20. Juli 2021 / 18:19 Uhr

"Jung und frech": Herthas Arne Maier und der Traum von Olympia-Gold

"Jung und frech": Herthas Arne Maier und der Traum von Olympia-Gold

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Bei der U21-Nationalmannschaft ist Kapitän Arne Maier der verlängerte Arm von Bundestrainer Stefan Kuntz (l.). Beim Olympischen Turnier führt der Wolfsburger Maximilian Arnold die Mannschaft aufs Feld.
Bei der U21-Nationalmannschaft ist Kapitän Arne Maier der verlängerte Arm von Bundestrainer Stefan Kuntz (l.). Beim Olympischen Turnier führt der Wolfsburger Maximilian Arnold die Mannschaft aufs Feld. © imago images/MB Media Solutions
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Der gebürtige Ludwigsfelder verpasst wegen den Olympischen Spielen einen Großteil der Vorbereitung des Berliner Bundesligisten – bereut dies aber nicht.

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Die Welt scheint selbst im Olympischen Dorf klein zu sein. „Ich habe eine Physiotherapeutin von Hertha getroffen, die mit der Hockeymannschaft hier ist“, sagte Arne Maier. Wie ein Schwamm fühlte sich der Berliner Fußballprofi gestern inmitten der vielen Athleten in Tokio. Nicht etwa der großen Hitze oder der hohen Luftfeuchtigkeit in Japan wegen. Der gebürtige Ludwigsfelder (Teltow-Fläming) wollte in den zwei Stunden Besuchszeit jeden Moment aufsaugen, um das Olympia-Feeling zu spüren.

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„Wir haben am Deutschen Haus angehalten, waren in der Mensa essen und haben mit anderen Athleten gequatscht“, verriet der 22-Jährige, der sich ein Selfie mit US-Skateboarder Nyjah Huston sicherte, in einer Medienrunde am Dienstagmittag deutscher Zeit. Bei Maier stand wegen der siebenstündigen Zeitverschiebung bereits die Nachtruhe bevor. Das Team von Trainer Stefan Kuntz wohnt zunächst nicht im Olympischen Dorf, sondern im nahen Yokohama, wo die ersten beiden Gruppenspiele stattfinden. Sollten Maier und Co. die Gruppe D mit Brasilien, Saudi-Arabien und der Elfenbeinküste gewinnen, zieht das Team vor dem Viertelfinale ins Dorf. Bei Platz zwei wäre dies erst zum möglichen Halbfinale so.

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„Das war eine tolle Erfahrung für jeden von uns. Es ist unser großes Ziel, wieder dorthin zu kommen“, sagte Maier, der die U21-Nationalmannschaft erst Anfang Juni als Kapitän zum Europameistertitel führte. Nun strebt er mit der U23-Auswahl, die mit drei älteren Athleten – Unions Max Kruse, Wolfsburgs Maximilian Arnold und Leverkusens Nadiem Amiri – verstärkt werden durfte, den nächsten Gold-Coup an. „Wir sind eine echte Einheit, nur so kann man Erfolg haben“, betonte Maier, „das wird man auch gleich sehen“. Am Donnerstag (13.30 Uhr (MESZ)/ARD) kommt es zur Wiederholung des Finals von Rio 2016.

Vor fünf Jahren siegte Brasilien mit Superstar Neymar als Anführer im Elfmeterschießen gegen Deutschland. Maier aber ist überzeugt, dass man Revanche nehmen wird: „Wenn die Brasilianer ein bisschen Feuer bekommen, und das werden wir ihnen geben, dann machen sie auch mal einen Schritt weniger. Unsere Abläufe werden sich festigen, wir wollen jung und frech auftreten.“ Genau so würden sich die Verantwortlichen von Hertha BSC ihr Juwel auch im blau-weißen Trikot wünschen.

Hertha legte Maier keine Steine in den Weg

Der Mittelfeldspieler verpasst wie Verteidiger Jordan Torunarigha aber einen Großteil der Berliner Vorbereitung. „Das ist nicht optimal, die Teilnahme war mir aber wichtig“, sagt Maier. Stefan Kuntz hatte bei Hertha sein Interesse hinterlegt, weder Sportdirektor Arne Friedrich noch Fredi Bobic als Geschäftsführer Sport legten Steine in den Weg, „die Entscheidung wurde mir überlassen.“ Hertha-Trainer Pal Dardai übte dagegen Kritik: „Die Konstellation, dass er weggeht, ist nicht gut. Er muss zeigen, dass er einen Stammplatz erobern will, anstatt ein großes Turnier zu spielen.“ Bleibt für Spieler und Verein zu hoffen, dass Maiers Brust nach seiner Rückkehr nicht nur mit der Goldmedaille geschmückt, sondern auch noch breiter ist.