21. Mai 2020 / 21:04 Uhr

Sandkastenliebe mit Fußballgen: Was machen eigentlich Jürgen und Petra Stoffregen?

Sandkastenliebe mit Fußballgen: Was machen eigentlich Jürgen und Petra Stoffregen?

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Trainer sind sie zwar nicht mehr, doch ganz ohne Fußball geht es bei Petra und Jürgen Stoffregen natürlich nicht.
Trainer sind sie zwar nicht mehr, doch ganz ohne Fußball geht es bei Petra und Jürgen Stoffregen natürlich nicht. © Nicola Wehrbein/Archiv
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Jürgen und Petra Stoffregen sind ein Trainerpaar aus Leidenschaft. Er führte unter anderem den TSV Havelse in die Regionalliga, sie coachte zuletzt den TSV Stelingen. Mannschaften trainieren die beiden zwar nicht mehr, ohne Fußball geht's aber nicht - dafür sorgt allein schon Enkel Oskar.

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Auf einem Teilstück des häuslichen Gartens von Petra und Jürgen Stoffregen ist Kunstrasen verlegt; eine Rutsche und ein buntes Klettergerüst gibt es auch. Ein wahres Spielparadies für die beiden Enkelkinder. Kleine Tore dürfen selbstverständlich nicht fehlen, schließlich kickt der sechsjährige Oskar leidenschaftlich gern. „Er spielt beim TuS Garbsen unter Trainer Hans Langhans, von den Kindern nur liebevoll Opa Hans genannt“, erzählt Petra Stoffregen. Und fügt hinzu: „Oskar beim Fußball zu begleiten, ist jetzt eines meiner größten Hobbys.“

2017 ist für Jürgen Stoffregen Schluss, 2018 für Petra

Jener Hans Langhans stand dem TuS bereits als Präsident vor, zu Zeiten, als Jürgen Stoffregen dort in der Rolle des Spielertrainers agierte (1989 bis 1991). Für „Stoffi“ war es der Ausklang seiner aktiven Laufbahn und gleichzeitig der Beginn einer fast drei Jahrzehnte andauernden Trainerkarriere, die er 2017 aus freien Stücken beendete. Ein Jahr später hörte auch Petra Stoffregen auf, sie coachte zuletzt die Frauenmannschaft des TSV Stelingen. Der Fußball spielt jedoch weiterhin eine große Rolle im Hause Stoffregen – nicht allein wegen Oskar und der TV-Übertragungen.

Beim Abschied aus Havelse fließen bei Trainerin Petra Stoffregen Tränen.
Beim Abschied aus Havelse fließen bei Trainerin Petra Stoffregen Tränen. © Christian Hanke
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„Egal, wo er war, ob als Spieler oder Trainer, Stoffi hat immer Erfolge gefeiert“, betont Jürgen Siegel, früherer Weggefährte und seit 40 Jahren Arbeitskollege von Stoffregen bei der Stadt Garbsen. Abwehrspezialist Stoffregen bestritt zwischen 1978 und 1980 16 Zweitligaspiele für Hannover 96. Anschließend kehrte er zu seinem Stammverein TSV Havelse zurück, mit dem er prompt in die Oberliga Nord aufstieg – unter der Regie des Ex-Profis Hans Siemensmeyer. „Als Aufstiegsprämie bekam jeder Akteur der Meisterelf eine Holzkiste mit Gesellschaftsspielen. Das gute Teil ist uns kürzlich erst wieder in die Hände gefallen“, sagt Petra lachend.

„Die Euphorie in Havelse war riesig, zum ersten Oberligaspiel gegen Arminia Hannover kamen 4000 Zuschauer“, erinnert sich Jürgen Stoffregen, der die folgenden acht Jahre beim TSV verbrachte. Und während dieser Zeit auch Volker Finke als Trainer erlebte. „Hans Siemensmeyer war mein Idol, er hat mich als Spieler geprägt. Von Volker Finke habe ich sehr viel für meine Trainertätigkeit mitgenommen.“

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Nach Spielertrainerstationen beim TuS Garbsen und in Havelse wechselte „Stoffi“ als Chefcoach zum TSV Krähenwinkel/Kaltenweide. Sein nächstes Betätigungsfeld war Hannover 96. Eigentlich verantwortlich für die Amateure, übernahm er 1996 für drei Monate die Zweitligamannschaft vom geschassten Egon Coordes. Danach stellte sich die Frage: Weiter im Profibereich oder zurück zu den Amateuren und parallel in seinem Beruf als Wirtschaftsförderer arbeiten? Er entschied sich für Letzteres. Den SV 07 Linden führte er in die Niedersachsenliga.

Unvergessen blieb die glorreiche Ära beim TSV Havelse: 2005 schaffte Stoffregen mit den Rot-Weißen den Aufstieg in die Niedersachsenliga. „Das entscheidende Spiel hatten wir gegen den 1. FC Wunstorf vor vollem Haus“, erinnert er sich. Und vor ziemlich genau zehn Jahren machte er mit dem TSV den Sprung in die Regionalliga perfekt. Der Name Stoffregen und TSV Havelse, das schien lange untrennbar verbunden, Familiensache quasi: Jürgen war mit der Männermannschaft erfolgreich, Petra (seit 1969 Mitglied im Garbsener Klub) coachte mit Herzblut das Frauenteam, in dem auch die Töchter Saskia und Sabrina am Ball waren, und prägte überdies das Vereinsleben.

Eigentlich ein seltenes Bild: Jürgen Stoffregen ist mit seinen Vereinen erfolgreich unterwegs gewesen.
Eigentlich ein seltenes Bild: Jürgen Stoffregen ist mit seinen Vereinen erfolgreich unterwegs gewesen. © Florian Petrow

Im Dezember 2010 trennten sich die Havelser überraschend von Jürgen Stoffregen (ihm folgte André Breitenreiter). Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich bekanntlich häufig eine andere: Beim BSV Schwarz-Weiß Rehden erfuhr „Stoffi“ nach eigenen Worten „eine hohe Wertschätzung“ – und das nicht nur, weil er das Team in die Regionalliga brachte. Den krönenden und standesgemäßen Abschluss seiner Karriere feierte er bei und mit dem VfV 06 Hildesheim: Ein furioser Aufstieg 2015 und der Klassenerhalt im Premierenjahr in der Regionalliga, damit war für Stoffregen „der passende Moment gekommen, Abschied zu nehmen“ – vom VfV 06 und dem Trainerjob.

Kurz-Comeback in Hildesheim

Es ging allerdings in die Verlängerung: In der Folgesaison sprang „Stoffi“ fünf Spieltage vor Schluss noch mal ein in helfender Rettungsmission – und bewahrte die Domstädter tatsächlich vor dem Abstieg aus der Regionalliga.

„Zu den Hildesheimern besteht weiterhin ein enger Kontakt, wir haben dort echte Freundschaften geschlossen“, sagt Petra. Die Dauerehrenkarte auf Lebenszeit, die ihnen VfV-06-Präsident Michael Salge zum Abschied überreicht hat, sei schon oft zum Einsatz gekommen. „Ein Spiel am Wochenende besuchen wir eigentlich immer, sei es in Hildesheim, beim TuS Garbsen oder auch mal in Havelse“, ergänzt Jürgen. „Außerdem habe ich eine nette Truppe, mit der ich zu 96 ins Stadion gehe. Und wir haben natürlich ein Sky-Abo.“

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Muss auch mal sein: Koldingens Imad Saadun muntert Sehndes Daniel Neitzke mit einem Klaps auf. ©

Das runde Leder lässt die beiden nicht los, warum auch? Es kribbelt halt noch im Fuß. „Stoffi“ spielt in der Ü50 II des TuS Garbsen, „aus alter Verbundenheit, mit Rüdiger Vogel, Lutz Koch, Josef Dzikuc und so weiter, Spielertrainer ist mein Schwager Werner Blumenthal.“ Damit nicht genug, hat der 63-Jährige eine Gastspielgenehmigung für die Ü60 von Hannover 96 – zur Mannschaft gehören unter anderem Frank Reichel, Roman Wojcicki, Heiko Pahl und Bernd Bockhop.

"... das Entscheidende ist ja die dritte Halbzeit"

„Mein rechtes Knie ist zwar nicht mehr so doll, aber das Entscheidende ist ja die dritte Halbzeit“, sagt der Garbsener augenzwinkernd. „Ich muss immer reinrufen, damit sich die Herren auf dem Platz mal etwas bewegen“, kommentiert Petra lachend. Sie selbst – früher ebenfalls passionierte Fußballerin – ist auf Aqua Fit und Yoga umgestiegen.

Die Eheleute spielen sich auch im Gespräch liebevoll die Bälle zu. Kein Wunder, Petra und Jürgen kennen sich, seit sie 13 Jahre alt sind, aus der Realschule in Garbsen. „Als wir 1984 geheiratet haben, unkten einige, diese Sandkastenliebe werde sicher nicht auf Dauer halten“, sagt Petra. Von wegen: 36 Jahre, zwei Töchter und zwei Enkelkinder später sind sie noch immer ein glückliches Paar.

Familiensache: Vater Jürgen Stoffregen und Sabrina präsentieren Hannovers Steilpass - ist schon ein paar Tage her.
Familiensache: Vater Jürgen Stoffregen und Sabrina präsentieren "Hannovers Steilpass" - ist schon ein paar Tage her. © Christian Hanke

Auch abseits vom Fußball kommt bei ihnen keine Langeweile auf. „Wir pflegen eine tolle Nachbarschaft. Und wir haben einen großen Freundeskreis, treffen uns zu Bowling- und Kartenrunden oder anderen Aktivitäten“, erzählt die Dame des Hauses. Am ersten Maiwochenende war ein Besuch bei Per Mertesacker in London geplant. „Wir hätten uns zusammen das Premier-League-Spiel des FC Arsenal gegen den FC Liverpool angesehen. Per wollte uns die Fußballakademie zeigen. Leider kam Corona dazwischen“, sagt „Stoffi“, der übrigens regelmäßig beim Bund Deutscher Fußballlehrer seine Lizenz auffrischt. Man kann schließlich nie wissen.

Und dann gibt es ja noch das Wichtigste überhaupt: Die Enkelkinder, damit verbunden eine Zoojahreskarte und eben der Kunstrasen mit den Minitoren. Womöglich treten Oskar und sein jüngerer Bruder Anton später in die Fußstapfen ihres Opas Jürgen – das geballte Fußballgen der Stoffregens haben sie zweifellos im Blut.