14. Januar 2021 / 14:33 Uhr

Judoka Scoccimarro und Wandtke schreiben Geschichte: Olympia-Ticket in greifbarer Nähe

Judoka Scoccimarro und Wandtke schreiben Geschichte: Olympia-Ticket in greifbarer Nähe

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Überragend: Giovanna
 Scoccimarro (l.) und Igor Wandtke (r.) gemeinsam mit Medaille und Trainer Miguel
 Ogando Lopes vom OSP Hannover. 
Überragend: Giovanna Scoccimarro (l.) und Igor Wandtke (r.) gemeinsam mit Medaille und Trainer Miguel Ogando Lopes vom OSP Hannover.  © Privat
Anzeige

Beim Grand Prix in Doha kämpfen sich die beiden Judoka Giovanna Scoccimarro und Igor Wandtke mit starken Leistungen zur Bronzemedaille. Ein klarer Fingerzeig in Richtung Olympische Spiele, die in diesem Sommer in Tokio steigen sollen. 

Anzeige

Der wuchtige Koffer dient Igor Wandtke mehr als Rollator denn als Transportmittel. Die Knochen schmerzen, die Muskeln brennen, die Erschöpfung spürt Deutschlands Topjudoka in jeder Faser seines Körpers.

Anzeige

Beim Masters Grand Prix im Wüstenstaat Katar hat der 30-Jährige eindrucksvoll seine Rolle auf der Weltbühne demonstriert: Wandtke gehört zu den Besten, die Bronzemedaille ist ein klarer Fingerzeig in Richtung Olympische Spiele.

Physisch und mental stark

Es gehört zu seinem Naturell, nicht in Überschwang auszubrechen. Zu viel hat Wandtke in seiner langen Karriere erlebt, zu intensiv waren die vergangenen Monate mit Olympiaverschiebung, Schulter-OP und Reha. Der 24. der Weltrangliste wusste vor dem Flug nach Doha nicht, wie hoch sein Leistungslevel sein würde. Bei der Europameisterschaft im November 2020 flog er in Runde eins raus. Und das Masters der 36 Weltbesten ist eine ganz andere Hausnummer.

Die Geschichte von Doha aber sollte eine andere werden. Runde um Runde kämpfte sich Wandtke durchs Turnier, nach der Niederlage gegen Hashimoto, der später die Silbermedaille gewann, griff, trat und zog sich der Hannover-Athlet durch die Trostrunde. Und auch der Europameister Viktor Sterpu (Moldau), gegen den er in Prag noch umstritten verloren hatte, hatte gegen den physisch und mental wohl stärksten Wandtke aller Zeiten keine Chance. Das kleine Finale um Bronze gegen den Kasachen Zhansay Smagulov sollte die Krönung werden.

Mehr aus der Region

Wandtke-Sieg motiviert Scoccimarro

Fünf Sekunden vor Ende gelang die entscheidende Aktion. „Ich hatte tierischen Respekt vor dem Kampf. Ich bin dann mit aller Gewalt in die Technik rein und hab ihn geworfen. Etwas glücklich, aber der absolute Höhepunkt für mich.“

Als der 30-Jährige sein kleines Finale kämpfte, schaute Giovanna Scoccimarro im Warteraum hinter der Sportbühne ihrem Trainingspartner aus Hannover zu. Sie fieberte mit, litt mit. „Als ich gesehen habe, wie Igor gewann, war das pure Motivation. Ich wollte, dass wir beide das ganz Große hier schaffen“, sagt die 23- Jährige. „Atemberaubend“ sei das Gefühl gewesen, als sie nach ihrem Sieg gegen Aoife Coughlan bei der Siegerehrung die Bronzemedaille überreicht bekam. „Mein größter sportlicher Erfolg“, sagt Scoccimarro.

Und eine klare Botschaft an den Bundestrainer: „Du hast mit der Olympianominierung alles richtig gemacht. Ich bin hier, ich bin fit.“ Auch der jungen Kämpferin (Gewichtsklasse bis 70 Kilo) sind die Strapazen der Wüstenzeit anzumerken. Das Leben in der Quarantäneblase zwischen Zimmer im 34. Stock und Trainingshalle hinterlässt Spuren. Eineinhalb Tage musste sie auf ihr negatives Corona-Testergebnis warten, ehe sie ihr Zimmer verlassen durfte. Eine schier endlose Zeit. Sieben PCR-Tests mussten beide in zehn Tagen über sich ergehen lassen.

Ein immenser Aufwand für die Organisatoren. Das dürfte mit dem Erfolg in Doha in den nächsten Monaten entspannter werden. Zwar quillt der Terminkalender mit Grand Prixs überall auf der Welt über. Das Hannover-Duo kann aber selektieren, muss nicht überall dabei sein. „Daran denken wir dann nächste Woche“, sagt Wandtke. „Jetzt wollen wir einfach nur ausruhen.“