04. Juli 2020 / 14:45 Uhr

Vom TSV Godshorn in die Bundesliga: Das macht Ex-Judoka Carsten Lambrich heute

Vom TSV Godshorn in die Bundesliga: Das macht Ex-Judoka Carsten Lambrich heute

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ex-Judoka Carsten Lambrich war unter anderem deutscher U21-Vizemeister, heute betriebt er gemeinsam mit seiner Frau Katrin fünf Apotheken in Langenhagen und Isernhagen.
Ex-Judoka Carsten Lambrich war unter anderem deutscher U21-Vizemeister, heute betriebt er gemeinsam mit seiner Frau Katrin fünf Apotheken in Langenhagen und Isernhagen. © copyright marion coers hannover
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Carsten Lambrich hat früher beim TSV Godshorn für Furore gesorgt. Im Verlauf seiner Karriere wurde der Judoka unter anderem norddeutscher Meister bei den B-Junioren und deutscher U21-Vizemeister. Gemeinsam mit dem SPORTBUZZER schwelgt der heute 45-Jährige nun in Erinnerungen. 

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Was da auf ihn zukommen würde, wusste er nicht. Doch er wusste, dass er das unbedingt machen wollte. Carsten Lambrich stand in der Pausenhalle der Grundschule Godshorn – in Erwartung seines ersten Judotrainings. Fußball, das sei nichts für ihn gewesen, berichtet der heute 45-Jährige. „Ich wollte lieber irgendetwas zwischen Fechten und Bogenschießen machen. So kuriose Sachen eben.“ Und deshalb brachte seine Mutter ihn 1984 beim TSV Godshorn vorbei.

Die meisten Teilnehmer waren größer und älter als der schüchterne Carsten, der sich seinerzeit am liebsten im Haus aufhielt, „weil ich mich nicht getraut habe zu sprechen und deshalb unseren Nachbarn nicht begegnen wollte“. Ob jemand mit dieser Charaktereigenschaft ausgerechnet im Kampfsport gut aufgehoben sein würde? In seinem ersten Leihanzug versank der Neunjährige dann auch fast. „Der war ungefähr drei Meter groß“, sagt Lambrich lachend, dessen Erinnerungen an diesen Tag noch so präsent sind, als hätte sich alles erst gestern zugetragen.

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"Judo war der Knackpunkt in meinem Leben"

„Judo war der Knackpunkt in meinem Leben“, betont Lambrich. Er behauptete sich – und war richtig gut. Spätestens mit dem zu großen geborgten Dress legte er auch seine Hemmungen ab. Der erste selbst erworbene weiße Zweiteiler („Für 25 Mark aus dem Heißen Draht“), dessen Gürtelfarbe durch zahlreiche abgelegte Prüfungen rasch wechselte, schien wie eigens für den Jungen gefertigt. „Aus dir wird mal was“, sagte Carsten Noll, neben Wilfried Kolloch sein erster Coach.

Die Vereinsmeisterschaft war nur der Anfang

Ein gewonnenes Duell bei der Vereinsmeisterschaft gegen einen älteren Kontrahenten war nur der Anfang. Fünf Jahre später war Lambrich norddeutscher Meister der B-Junioren, ein weiteres halbes Jahrzehnt darauf durfte er sich deutscher U21-Vizemeister nennen. Später kämpfte er sich bis in die Bundesliga empor, ging dort für verschiedene Klubs an den Start.

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Heute besitzen Lambrich und seine Frau Katrin fünf Apotheken in Langenhagen und Isernhagen. Ihre drei Kinder haben zwischenzeitlich ebenfalls auf der Judomatte gestanden – unter Anleitung des eigenen Vaters, der gemeinsam mit Alexander Rohr einmal pro Woche Anfänger trainiert. Für das Judo-Team Hannover hat das Übungsleiterduo die Außenstelle Isernhagen eröffnet. Doch die Faszination, die ihr Vater für den asiatischen Sport entwickelte, teilen die Kids nicht. Im Gegensatz zum Senior fühlen sie sich auf dem Fußballfeld oder der Tanzfläche wohler.

Kleines Dojo für private Zwecke

Auch Lambrich selbst ist nicht mehr aktiv, wenn man einmal von mancher Spaßeinheit daheim absieht. „Da habe ich mir ein kleines Dojo eingerichtet“, sagt er. „Ein paar Matten im Kraftraum.“ Ansonsten zieht es den Pharmazeuten eher an die frische Luft. „Ich habe das Laufen für mich entdeckt“, sagt er. Jedes Jahr absolviert er einen Halbmarathon. Der Fuß auf der Bremse ist nicht sein Ding. „Ich wollte immer schon alles machen“, beschreibt Lambrich, der überdies stellvertretender Vorsitzender des Judo-Teams Hannover ist, zu dem er 1990 wechselte.

Nur ein Beispiel: Zu seinem Abiball im Jahr 1994, den er maßgeblich mitorganisiert hatte, stieß er erst zu später Stunde hinzu, weil er am selben Tag noch einen Wettkampf in Berlin bestritten hatte. Mal etwas ausfallen lassen? Nicht die Sache Lambrichs.

Auf dem Treppchen stand Carsten Lambrich häufig ganz oben.
Auf dem Treppchen stand Carsten Lambrich häufig ganz oben. © privat
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Lambrich als Pionier an der Humboldtschule

Auch die Schulzeit zuvor hatte nicht gerade aus Müßiggang bestanden. Der junge Godshorner war gewissermaßen der Pionier an der Humboldtschule Hannover, die sich ab 1989 stark in der Sportförderung engagierte. Lambrich probierte als Erster das heute etablierte Modell aus. Nach zwei Jahren am Gymnasium Langenhagen fand er sich zu Beginn der neunten Klasse an einer neuen Schule wieder. „Ich kannte keinen und wusste nicht, was auf mich zukommt“, sagt er.

So ähnlich, wie fünf Jahre zuvor in der Godshorner Aula. Doch diesmal passte ihm sein Judoanzug gleich wie angegossen. Aber das Pensum hatte es in sich. Die erste Trainingseinheit bereits vor dem Unterricht; der Jugendliche brach in aller Frühe daheim auf und kehrte oft erst gegen 21 Uhr wieder zurück. Dem TV-Sender RTL war das seinerzeit sogar einen kurzen Beitrag wert. Judo-Team-Gründer Jürgen Klinger diente Lambrich ab dessen 14. Lebensjahr als wichtige Bezugsperson. „Er war der Trainer, der mich am längsten begleitet hat“, sagt Lambrich, „bis zum Karriereende.“

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Die Finte zur kleinen Innensichel

Bei der Wahl des Studienfachs setzte der Judoka sein Erfolgsrezept, sich angstfrei in unbekannte Gefilde zu stürzen, fort: „Es musste Pharmazie sein“, sagt er. „Aber ich wusste eigentlich gar nicht, was ich damit überhaupt werde.“

Fürs Leben hatte Lambrich mittlerweile die geeignete Taktik gefunden, aber wie lautete eigentlich seine Gewinnformel auf der Matte? „Ich habe bei meiner geringen Körpergröße (1,71 Meter, d. Red.) einen tiefen Körperschwerpunkt“, sagt Lambrich. So schien eine Drehbewegung – mit dem Ziel, den Gegner über sich zu werfen – ein probates Mittel zu sein. „Doch die habe ich oft nur als Finte eingesetzt“, sagt er. Denn anstelle des nun erwarteten Ippon-seoi-nage wandte er blitzschnell den Ko-uchi-gari (die „kleine Innensichel“) an – und gewann damit häufig direkt.

Im Sport waren es die Gegner, die nicht wussten, was sie erwartet. Doch endete es für sie meist nicht so positiv wie zuvor für Lambrich in etlichen vergleichbaren Momenten.