03. November 2021 / 16:12 Uhr

Leistungen, Körpersprache, Lionel Messi: Warum Julian Draxler bei PSG nur Ergänzungsspieler ist

Leistungen, Körpersprache, Lionel Messi: Warum Julian Draxler bei PSG nur Ergänzungsspieler ist

Alexis Menuge 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wechselte 2017 vom VfL Wolfsburg zu Paris Saint-Germain: Julian Draxler 
Wechselte 2017 vom VfL Wolfsburg zu Paris Saint-Germain: Julian Draxler  © IMAGO/Picture Point LE
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Anfang 2017 wechselte Julian Draxler vom VfL Wolfsburg zu Paris Saint-Germain. Bislang konnte er sich sportlich bei den Franzosen nicht durchsetzen. Über die Gründe für Draxlers Scheitern schreibt Alexis Menuge, seit 2002 Deutschland-Korrespondent der französischen Sportzeitungen "L´Équipe" sowie "France Football".

Der Ausgang ist offen – doch eines steht vor dem Champions-League-Gastspiel von Paris Saint-Germain bei RB Leipzig (Mittwoch, 21 Uhr, DAZN) trotz der des kurzfristigen Ausfalls von Lionel Messi wohl fest: Julian Draxler wird mal auf der Bank Platz nehmen. Man könnte auch sagen: immerhin.

Denn eigentlich ging es im Frühsommer nur noch darum, wer sein nächster Arbeitgeber sein wird: Bayer Leverkusen? Bayern München? Juventus Turin? Oder der FC Sevilla? Klar schien jedenfalls, dass sich die Wege zwischen Draxler und PSG nach viereinhalb Jahren trennen würden – dann kam es zur überraschenden Wende: Nach einem Vieraugengespräch mit Mauricio Pochettino verlängerte der Deutsche seinen Vertrag sogar um drei weitere Jahre – wenn auch zu deutlich niedrigeren Bezügen als bisher.

Der argentinische Trainer schätzt Draxlers professionelle Einstellung, dessen Vielseitigkeit sowie seine technischen Fähigkeiten. „Julian kann man nichts vorwerfen“, meinte „Poche“ auf dem TV-Kanal des Spitzenreiters der Ligue 1 und schwärmte: „Für jeden Trainer ist es immer von Bedeutung, wenn derjenige sowohl als hängende Spitze, als Spielmacher oder auf dem Flügel eingesetzt werden kann. Es ist schwer, auf das Gesamtpaket von Julian zu verzichten, weil er eine Bereicherung für uns ist.“

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Draxler bei PSG oft Ersatzspieler

Im Hinspiel gegen Leipzig (3:2) durfte sich Draxler wegen der Sperre von Ángel Di María und der Verletzung von Neymar von Beginn an zeigen, konnte die Chance aber wie so oft nicht nutzen. Seitdem sitzt er oft auf der Bank. Im Durchschnitt kommt er in dieser Saison wettbewerbsübergreifend auf 432 Einsatzminuten in elf Partien, ergibt magere 39 Minuten pro Spiel. In den letzten sechs Ligue-1-Partien stand er sogar insgesamt nur 35 Minuten auf dem Platz. Bei den Topspielen in der Liga, sowohl gegen Olympique Lyon als auch bei Olympique Marseille, blieb er 90 Minuten draußen.

Nun wird in Paris erneut über Draxlers Zukunft spekuliert. Französische Medien berichten, Sportdirektor Leonardo müsse im Januar drei bis vier Spieler verkaufen. Momentan ist der Kader zu breit aufgestellt, was für unnötige Spannungen in der Kabine sorgt. Auch der Name Draxler taucht immer wieder auf. Die Verantwortlichen sind mit seiner Entwicklung nach wie vor nicht zufrieden. Ob sich Pochettino ein zweites Mal durchsetzen wird? Der Unterschied zur Vertragsverlängerung im Mai: Messi ist seitdem nach Paris gekommen und hat Draxlers sportliche Lage noch ein Stück erschwert.

Draxler beim DFB mit WM-Chancen?

Auch bei der Nationalmannschaft wollte Draxler neu angreifen, nachdem sein großer Förderer Joachim Löw ihn nicht für die EM nominiert hatte – doch auch Hansi Flick verzichtet bisher auf seine Dienste. Aktuell sieht es nicht so aus, als ob er am Freitag im Aufgebot für die letzten beiden Länderspiele des Jahres gegen Liechtenstein und in Armenien stehen könnte.


Draxler aber will unbedingt zur WM. Dafür muss er regelmäßig spielen, bei seinem Klub bestenfalls eine tragende Rolle spielen. Bei PSG war er nie mehr als ein Ergänzungsspieler. In der französischen Hauptstadt fühlt er sich aber pudelwohl. „Julian wird sich nie durchsetzen“, ist Ex-PSG-Star Jérôme Rothen überzeugt. „Er verfügt zwar über ein Riesenpotenzial, aber macht viel zu wenig daraus. Seine Körpersprache spricht Bände: Er ist nicht in der Lage, über sich hinauszuwachsen. Sobald er von Beginn an spielt, enttäuscht er auf der ganzen Linie. Er bringt PSG keinen Zentimeter weiter. Er hat in der Vergangenheit genug Chancen gehabt, sich zu zeigen, aber kein einziges Mal hat er sein Potenzial so richtig ausgeschöpft.“