11. Juni 2021 / 13:28 Uhr

"Bin sehr enttäuscht von mir": Scoccimarro muss nach WM-Aus um Olympia bangen

"Bin sehr enttäuscht von mir": Scoccimarro muss nach WM-Aus um Olympia bangen

Alexander Flohr
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Giovanna Scoccimarro hat es verpasst, sich das Ticket nach Tokio frühzeitig zu sichern.
Giovanna Scoccimarro hat es verpasst, sich das Ticket nach Tokio frühzeitig zu sichern. © IMAGO/Revierfoto
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Eigentlich war die Sache klar: Giovanna Scoccimarro vertritt Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio. Das frühe Aus bei der WM nach einem kräftezehrenden Achtelfinale über fast 13 Minuten lässt sie nun aber noch einmal bangen. "Ich bin sehr enttäuscht von mir selber", sagte die 23-Jährige.

Giovanna Scoccimarro schaut auf die Uhr neben der Matte. Die grün gefärbte Zeit wird bei 8:50 Minuten rot. Das Judo-Ass vom MTV Vorsfelde erhält den dritten Shido (Strafe im Judo) und verliert das Achtelfinale bei der Weltmeisterschaft in Ungarn ge­gen Aoife Coughlan.

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Es war ein kräftezehrendes Drama gegen die Australierin, die Scoccimarro im Januar beim Masters in Doha noch besiegt und damit Bronze geholt hatte. Nach dem regulären Kampf (vier Minuten) ging es in den Golden Score, die Verlängerung. Nach weiteren acht Minuten und 50 Sekunden waren beide ausgepowert und suchten nach den letzten Kraftreserven. Die dritte Bestrafung Scoccimarros bedeutete gleichzeitig ihr Aus. Nach insgesamt 12:50 Minuten – einer Kampfzeit, die für über drei Duelle gereicht hätte. Eine ganz bittere Niederlage für die Hannoveranerin.

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Die 23-Jährige, die zuvor noch gegen Gulnoza Matniyazova (Usbekistan) hatte gewinnen können, war überhaupt nicht zufrieden mit ihrem Wettkampftag: „Ich bin sehr enttäuscht von mir selber, dass ich so schlecht ge­gen die Australierin gekämpft habe.“ Ihr fehlen die Worte, als sie darüber nachdenkt, warum sie den Kampf verloren habe. „Es wäre sicherlich mehr drin gewesen“, sagt sie.

Nominierung am Dienstag

War sie mit dem Kopf vielleicht schon einen Schritt weiter – in Richtung Tokio? Der Verband hat den deutschen Platz in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm noch nicht vergeben. Die WM in Budapest war die letzte Möglichkeit zur Qualifikation. In der Quali-Rangliste bleibt Scoccimarro, die mit 4803 Punkten und somit fast 1000 Zählern Vorsprung auf ihre nationale Konkurrentin Miriam Butkereit (3821) in die WM gegangen war, auch nach Budapest vor der Glinderin.

Für das Achtelfinale be­kommt Scoccimarro 320 Punkte. Butkereit kämpfte am Nachmittag noch um Bronze, verlor allerdings ihr entscheidendes Duell mit der Niederländerin Sanne van Dijke. In der Rangliste bleibt Scoccimarro deshalb vorn.

Doch reicht die bessere Platzierung tatsächlich für das begehrte Ticket für die Olympischen Spiele? Oder gibt der Eindruck bei der Weltmeisterschaft den Ausschlag wenige Wo­chen vor Olympiabeginn? Der Judobund nominiert die Athleten am Dienstag.


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Bis dahin werden es unangenehme Tage für Scoccimarro. „Ich mache mir viele Gedanken und hoffe, dass mich der Judobund weiterhin für Olympia nominieren wird“, sagt sie, „bis Dienstag werden es für mich Tage voller Anspannung sein, so wie ich mich kenne.“ Mit dem Frauen-Bundestrainer Claudiu Pusa hat sie nach dem frühen WM-Aus nicht ge­spro­chen. „Ich würde ihn jetzt aber auch nicht fragen wollen“, so Scoccimarro.

Vor der WM war für das junge Judo-Ass eigentlich schon alles klar gewesen. Scoccimarro hatte alles in der eigenen Hand und muss jetzt doch noch zittern. Ihre Leistung in Budapest war nicht gut genug. Und Konkurrentin Butkereit trumpfte im Endspurt doch noch mal zu sehr auf. „Ich hatte die Möglichkeit, es für mich dingfest zu machen, und habe sie verstreichen lassen“, sagt Scoccimarro. Bundestrainer Pusa hat es nun in der Hand.