26. August 2019 / 09:23 Uhr

Julian Nagelsmanns Ehrgeiz kann RB Leipzigs großer Trumpf werden

Julian Nagelsmanns Ehrgeiz kann RB Leipzigs großer Trumpf werden

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann feuert seine Jungs auf dem Rasen an
RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann feuert seine Jungs auf dem Rasen an © GEPA pictures
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RB Leipzig hat unter seinem neuen Coach das dritte Pflichtspiel in Folge gewonnen. Für Julian Nagelsmann ist der erfolgreiche Saisonstart jedoch kein Grund für einen Spannungsabfall. Im Gegenteil, der 32-Jährige gab sich nach der Partie kritisch.

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Leipzig. Bestes Wetter, ein Sieg, dazu die vorzeitige Vertragsverlängerung von Stürmerstar Timo Werner. Viel besser hätte Julian Nagelsmanns erstes Pflichtspiel in der Red-Bull-Arena als Trainer von RB Leipzig nicht laufen können. Trotz bisher weißer Weste in Pokal und Bundesliga gab sich der 32-Jährige nach dem 2:1 (1:0)-Erfolg kritisch: "Es war ein glücklicher Sieg. Ein Unentschieden wäre gerechter gewesen. Es war nicht so schön anzusehen wie bei Union Berlin."

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RB Leipzig - Eintracht Frankfurt (2:1) ©

Dass der ohne Zweifel mit gehörigem Druck in die Saison gestartete neue Bullen-Chefcoach nach nunmehr drei siegreichen Partien weiterhin öffentlich nach Schwächen sucht, statt sich und seine Mannschaft zu feiern, ist bemerkenswert und bestätigt ebenso Nagelsmanns Ehrgeiz wie seine klare Sicht auf den Sport.

Berechtigte Kritik

Zumal die Kritik nicht unberechtigt ist. Mit der knappen Führung und einer extrem starken ersten halben Stunde im Rücken, die Yussuf Poulsen nach Abpfiff zu recht mit dem Prädikat "top, top, top" belegte, verfiel die Mannschaft langsam aber stetig in einen Energiesparmodus: "Irgendwann hat auch ein bisschen die Überzeugung und der Mut bei eigenem Ballbesitz gefehlt. Da haben wir viele lange Bälle gespielt. Es war aufgrund der Witterungsbedingungen nicht immer ganz einfach, Druck drauf zu kriegen“, sagte der Coach.

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Lukas Klostermann (RB Leipzig): Ich denke, wir haben vor allem in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel gemacht und sind verdient in Führung gegangen. Wir hätten nur noch etwas früher das zweite Tor machen müssen. Das späte Gegentor hat es dann natürlich noch einmal eng gemacht. Aber wird haben es gut über die Zeit bekommen. Zwei Spiele, sechs Punkte – der Start ist gelungen! Zur Galerie
Lukas Klostermann (RB Leipzig): "Ich denke, wir haben vor allem in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel gemacht und sind verdient in Führung gegangen. Wir hätten nur noch etwas früher das zweite Tor machen müssen. Das späte Gegentor hat es dann natürlich noch einmal eng gemacht. Aber wird haben es gut über die Zeit bekommen. Zwei Spiele, sechs Punkte – der Start ist gelungen!" ©

Goncalo Paciencias Treffer gab dankenswerter Weise erst kurz vor dem Abpfiff einen Vorgeschmack darauf, was den Roten Bullen trotz Überlegenheit droht, wenn ein paar Prozentpunkte an aufkommende Leichtsinnigkeit verloren gehen. Dass am Ende drei Punkte auf das Konto wanderten, war schlussendlich auch weniger einem seriösen Auftritt in Halbzeit zwei, als dem Geniestreich von Emil Forsberg und Yussuf Poulsen zu verdanken, der kurz vor dem Gegentreffer und mitten in der Frankfurter Drangphase etwas Druck vom Kessel nahm.

Gulacsi ärgert sich über Gegentor

Nun ist es mit der Kritik nach Siegen so eine Sache. Die Gefahr, dass sie bei den Spielern in der Euphorie des Erfolgs nicht wirklich ankommt, ist hoch. Nagelsmann scheint sein Team jedoch in dieser Frage ganz klar auf seiner Seite zu haben, allen voran Mentalitäts-Riese Peter Gulacsi, der den ersten Gegentreffer der jungen Saison hinnehmen musste: "Es ist ärgerlich, wie das Tor passiert ist. Wir haben vorn den Ball verloren. Dann haben wir zu passiv verteidigt. So kann uns jeder Gegner uns wehtun."

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Auch Poulsen war trotz seines Traumtors nicht vollends zufrieden: "Es gab viele Sachen, die wir hätten besser machen können, die wir zu langsam erkannt haben." Der Däne spielte dabei unter anderem auf den nach einem kraftraubenden Spiel in der Europa-League-Qualifikation am Donnerstag überraschend lauf- und spielstarken auftritt der Eintracht an – eine Fehleinschätzung, die sich auch Nagelsmann zu Herzen zu nehmen schien: "Wir haben erwartet, dass der Gegner ein bisschen mehr lange Bälle spielt. Da war die Kette drauf eingestellt."

Für neutrale Beobachter dürfte all das mit Blick auf die bisherige Bilanz und die Tabelle Kritik auf extrem hohem Niveau sein. Die Roten Bullen tun aber wohl gut daran, diese Linie beizubehalten – schließlich sind auch die Ambitionen ebenso extrem hoch.