24. Januar 2022 / 16:04 Uhr

Jung, schnell, wichtig: RB Leipzigs Gvardiol und Novoa kassieren rares Sonderlob

Jung, schnell, wichtig: RB Leipzigs Gvardiol und Novoa kassieren rares Sonderlob

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Josko Gvardiol und Hugo Novoa bekamen am Sonntag Sonderlob vom Trainer.
Josko Gvardiol und Hugo Novoa bekamen am Sonntag Sonderlob vom Trainer. © Picture Point
Anzeige

Der Eine feierte am Spieltag Geburtstag, der Andere einen Tag später. Der Eine lehrt die gegnerischen Angreifer und neuerdings auch Torhüter das Fürchten. Der Andere bringt die Abwehr der Kontrahenten zum Schwitzen. Josko Gvardiol und Hugo Novoa gehören zu den jüngsten Kickern, die in dieser Saison bei RB Leipzig im Kader stehen. Beim 2:0 gegen Wolfsburgliefen sie erstmals in der Bundesliga gemeinsam von Beginn an auf und erhielten später Sonderlob.

Leipzig. Domenico Tedesco ist bekannt dafür, dass er nach Spielen nur ungern über einzelne Akteure spricht. Nach dem 2:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg ließ sich RB Leipzigs Coach dann aber doch ein paar Worte zu zwei besonderen jungen Männern entlocken - natürlich nur auf explizite Nachfrage. Josko Gvardiol und Hugo Novoa hatten der Partie zuvor auf ihre je eigene Weise ihren Stempel aufgedrückt. Der kroatische Innenverteidiger räumte an seinem 20. Geburtstag defensiv wie immer zuverlässig ab, erzielte zudem in Mittelstürmer-Manier das wichtige 2:0. Der spanische Angreifer feierte wenige Stunden vor seinem 19. Geburtstag sein Startelf-Debüt in der Bundesliga und hatte in Halbzeit eins die Führung auf dem Fuß. Nach 55 Minuten machte er Platz für Dani Olmo.

Anzeige

"Extrem jung, extrem schnell"

Novoas Einsatz von Beginn an, dürfte einige überrascht haben. Für Tedesco war der hingegen folgerichtig. "Er hat sich das verdient. Er hat uns dreimal nach seiner Einwechslung geholfen, nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil. Er hat das sehr sehr gut gemacht." RB wollte gegen die Wölfe mit einem 3-4-3 spielen, "mit zwei eher breiten Flügelspielern. Da war er passend", so der Coach. Christopher Nkunku agierte halblinks, André Silva zentral und Nova halbrechts.

DURCHKLICKEN: Die RB-Elf gegen Wolfsburg in der Einzelkritik

(1) Peter Gulacsi: Erhält seinem Team kurz vor der Halbzeit das 0:0, ist und bleibt eine Bank. Im zweiten Durchgang nicht geprüft. Note: 2 Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: Erhält seinem Team kurz vor der Halbzeit das 0:0, ist und bleibt eine Bank. Im zweiten Durchgang nicht geprüft. Note: 2 ©

Was der Trainer am Spanier schätzt, der erst am Freitag seinen Vertrag am Cottaweg um zwei Jahre verlängert hatte? "Er ist extrem jung, extrem schnell und agil." Letzteres zeigte er auch am Sonntag. Nur einen Wimpernschlag war John Anthony Brooks in der 18. Minute unaufmerksam gewesen, verschätzte sich und sprang unter dem Ball durch. Novoa schaltete sofort, nahm Tempo auf und zog schließlich von rechts ab. VfL-Keeper Koen Casteels musste sich lang machen. Es war Leipzigs einzige Chance in Halbzeit eins. "Hugo ist im Eins-gegen-Eins schwierig zu kontrollieren, im Training auch von einem Josko Gvardiol."

Der nahm es in den vergangenen Monaten nicht nur mit seinen Kollegen im Training, sondern in drei Wettbewerben mit RB sowie in der kroatischen Nationalelf mit internationalen Top-Stürmern auf, enttäuschte dabei eher selten. Bei den Fans steht der Verteidiger aufgrund seiner kompromisslosen, aber stets fairen Herangehensweise (in 27 Pflichtspielen stehen bis dato lediglich drei Verwarnungen zu Buche) hoch im Kurs, gilt unter den Sommer-Neuzugängen als der Volltreffer schlechthin. Nicht erst seit Tedesco ist der 20-Jährige kaum aus der Startelf wegzudenken. "Er ist im Spielaufbau schon sehr wichtig für uns", lobte der Coach. "Er hat einen guten Fuß und den ersten Blick immer vertikal. Er möchte immer versuchen, Druck auf die gegnerischen Stürmer, am besten aber auf die letzte Kette zu bringen."

Anzeige

"Ein Stück weit unberechenbar"

Beim 2:0 am Sonntag agierte der Kroate denn auch weniger wie ein Innenverteidiger. Nachdem Lukas Klostermann im Strafraum Wolfsburgs Sebastiaan Bornauw den Ball abgeknöpft hatte, leitete Silva den Konter ein, bediente zunächst Nordi Mukiele. Der hatte das richtige Auge für den mit nach vorn geeilten Gvardiol, der auf Casteels zulief und das Leder nicht nur einschob, sondern den erfahrenen Keeper aus rund elf Metern per Lupfer überwand. Es soll schon Stürmer gegeben haben, die ähnliche Situationen weniger abgezockt lösten. Dass das Geburtstagskind sich wegen einer zunächst fälschlich erkannten Abseitsstellung mit dem Jubel kurz gedulden musste, trübte die Freude nach dem korrigierenden Blick des VAR nicht. Es war Gvardiols zweites Bundesligator. Das erste hatte er beim 4:1-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach erzielt.

"Durch Josko sind wir ein Stück weit unberechenbar", lobte Domenico Tedesco. "Entweder ist er aktiv am Spielaufbau beteiligt oder ist jemand, den man bei einer Verlagerung als Anspielstation finden kann. Das habe ich eigentlich relativ gern."

Mehr zum Thema

Gvardiol selbst, der nach dem Abpfiff zunächst fleißig Geburtstags-Torschützen-Selfies geschossen hatte, gab sich bescheiden und verriet, dass keine ausgiebige Geburtstagssause in Planung ist. "Ich werde nicht groß feiern. Morgen steht das nächste Training an und wir müssen bis zum Ende der Saison professionell bleiben." Immerhin: Seine Team-Kollegen intonierten ein Ständchen, als sich der Kroate in der virtuellen Mixed Zone versuchte, auf die Fragen der anwesenden Journalistinnen und Journalisten zu konzentrieren. In der Kabine wartete zudem eine Torte im RB-Style, die Dani Olmo - beide spielten in der Vergangenheit bereits zusammen bei Dinamo Zagreb - für seine Instagram-Story abgelichtet hatte.

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.