10. Januar 2021 / 14:55 Uhr

Judo: In Katar startet Scoccimarro ins Olympia-Jahr

Judo: In Katar startet Scoccimarro ins Olympia-Jahr

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Mit voller Wucht ins neue Judo-Jahr: Die Lessienerin Giovanna Scoccimarro (r.) startet beim Masters in Doha.
Mit voller Wucht ins neue Judo-Jahr: Die Lessienerin Giovanna Scoccimarro (r.) startet beim Masters in Doha. © imago images/Revierfoto
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Außergewöhnlich, aber wahr: Durch die Verschiebung der Spiele von Tokio von 2020 auf 2021 startet die Lessienerin Giovanna Scoccimarro zum zweiten Mal binnen zwölf Monaten in ein Olympia-Jahr. In der Hoffnung, dass es diesmal auch eines wird.  Am Dienstag kämpft das Judo-Ass des MTV Vorsfelde beim World Masters in Doha (Katar). Ein richtiges Brett zum Auftakt.

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Giovanna Scoccimarro kommt als Judo-Ass viel in der Welt herum, sieht zahlreiche Länder dieser Erde. Wie viele sie schon gesehen hat, kann sie Zuhause überprüfen. "Ich habe so eine Weltkarte, bei der man Länder freirubbeln kann, die man besucht hat", verrät die Lessienerin. 2020 hatte die 23-Jährige durch den monatelangen sportlichen Lockdown wenig Gelegenheit, neue Flecken freizulegen. Jetzt wird aber Katar hinzukommen. "Ich bin zum ersten Mal in Doha", sagt das Judo-Ass des MTV Vorsfelde.

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Außergewöhnlich, aber wahr: Zum zweiten Mal in Folge ist es ein Start ins Olympia-Jahr für Giovanna Scoccimarro. 2020 hatte sich die Lessienerin im Februar mit einem grandiosen Auftritt beim Judo-Grand-Slam in Düsseldorf das Ticket für Tokio gesichert. Dann kam Corona, die Verschiebung der Spiele auf 2021 und eine 272-tägige Wettkampf-Pause, ehe das Jahr mit einem überraschenden EM-Aus für die 23-Jährige endete. Am Dienstag startet die Kämpferin des MTV Vorsfelde nun also beim World Masters in Doha (Katar) in die entscheidenden sechs Monate bis Olympia.

Mehr über Giovanna Scoccimarro

Entscheidend, weil Scoccimarro betont: "Ich will weiterhin gute Ergebnisse erzielen, dem Bundestrainer beweisen, dass er mich zu recht nominiert hat." Claudiu Pusa hatte unaufgeregt auf ihren schwachen EM-Auftritt reagiert, ihr Mut gemacht. Doch was war da eigentlich los in Prag, bei der Niederlage gegen die Russin Madima Taimazova? "Schwer zu sagen, ich glaube einfach, dass ich zu nervös war und nicht das umsetzen konnte, was ich eigentlich kann. Ich glaube, das war in dem Moment einfach das größte Problem für mich, dass ich nicht flexibel war und mich einfach dem Kampfstil meiner Gegnerin angepasst habe", sagt die 23-Jährige ehrlich. "Jeder der mich kennt und kämpfen sehen hat, hat gedacht: 'Sie hat das größte Fragezeichen in ihrem Gesicht, das es seit langem gegeben hat."

Doch das war 2020. Ist aufgearbeitet, abgehakt, Vergangenheit. Die Gegenwart gibt ihr gleich die Chance, mit voller Wucht zurückzukehren. Das Masters in Doha? Ein richtiges Brett! Startberechtigt sind in der Lusail Multipurpose Sports Arena ausschließlich die jeweils ersten 36 Athletinnen und Athleten jeder Gewichtsklasse der Weltrangliste. In Sachen Quali-Punkte für Olympia ist es nach der WM das höchstdotierte Turnier.

Turnier ist top besetzt

Vor der Abreise am Freitag hatte Scoccimarro noch keinen konkreten Blick aufs Starterfeld geworfen. "Ich glaube, viele können vielleicht auch nicht Reisen aufgrund von Corona", sagt die 23-Jährige. Oder es ist ihnen freigestellt. So handhabt es beispielsweise der britische Judoverband. So fehlt mit Sally Conway die Weltranglisten-Siebte aus Schottland, die elftplatzierte Gemma Howell (England) ist aber am Start.

Insgesamt haben elf Qualifizierte in der 70-Kilo-Klasse auf ihren Start verzichtet. Neben Conway fehlen mit Chizuru Arai (Japan/Nr. 4) und Anna Bernholm (Schweden/Nr. 8) aber nur drei Judo-Asse, die in der Rangliste vor Scoccimarro (Nr. 9) platziert sind. Das Turnier bleibt also top besetzt.

Ausrufezeichen setzen

Die Lessienerin weiß, dass so ein Wettbewerb in diesen Corona-Zeiten nicht selbstverständlich ist. "Man merkt es auch in Deutschland, die Zahlen sind hoch, es gab sehr, sehr viele Todesfälle im letzten Monat und ich denke wir haben Glück, dass wir überhaupt eine Kontaktsportart durchführen können", sagt Scoccimarro, die froh ist, "dass wir einfach reisen können. Ich möchte die Möglichkeit nutzen, um einfach nochmal hoffentlich ein Ausrufezeichen für die Olympia-Quali zu setzen."

Für Scoccimarro ist es der zweite Auftritt beim Masters, das eigentlich den Abschluss und nicht den Auftakt eines Sportjahres bildet. Ihre Premiere feierte sie im Dezember 2019 in Peking (China), dort musste sich die Lessienerin der Spanierin Maria Bernabeu im Golden Score geschlagen geben. Aber auch ihrer nationalen Konkurrentin Miriam Butkereit (TSV Glinde), die in Doha ebenfalls dabei ist, erging es in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm damals kaum besser.

Giovanna Scoccimarro: Bilder von 2011 bis 2021.

2011: Giovanna Scoccimarro zeigt mit 13 Jahren ihre Goldmedaille vom Thüringer Messe-Cup. Das Judo-Talent hatte damit schon das dritte Bundessichtungsturnier in Folge gewonnen. Zur Galerie
2011: Giovanna Scoccimarro zeigt mit 13 Jahren ihre Goldmedaille vom Thüringer Messe-Cup. Das Judo-Talent hatte damit schon das dritte Bundessichtungsturnier in Folge gewonnen. ©

Zum Auftakt ein Freilos

Die gestrige Auslosung bescherte Scoccimarro - an Nummer 6 gesetzt - zum Auftakt ein Freilos. Danach geht's gegen die Siegerin des Duells zwischen Barbara Matic (Kroatien) und Alice Bellandi (Italien). Die Lessienerin besiegte Matic beispielweise 2017, als sie als 19-Jährige im polnischen Warschau bei ihrer ersten Erwachsenen-EM direkt Silber gewann. Gegen Bellandi musste sich das MTV-Ass 2019 beim Grand Slam in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) unglücklich geschlagen geben.

Favoritin in diesem Pool ist die Weltranglisten-Dritte Sanne van Dijke. Auf die Niederländerin könnte Scoccimarro im Pool-Finale, dem Viertelfinale treffen. Es wäre die Neuauflage des EM-Finals von 2017. Die Lessienerin wurde damals früh für eine kleine Wertung ausgekontert, fightete danach verbissen, aber vergebens. Im November 2019 gelang ihr in der Bundesliga aber die Revanche – sie siegte per Ippon.

Butkereit trifft zum Start auf die Marokkanerin Assmaa Niang, im Erfolgsfall wartet dann die Weltranglisten-Erste Eve Marie Gahie (Frankreich) auf Scoccimarros nationale Konkurrentin.

Die Auslosung beim Masters in der Klasse bis 70 Kilogramm.
Die Auslosung beim Masters in der Klasse bis 70 Kilogramm. © Screenshot Youtube

Ernst wird es für Scoccimarro am Dienstag. Dann steigt ihr Wettbewerb in Doha. Sie will liefern. Es wäre wichtig für die Olympia-Quali und fürs Selbstvertrauen. Netter Nebeneffekt: Sie könnte nach ihrer Rückkehr die Fläche von Katar auf ihrer Rubbel-Weltkarte mit einem guten Gefühl freilegen.