09. Januar 2021 / 13:33 Uhr

Jung, breit und erfolgreich: Wie der Egestorfer XXL-Kader zum Trumpf wurde

Jung, breit und erfolgreich: Wie der Egestorfer XXL-Kader zum Trumpf wurde

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dass die Germania aus Egestorf in dieser Saison so oft jubeln darf, liegt auch am großen Kader, der Paul Nieber zur Verfügung steht.
Dass die Germania aus Egestorf in dieser Saison so oft jubeln darf, liegt auch am großen Kader, der Paul Nieber zur Verfügung steht. © deisterpics/Stefan Zwing / imago images
Anzeige

33 Spieler stehen im Kader des 1. FC Germania Egestorf/Langreder. Zu viele, könnte man meinen. Das sieht Paul Nieber aber anders. Der Trainer ist froh über den Konkurrenzkampf und den niedrigen Altersschnitt. Ist die Germania mit diesem Aufgebot schon reif für das Ziel Regionalliga?

Anzeige

Die Weihnachtsferien sind gestern zu Ende gegangen – ab Montag soll es an den Schulen weitergehen. Ob es für Paul Nieber dann Distanzlernen, Präsenzunterricht oder Wechselmodell heißt, wird sich für den Deutsch- und Sportlehrer noch zeigen. Weitaus ungewisser ist, wann er in seiner Funktion als Trainer des 1. FC Germania Egestorf/Langreder wieder auf den Platz darf.

Anzeige

Bis dahin bleibt ihm nichts anderes übrig, als seinen Oberligakickern individuelle Pläne für Lauf- sowie Krafteinheiten mitzugeben und im gemeinsamen Onlinetraining, das zweimal in der Woche auf dem Programm steht, Akzente zu setzen. „Unser Plan beinhaltet ja nicht nur virtuelle Treffen zum Workout. Besprechungen sind mit dabei, auch Videoanalysen lassen sich da machen“, sagt Nieber.

Bilder vom "After-Isolation-Tournament" des 1. FC Germania Egestorf/Langreder

Marvin Stieler nimmt die nächste Aufgabe ins Visier. Zur Galerie
Marvin Stieler nimmt die nächste Aufgabe ins Visier. ©

Langzeitverletzte profitieren von Corona-Pause

Bei den Zusammenkünften am Bildschirm ist Tigrinho immer mit dabei. Allerdings aus dem fernen Brasilien, wo der Offensivkünstler seit dem Sommer verweilt. „Ich gehe davon aus , dass die Behörden bald grünes Licht geben, damit er wieder nach Deutschland einreisen kann“, sagt der Coach der Egestorfer. Für den bürokratischen Akt steht noch die eine oder andere Rückmeldung aus. Der Brasilianer halte sich in seiner Heimat auf jeden Fall fit, „und das bei leicht besserem Wetter als bei uns“, sagt Nieber mit einem Augenzwinkern.

Wenn der Unterbrechung aufgrund der Corona-Pandemie etwas Positives abzugewinnen ist, dann der Umstand, dass die aus einer langwierigen Verletzung gekommenen Spieler Zeit hatten, sich richtig auszukurieren. Das gilt etwa für Jacques Hieronymus und Seth Anson. „Die beiden werden sich bei der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes wieder voll zeigen können“, sagt der Coach der Germanen. Christopher Kowohl wird sich am Mittwoch einer Knieoperation unterziehen. „Dafür gibt es gewiss schlechtere Zeitpunkte. Da wird die Zeit für ihn spielen“, sagt der ­32-Jährige.

Niedriger Altersschnitt ist eher ein Vorteil

Als Trainer der zweitjüngsten aller 20 Oberligamannschaften macht er sich keine Sorgen, dass die vielen Monate ohne Punktspiele seit März 2020 seinen Youngstern die Möglichkeit rauben, Erfahrungswerte im Männerbereich zu sammeln. „Erfahrung kann man auch woanders sammeln. Ich sehe auch keinen Mannschaftsteil, in dem es uns an Routine mangelt“, sagt Nieber. Den niedrigen Altersschnitt von 22,7 Jahren sieht er eher als Vorteil. „Egal, wie wir spielen, wir werden jedes Jahr besser“, sagt der Übungsleiter. „Das kann eine Mannschaft mit vielen älteren Spielern nicht von sich behaupten.“

Die Fragezeichen, wann und wie es im Wettkampfmodus weitergeht und die daraus resultierende Antwort, ob es für die Egestorfer in der nächsten Saison in der vierten oder fünften Liga um Punkte gehen wird, beeinflussen die Gedankenspiele von Nieber nicht, wenn es sich um potenzielle Neuzugänge handelt. „Ich plane immer unabhängig von der Liga. Wer kann helfen, uns als Mannschaft weiterzuentwickeln, und wo muss nachgesteuert werden? Das steht an erster Stelle“, sagt er.

Mehr zum Amateurfußball in der Region Hannover

Nieber glücklich über Konkurrenzkampf

Das Ziel zum aktuellen Zeitpunkt heißt immer noch Regionalliga, daher wurde der Kader der Egestorfer zu Saisonbeginn auch bewusst vergrößert. Insgesamt 33 Spieler gehören zum Aufgebot. Der Konkurrenzgedanke steht im Vordergrund, ebenso die Möglichkeit, angemessen auf Ausfälle nach Verletzungen und Sperren reagieren zu können. „Natürlich ist ein Fußballer unzufrieden, wenn er nicht spielt. Da spielt es aber keine Rolle, wie groß der Kader ist“, sagt Nieber. „Bei uns stimmt aber das Binnenverhältnis im Team.“

Das sei meistens einfacher, wenn eine Mannschaft erfolgreich ist, dennoch freut er sich über das „gute Gefüge und die gesunde Hierarchie“. Und anhand der vielen unterschiedlichen Spieler, die bei der Germania im bisherigen Saisonverlauf eingesetzt wurden, sei zu erkennen, dass der Plan aufgeht.

Wird Nieber im sechsten Egestorfer Jahr Aufstiegscoach?

Mittlerweile sind es schon fünfeinhalb Jahre, die Nieber in Sachen Fußball am Deister verbracht hat. Der Münderaner, der damals als U19-Coach beim FC Springe aufgehört hatte, wurde vor der Saison 2015/2016 vom JFV Calenberger Land kontaktiert. Dort arbeitete er im Individualtraining, bevor nach dem Regionalligaaufstieg der Egestorfer Männer Aufgaben im Scouting und in der Gegneranalyse anstanden, immer im engen Kontakt mit dem damaligen Trainer Jan Zimmermann. Sportlicher Leiter in Egestorf und Coach der Regionalliga-U19 des JFV waren die nächsten Stationen, bevor er im Oktober 2018 nach Zimmermanns Rückzug die Germania übernahm. Und auch in puncto Aufstiegscoach in die 4. Liga hätte Nieber nichts dagegen, Zimmermanns Nachfolger zu werden.