei teilweisem Verständnis heftige Kritik zur Folge. Er habe "persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht", hatte der 26 Jahre alte Nationalspieler erklärt. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung meldete sich schließlich auch die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich zu Wort: Kimmich könnte seine Haltung zur Corona-Impfung ihrer Meinung nach noch einmal überdenken. "Vielleicht macht sich Joshua Kimmich darüber ja auch noch Gedanken. Er ist ja als sehr reflektierter Fußballer bekannt", sagte die frühere CDU-Chefin. Allerdings habe auch ein Profifußballer das Recht, sich nicht impfen zu lassen. Eine Impfpflicht besteht in Deutschland nicht.

Für Podolski ist dieser Fakt das Top-Argument: "Jeder kann selber entscheiden, was er macht. Ich verstehe nicht, warum man den Joshua Kimmich als Schwerverbrecher hinstellt. Ich verstehe die Diskussion nicht", schimpfte der aktuelle Spieler des polnischen Erstligisten Gornik Zabrze. In der Kimmich-Debatte melde sich nun "jeder Hanswurst von der Politik oder von den Forschern, Ärzten" zu Wort, wisse etwas und gebe "seinen Senf dazu". Der Offensivspieler verstehe zudem nicht, "dass man jemand quasi schon zwingen will, sich etwas reinspritzen zu lassen. Der Druck wird jeden Tag erhöht. Ist er denn ein anderer Mensch, wenn er sich den Impfstoff gibt?", fragte Podolski und verwies darauf, dass Kimmich überall getestet werde.


Podolski selbst ist nicht geimpft und infizierte sich Ende August mit dem Coronavirus. In der polnischen Liga gebe es keine Impf-Debatte, so der Ex-Bundesliga-Profi: "Bei uns sind auch Spieler nicht geimpft", erklärte Podolski, der nach eigener Aussage durchaus verstehe, dass es sich um ein Thema handle, "das uns nun schon seit zwei Jahren beschäftigt". Zudem gebe es auch Menschen, die schwere Verläufe hatten oder gestorben seien: "Aber es gibt auch andere Krankheiten, an denen Leute sterben oder wo etwas passiert", so der Fußball-Profi weiter.