16. Juni 2021 / 08:17 Uhr

Jetzt soll Edelmetall her: Giovanna Scoccimarro ist bei den Olympischen Spielen dabei

Jetzt soll Edelmetall her: Giovanna Scoccimarro ist bei den Olympischen Spielen dabei

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Darf auch in Tokio auf die Matte: Giovanna Scoccimarro (links, gegen die Spanierin Maria Bernabeu).
Darf auch in Tokio auf die Matte: Giovanna Scoccimarro (links, gegen die Spanierin Maria Bernabeu). © IMAGO/Revierfoto
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Giovanna Scoccimarro konnte einmal tief durchatmen. Am Dienstag hat die 23-Jährige den erlösenden Anruf bekommen, dass sie für die Olympische Spiele in Tokio nominiert worden ist. "Ich bin unglaublich happy", sagt Hannovers Judo-Ass, das nun direkt eine Medaille ins Visier nimmt.

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Giovanna Scoccimarros Umweg nach Tokio führte über Kopenhagen. Hannovers Judo-Ass brauchte nach der enttäuschenden WM in Budapest vergangenen Donnerstag einen Tapetenwechsel. Also buchte sie sich spontan eine Wohnung in der dänischen Hauptstadt – um sich abzulenken und die Tage bis zur Olympianominierung zu überstehen. „Bis Dienstag werden es für mich Tage voller Anspannung sein, so, wie ich mich kenne“, hatte sie unmittelbar nach ihrem WM-Ausscheiden gesagt. Der Trip nach Kopenhagen war wichtig für sie, „um abzuschalten, mich allein zu bewegen, nachzudenken“.

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Am Dienstag um 15 Uhr dann der erlösende Anruf von Bundestrainer Claudiu Pusa und die Nachricht, dass der Deutsche Judo-Bund Scoccimarro dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für die kommenden Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) vorschlägt.

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Die Erleichterung bei der 23-Jährigen war gigantisch. „Ich freue mich riesig, dass es nun durch ist und dass die Verantwortlichen sich für mich entschieden haben. Ich bin unglaublich happy, dass das Bangen und die Ängste nun vorbei sind“, sagt Scoccimarro. Denn ihre Nominierung war keine Selbstverständlichkeit.

Tür für Konkurrentin bis zuletzt offen

Während in allen anderen Gewichtsklassen die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer praktisch klar waren, ließ der Verband die Entscheidung der Klasse bis 70 Kilo bis zuletzt offen. Obwohl sich Scoccimarro (Heimatverein: TSV Vorsfelde) schon 2020 im März qualifiziert und sich gegen die interne Konkurrentin Miriam Butkereit durchgesetzt hatte.

Wegen der Verschiebung der Spiele um ein Jahr mussten die Athletinnen sich jetzt weiter empfehlen. Scoccimarro glänzte im Winter und Frühjahr, lag ständig im internationalen Olympiaranking vor Butkereit, vor der WM sogar mit 1000 Punkten.

Dennoch blieb für Butkereit die Tür auf. Bei einem WM-Sieg oder Silber und einem frühen Scheitern Scoccimarros hätten die Verantwortlichen sich wohl noch umentschieden. Doch Butkereit verpasste knapp Bronze. Nur ein Judoka pro Gewichtsklasse darf zu den Spielen. Jetzt hat es Scoccimarro offiziell, dass sie es ist.

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Reine Formsache war die Nominierung von Igor Wandtke. Der Hannoveraner galt in der Klasse bis 73 Kilo als sicherer Kandidat. „Das ist megacool, jemanden aus Hannover an der Seite bei Olympia zu haben“, ist Scoccimarro dankbar. „Er kennt sich aus, weiß, wie es abläuft. Er kann mein Ruhepool in Tokio sein.“

Scoccimarro nimmt sogar Gold ins Visier

Die erste Teilnahme an Olympischen Spielen ist für Scoccimarro nur ein Zwischenschritt. Nur dabei zu sein reicht ihr nicht. „Mein Ziel war immer, eine Medaille zu holen, am besten eine goldene. Gold bei Olympia ist mein größter Lebenstraum“, betont sie.

Ab kommender Woche beginnt die gezielte Vorbereitung auf die Spiele. Nach der Einkleidung in Hamburg am Samstag geht es ins Trainingslager in die Niederlande, Anfang Juli folgt weiterer Feinschliff in Kienbaum.

Der DOSB hat am dienstag weitere 94 Athleten nominiert, darunter die Hannoveranerinnen Sabrina Hering-Pradler (Kanu) und Carlotta Nwajide (Rudern). In einigen Sportarten gibt es in der vierten Nominierungsrunde am 29. Juni noch Einzelfallentscheidungen. Die letzte Athletenauswahl erfolgt am 3. Juli, zwei Tage später ist Meldeschluss beim IOC.