25. April 2021 / 15:00 Uhr

Judo-Ass Scoccimarro: Das Olympia-Ticket wird erst nach der WM vergeben

Judo-Ass Scoccimarro: Das Olympia-Ticket wird erst nach der WM vergeben

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Duell um Olympia: Giovanna Scoccimarro (v.) hat in der Qualifikations-Rangliste für Tokio gegenüber ihrer nationalen Konkurrentin Miriam Butkereit die Nase weiterhin vorn.
Duell um Olympia: Giovanna Scoccimarro (v.) hat in der Qualifikations-Rangliste für Tokio gegenüber ihrer nationalen Konkurrentin Miriam Butkereit die Nase weiterhin vorn. © DPA/IJF
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Für 2020 war sie nominiert, bejubelte schon ihre erste Olympia-Teilnahme. Dann kam die Pandemie und die Spiele wurden auf 2021 verschoben. Giovanna Scoccimarro hält das Tokio-Ticket zwar weiterhin in der Hand, ob das Judo-Ass aus Lessien es aber endgültig einlösen darf, erfährt sie erst wenige Wochen vor dem Start.

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Nach der Nominierung gefühlt direkt in den Flieger: Der Deutsche Judo-Bund (DJB) wird seine Starter und Starterinnen für Olympia nun erst am 15. Juni nach der WM in Ungarn benennen. Damit liegen nur wenige Wochen zwischen Vergabe der Tokio-Tickets und der Abreise nach Japan. "Ich finde es schwierig, dass der Termin so spät liegt", sagt Olympia-Kandidatin Giovanna Scoccimarro aus Lessien.

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Die Qualifikations-Phase für die Olympischen Spiele von Tokio dürfte für die deutschen Judoka die längste der Geschichte sein. Denn nachdem die Spiele aufgrund der Pandemie erst um ein Jahr auf 2021 verschoben und die Nominierung auf den 7. April 2021 verlegt wurde, verlängerte der DJB die Nominierungs-Frist nun bis zum 15. Juni.

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Hintergrund: Aufgrund von Corona-Fällen - auch im deutschen Aufgebot - hatten Scoccimarro (die bisher immer negativ getestet wurde) und Co. zuletzt auf Starts bei den Grand Slams in Georgien und der Türkei verzichten müssen. Im Nachklang dieser Veranstaltungen sollten die Nominierungen des DJB eigentlich endgültig feststehen.

Eigentlich. Doch nun finden in den kommenden Wochen noch zwei Nominierungs-Wettkämpfe statt. Neben dem Grand Slam in Kazan (Russland) vom 5. bis zum 7. Mai zählen dazu auch die Weltmeisterschaften in Budapest (6. bis 13. Juni) dazu. Mit den Ergebnissen wird sich die internationale Olympia-Rangliste noch verändern. Um diese Termine der IJF-Tour noch bis zum Ende der offiziellen Olympia-Qualifikation am 28. Juni zu berücksichtigen, wurde der Termin der Nominierung der Judoka durch den Verband auf Anforderung des DOSB und in Absprache mit dem Präsidium und der Athleten-Vertretung noch einmal nach hinten verlegt.

Derzeit sind deutsche Athleten und Athletinnen in 13 Gewichtsklassen für Olympia qualifiziert. In einigen Klassen kämpfen auch noch zwei um das Olympia-Ticket - so auch in Scoccimarros (bis 70 Kilogramm). Die Judoka des MTV Vorsfelde, die ihre Nominierung vor der Olympia-Verschiebung sicher hatte, bis heute weiterhin vor ihrer nationalen Konkurrentin Miriam Butkereit (TSV Glinde) liegt, muss also ihre Leistung weiterhin bestätigen.

In der aktuellen Quali-Rangliste steht die Lessienerin auf Platz acht (bereinigt Rang fünf) und hat mit 4453 Punkten noch 632 Zähler Vorsprung auf Butkereit (13. mit 3821 Punkten).

Wenn der DJB dann am 15. Juni seine Nominierungen bekannt gibt, sind es noch 38 Tage bis zum geplanten Start von Olympia in Tokio. Geht man von einer 14-tägigen Quarantäne vor Beginn der Spiele im Gastgeber-Land aus, würde Scoccimarro im Erfolgsfall 24 Tage nach der Nominierung in den Flieger steigen.

Zum Vergleich: Hätten die Spiele 2020 stattfinden können, hätte die Kämpferin des MTV Vorsfelde fast ein halbes Jahr vorher Gewissheit gehabt.

"Ich finde es relativ knapp, dass die Nominierung erst rund sechs Wochen vor den Spielen ausgesprochen wird", sagt die Lessienerin, die darüber auch mit Bundestrainer Claudiu Pusa im Trainingslager auf La Palma gesprochen hat. Für sie sei es ein Manko in der Vorbereitung auf Olympia. "Ich finde, wenn man gesagt hätte: 'Nach Kasan entscheidet man das', dann wäre das auch eine gute Lösung gewesen", sagt Scoccimarro, die sich aber der neuen Situation stellt: "Man muss es jetzt einfach so hinnehmen."