01. April 2021 / 12:52 Uhr

Judo-Bundestrainer Pusa erklärt: Das muss Scoccimarro fürs Tokio-Ticket leisten

Judo-Bundestrainer Pusa erklärt: Das muss Scoccimarro fürs Tokio-Ticket leisten

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Vornominierung aber kein Freifahrtschein: Frauen-Bundestrainer Claudiu Pusa erklärt, was er in der heißen Phase der Olympia-Quali von Giovanna Scoccimarro erwartet.
Vornominierung aber kein Freifahrtschein: Frauen-Bundestrainer Claudiu Pusa erklärt, was er in der heißen Phase der Olympia-Quali von Giovanna Scoccimarro erwartet. © Marina Mayorova (IJF)
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Wenn Giovanna Scoccimarro im Sommer in Tokio bei den Olympischen Spielen startet, wird sich das Judo-Ass aus Lessien zweimal für diese Spiele qualifiziert haben. 2020 hatte sie das Ticket für Japan sicher, dann wurde Olympia wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben. Die Athletin des MTV Vorsfelde hat weiter beste Karten, das Ticket zu behalten. Was sie dafür leisten muss, erklärt Frauen-Bundestrainer Claudiu Pusa im SPORTBUZZER.

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Sie muss dieser Tage starke Nerven haben. Wieder einmal hat Corona die Olympia-Vorbereitung von Giovanna Scoccimarro durcheinandergewürfelt. Zurzeit sitzt sie in freiwilliger Quarantäne im Elternhaus in Lessien, sammelt Kräfte für den Endspurt ums Olympia-Ticket für Tokio (23. Juli bis 8. August). Einmal hat sie sich bereits für diese Spiele qualifiziert, nach der Verschiebung von 2020 auf 2021 hat sie weiter beste Karten auf den Startplatz, darf aber nicht nachlassen im internen Duell mit Miriam Butkereit (TSV Glinde). Der weitere Fahrplan steht jetzt für beide fest – und Frauen-Bundestrainer Claudiu Pusa betont noch einmal, was er fürs Tokio-Ticket sehen will.

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Die Absage der Starts bei den Grand Slams in Tiflis (Georgien) und Antalya (Türkei) – für Pusa die richtige Entscheidung. „Das Hygienekonzept der IJF bei den Turnieren funktioniert, aber der Fehler ist beim Trainingslager im Vorfeld passiert. Wir haben dann demokratisch abgestimmt. Und es ist gut, dass wir nicht weiter in die Türkei geflogen sind, wenn man die Inkubationszeit bedenkt.“

Sorgen um fehlende Punkte für die Olympia-Quali muss sich Scoccimarro deshalb nicht machen. Die Lessienerin steht im Ranking auf Platz acht – und letztlich sogar besser. „In der bereinigten Liste ist sie Fünfte, das ist top!“, sagt Pusa. Bereinigt heißt, dass pro Nation nur eine Starterin pro Gewichtsklasse erlaubt ist, somit rutscht Scoccimarro auf Rang fünf vor. Die 23-Jährige hat also nach wie vor beste Karten, in Tokio dabei zu sein. 100 Prozent sicher ist das aber nicht. Die Krux: Butkereit ist zurzeit Zwölfte (bereinigt Neunte) in der Quali-Rangliste – ausgerechnet in Scoccimarros Gewichtsklasse (bis 70 Kilogramm) gibt’s also eine ernsthafte nationale Konkurrentin, in anderen ist das nicht der Fall.

Am 7. April sollten die Vornominierungen bestätigt werden, durch die Absage der beiden Grand Slams könnte aber etwas Bewegung in diesen Zeitablauf kommen. Auch wenn der Bundestrainer sagt: „Alle Vornominierungen haben noch bestand.“ Wie die von Scoccimarro. Aber letztlich unterbreitet der Deutsche Judo-Bund dem Deutschen Olympischen Sportbund den Nominierungsvorschlag am 30. Juni. Pusa betont: „Ich werde die Athletinnen schicken, die die beste Chance auf eine Medaille haben.“

Deshalb geraten nun der Grand Slam in Kazan (Russland; 5. bis 7. Mai) und die WM im ungarischen Budapest (6. bis 13. Juni) in den Fokus. Sollten die Wettbewerbe wie geplant stattfinden – in Zeiten von Corona gibt’s dafür keine hundertprozentige Sicherheit –, darf die vorn liegende Scoccimarro im Vergleich mit Butkereit nicht nachlassen, um ihren Olympia-Traum verwirklichen zu können. Pusa sagt: „Ich gönne es Giovanna. Ich gönne es Miriam. Letztlich bekommt eine das Tokio-Ticket, die andere wird Ersatz.“

Sollten beide fit sein, in der Olympia-Quali ganz dicht zusammenrücken, wird noch genauer hingeschaut. Pusa erklärt’s an einem Beispiel: „Zwei Goldmedaillen sind mehr wert als fünf bronzene – denn nicht jede Athletin kann Gold holen.“

Bei der EM in Portugal (16. bis 18. April) werden Top-Athletinnen wie Scoccimarro und Butkereit nicht starten, sie befinden sich zu der Zeit im zweiwöchigen Konditions-Trainingslager auf der Kanaren-Insel La Palma. In der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma ist das Olympia-Team ab kommenden Dienstag in einem Hotel unter sich, Touristen gibt es keine. „Wir lassen Judo ein bisschen hinter uns, konzentrieren uns auf Kraft und Kondition“, sagt Pusa, der auch einen weiteren Aspekt hervorhebt: „In dieser Zeit tut allen ein Tapetenwechsel mal richtig gut. Das haben sie sich verdient.“

Dann geht’s für Scoccimarro in den Endspurt, um sich zum zweiten Mal für dasselbe Olympia-Turnier zu qualifizieren. Wichtig: Sie geht weiterhin mit einem Vorsprung ins Rennen.