23. Februar 2019 / 06:00 Uhr

Julian Brandt über das Scheitern von Peter Bosz beim BVB und seine Treue zu Bayer Leverkusen

Julian Brandt über das Scheitern von Peter Bosz beim BVB und seine Treue zu Bayer Leverkusen

Stefan Döring
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Julian Brandt erkärt unter anderem, warum er sich unter seinem neuen Trainer Peter Bosz so wohlfühlt.
Julian Brandt erkärt unter anderem, warum er sich unter seinem neuen Trainer Peter Bosz so wohlfühlt. © Verwendung weltweit
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Nationalspieler Julian Brandt erklärt im SPORTBUZZER-Interview die Zusammenarbeit mit dem neuen Bayer-Trainer Peter Bosz und verrät, warum Leverkusen für ihn der "perfekte Fleck" ist.

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Bayer Leverkusen musste in diesem Monat das Aus im DFB-Pokal gegen Heidenheim und das Scheitern in der Europa League gegen den russischen Klub FK Krasnodar einstecken – doch in der Bundesliga hat sich der Klub berappelt. Trainer Peter Bosz, im Dezember geholt, hat die Werkself auf Rang fünf geführt. Am Sonntag (18 Uhr) will Bosz mit Bayer ein Ausrufezeichen im Topspiel bei seinem Ex-Klub Borussia Dortmund setzen.

Vor der Partie erklärt Leverkusens Nationalspieler Julian Brandt im SPORTBUZZER-Interview, was der Coach bei Bayer verändert hat und warum der Leverkusener Weg für ihn genau der richtige ist.

SPORTBUZZER: Julian Brandt, die erste Frage liegt auf der Hand: Wie hat Peter Bosz Sie beflügelt?

Julian Brandt (22): Zum einen ist es meine neue Position als Zehner. Mir persönlich gibt er viele Freiheiten auf dem Platz. Ich kann mich entfalten, auch wenn er mir gesagt hat, was ich beachten soll. Ich darf meine Position selbst interpretieren. Ein Trainerwechsel bewirkt oft einen frischen Wind. Zum anderen hat Peter Bosz versucht, unser Selbstvertrauen zu stärken und jetzt funktioniert unser Spiel besser.

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Was hat Bosz in den Köpfen bewirkt?

Erst einmal vorweg: Ein Trainerwechsel ist immer ein schlechtes Arbeitszeugnis für uns Spieler. Wenn ein Trainer geht, müssen wir vorher einiges falsch gemacht haben. Peter Bosz hat in kurzer Zeit versucht uns einzuimpfen, für was er steht. Neben seiner fachlichen Art hat er auch eine sehr, sehr gute menschliche Art. Er hat ein gutes Näschen für die verschiedenen Charaktere. Taktisch ist er ein sehr guter Trainer. Er weiß, was er tut und hat eine klare Linie.

Beim BVB lief es unter Bosz anfangs ähnlich gut – dann kam der Absturz.

Aus der Entfernung hatte ich den Eindruck, dass er in Dortmund viel zu kritisch gesehen wurde. Was er fußballerisch mit dem BVB hat spielen lassen, war gut – vor allem in der Phase, in der der BVB alles gewonnen hat. Wenn seine Idee umgesetzt wird, kann sie sehr erfolgreich sein. Ich glaube, dass er aus seiner Dortmunder Zeit viel gelernt hat.

Er achtet jetzt zum Beispiel mehr auf den eigenen Ballbesitz.

Peter Bosz hat eine komplexe Idee davon, wie wir verteidigen und angreifen sollen. Unter Heiko Herrlich (Vorgänger von Bosz, d. Red.) haben wir immer etwas variabel gespielt und uns dem Gegner angepasst. Natürlich wollten wir auch unter ihm pressen, haben aber je nach Gegner auch mal die andere Mannschaft tiefer aufgenommen. Bei Peter Bosz ist es nun so, dass wir immer aus der Pressingidee heraus verteidigen. Wir können aber nicht 90 Minuten pressen und sprinten. Deshalb ist der Ballbesitz wichtig, damit wir uns etwas erholen können.

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<b>Paulinho (seit Sommer 2018):</b> Der 18-Jährige Brasilianer spielt seit  Beginn der Bundesligasaison 18/19 bei Bayer Leverkusen. Für 18,5 Millionen Euro haben sie den Stürmer von seinem ersten Verein Vasco da Gama Rio de Janeiro geholt. Dort absolvierte er bereits 18 Spiele in der Campeonato Brasileiro Série A und schoss drei Tore. Zur Galerie
Paulinho (seit Sommer 2018): Der 18-Jährige Brasilianer spielt seit  Beginn der Bundesligasaison 18/19 bei Bayer Leverkusen. Für 18,5 Millionen Euro haben sie den Stürmer von seinem ersten Verein Vasco da Gama Rio de Janeiro geholt. Dort absolvierte er bereits 18 Spiele in der Campeonato Brasileiro Série A und schoss drei Tore. ©
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Was verstehen Sie unter einer „komplexen Idee“?

Ich habe hier schon durchaus verschiedene Trainer erlebt. Roger Schmidt stand für Pressing, Tayfun Korkut wollte Ballbesitz, bei Heiko war es ähnlich. Bei Peter Bosz ist es eine Kombination aus verschiedenen Aspekten. Egal wie das Spiel läuft, er hat für jede Situation eine Vorgabe. Er hat für alle unsere Pro­bleme auf dem Platz eine Lösung.

Leverkusen gilt immer wieder als Kandidat für die Champions-League-Plätze – aber wirklich konstant war die Mannschaft in den vergangenen Jahren nicht.

Das ist unser großes Problem. Teilweise haben wir Spiele, die unfassbar gut sind und in denen wir unser großes Potenzial zeigen. Dann haben wir Phasen, in denen kaum etwas klappt. Ich erhoffe mir, dass sich das mit dem neuen Trainer legt. Schwächere Phasen wird es aber immer mal geben. Das liegt auch zum Teil an der Philosophie des Vereins. Bayer setzt auf junge Spieler, die sich entwickeln können und sollen. Junge Spieler sind aber in der Regel nicht so konstant in ihren Leistungen. Das war auch in meiner Karriere so.

Sie haben sich langfristig zu Bayer bekannt, glauben an den Weg.

Natürlich. Für junge Spieler ist es hier ein perfekter Fleck, wir haben hier in Leverkusen eine übersichtliche Medienlandschaft. Der externe Druck ist nicht so groß wie bei anderen Vereinen hier im Westen. Da ich genau weiß, was ich für die Zukunft will und mich hier wohlfühle, warum sollte ich dann gehen? Mittel- und langfristig wollen wir unter den ersten Vier sein.

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Unter Bosz haben Sie die Bayern in der Liga geschlagen, sind aber im DFB-Pokal gegen Heidenheim ausgeschieden.

Wäre uns das in der Hinrunde passiert, wäre die Kurve nach dem Pokalspiel wahrscheinlich wieder nach unten gegangen. Dass so eine Pleite wehtut, ist klar. Momentan wäre es tödlich, wenn wir die Negativerfahrung in die Bundesliga mitnehmen würden, weil wir dort Punkte aufholen wollen.

Schafft es Bayer, in der kommenden Saison in der Champions League zu spielen?

Wir sollten grundsätzlich nach dem Optimum streben. Es ist aber nicht so, dass Leipzig (Vierter, d. Red.) ständig Punkte liegen lässt. Wir müssen alles versuchen, um das höchste Ziel zu erreichen.

Dafür sind Sie Sportler.

Natürlich. Ich gehe jedes Jahr in die Saison, um am Ende oben zu stehen. Das war schon immer so – auch in der D-Jugend. Als Bayer Leverkusen sind wir sicherlich kein Titelfavorit – das ist klar. Wenn ich aber in ein Rennen gehe, will ich es gewinnen. Meister werden wir in dieser Saison aber nicht mehr. (lacht)

Ist Peter Bosz der richtige Trainer für Bayer Leverkusen? Hier abstimmen!

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