19. November 2020 / 17:32 Uhr

"Wie Gladiatoren": Goldende Stadt wird für Hannover-Trio zum goldenen Käfig

"Wie Gladiatoren": Goldende Stadt wird für Hannover-Trio zum goldenen Käfig

Matthias Abromeit
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nur zu seinen Kämpfen darf Igor Wandtke (rechts) sein Hotelzimmer verlassen.
Nur zu seinen Kämpfen darf Igor Wandtke (rechts) sein Hotelzimmer verlassen. © imago images/Sportfoto Rudel
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Die goldene Stadt wird zum goldenen Käfig. Bei den Judo-Europameisterschaften in Prag gelten besonders strenge Corona-Spielregeln. Bis auf das Hotelzimmer und die Sportanlage werden Igor Wandtke, Giovanna Scoccimarro und der erst am Montag nachnominierte Tim Gramkow rein gar nichts zu sehen bekommen.

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„Das ist wie bei den Gladiatoren. Wir dürfen das Hotelzimmer nicht verlassen und werden nur zu den Kämpfen in die Halle geführt“, sagt Wandtke.

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Und das zieht sich: Am Freitag muss der Olympiakämpfer den Tag mit Gramkow im Hotelzimmer verbringen. Kurios: Zusammen auf dem Zimmer geht, zusammen in einem Auto nach Prag nicht. „Giovanna saß bei mir mit im Auto. Obwohl ich mit Tim ständig zusammentrainiert habe, durfte er nicht mit“, erzählt Wandtke. Also ging es im Konvoi nach Tschechien.

Szenen aus dem Aufstiegs-Match des Judo-Team Hannover gegen den Brühler TV

Szene aus dem Aufstiegs-Match des Judo-Team Hannover gegen den Brühler TV Zur Galerie
Szene aus dem Aufstiegs-Match des Judo-Team Hannover gegen den Brühler TV ©

Noch härter sind die Regeln im Hotel. Alle Taschen mit der Kleidung und der Zusatzverpflegung mussten mit einem Mal mitgenommen werden. „Auch wenn wir etwas Wichtiges im Auto vergessen hätten, dürfen wir das Zimmer nicht verlassen. Sogar das Essen bekommen wir im Zimmer serviert“, sagt Wandtke.

Einzig der abgegrenzte Innenhof des Hotels darf benutzt werden. Einzeln, versteht sich. Das gleicht schon einer Haftanstalt. „Richtig Spaß macht das nicht. Anderseits ist es schön, dass wir wieder kämpfen dürfen. Und um Punkte für das Olympiaranking zu sammeln, müssen wir antreten“, sagt Wandtke. Nur zu seinen Kämpfen in der Klasse bis 73 Kilogramm darf er das Hotelzimmer verlassen. Zuschauen ist nicht gestattet.

"Ganz gerecht ist das nicht"

Unverhofft kam Gramkow zu seiner Chance. Der eigentlich für die Klasse bis 81 Kilogramm geplante Alexander Wieczerzak (Wiesbaden) wurde wieder gestrichen, weil seine Freundin Kontaktperson einer Corona-Infizierten war.

„Ganz gerecht ist das nicht. Weder sie noch Alexander sind positiv getestet worden. Für Tim ist das natürlich toll“, sagt Wandtke über seinen neuen Zimmergenossen.

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„Das kam schon überraschend. Weil ich mich auf meine Bachelorprüfung vorbereitet hatte, war ich auch beim Vorbereitungstrainingslager nicht dabei. So komme ich zu meiner ersten EM bei den Männern“, erklärt Gramkow, der vor zwei Jahren EM-Bronze bei den U23-Junioren geholt und sich kurz danach einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Nun darf er seine Koffer, einen mit Klamotten, einen mit „wahrscheinlich viel zu vielen Lebensmitteln“, in das Hotelzimmer schleppen.

Auch Scoccimarro (bis 70 kg) muss den Tag auf ihrem Hotelzimmer mit Lesen, Filmen und Zeit totschlagen verbringen. Alle drei Hannoveraner sind erst am morgigen Freitag im Einsatz.