11. März 2022 / 12:44 Uhr

"Einer der größten Künstler": Wie Jürgen Grabowski bei Eintracht Frankfurt Legenden-Status erreichte

"Einer der größten Künstler": Wie Jürgen Grabowski bei Eintracht Frankfurt Legenden-Status erreichte

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jürgen Grabowski gewann mit Eintracht Frankfurt unter anderem den UEFA-Cup und den DFB-Pokal.
Jürgen Grabowski gewann mit Eintracht Frankfurt unter anderem den UEFA-Cup und den DFB-Pokal. © dpa/IMAGO/Sven Simon (Montage)
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An seinem 30. Geburtstag leitete Jürgen Grabowski den Siegtreffer zum deutschen WM-Triumph von München 1974 ein. Jetzt ist die Eintracht-Legende tot. Ein Rückblick auf seine beeindruckende Karriere.

Der deutsche Fußball und vor allem Eintracht Frankfurt trauern um einen Weltmeister von 1974 und ganz Großen ihres Sports: Jürgen Grabowski ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Sein Name hallt bis heute immer wieder durch das Frankfurter Stadion - inbrünstig gesungen von den Fans. Und auch künftig wird das so sein. "Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehn, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen. Sie spielte so gut und sie spielte so schön mit dem Jürgen Grabowski! Schwarz Weiß wie Schnee, das ist die SGE", so heißt es im Dauerhit der Thrash-Metal-Band Tankard, der vor jedem Spiel erklingt.

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In Frankfurt war Grabowski der Spielmacher, in der Nationalmannschaft agierte er meist als Rechtsaußen - wegen Wolfgang Overath und Günter Netzer. "Für mich war er einer der größten Künstler, den wir bei der Eintracht hatten - wenn nicht sogar der größte", sagte Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel einmal. Die Komplikationen nach einem Oberschenkelhalsbruch und Vorerkrankungen - am Ende war dies für Grabowski zu viel. Am Donnerstagabend starb die Eintracht-Legende in einem Wiesbadener Krankenhaus, wie seine Ehefrau der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuerst hatte die Mediengruppe VRM berichtet.

Weltmeister und Frankfurt-Legende Grabowski im Alter von 77 Jahren gestorben

Overath bezeichnete Grabowski einst als "einen ganz feinen Menschen, ein super Junge. Mit dem Ball konnte er alles." Grabowski bestritt 44 Länderspiele und 441 Begegnungen in der Bundesliga für die Eintracht. Er war Welt- und Europameister, UEFA-Cup-Sieger 1980 und 1974 und 1975 DFB-Pokalgewinner.

Grabowski als "Bester Einwechselspieler der Welt"

Schon 1966 gehörte die Eintracht-Legende zum WM-Kader, spielte aber nicht. 1970 kam der Dribbler und Stratege nicht an einem vorbei, der an fast allen Abwehrspielern vorbei kam: Stan Libuda. Der Frankfurter erhielt aber die für ihn zweifelhafte Auszeichnung "Bester Einwechselspieler der Welt". Und im "Jahrhundertspiel" gegen Italien schlug Grabowski die Flanke zu "ausgerechnet Schnellinger" (Kultkommentar von Ernst Huberty). Der Italien-Profi erzielte in letzter Sekunde das Ausgleichstor, ehe das Halbfinalspiel nach Verlängerung noch mit 3:4 verloren ging.

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An seinem 30. Geburtstag leitete Grabowski den 2:1-Siegtreffer im WM-Finale von München ein: Pass zu Rainer Bonhof, Flanke, Tor und Luftsprung Gerd Müller. An jenem 7. Juli 1974 dachte Grabowski: "Die Welt gehört dir." Dabei war er nach dem blamablen 0:1 gegen die DDR aus der Mannschaft geflogen, was ihn tief getroffen hat. Als Einwechselspieler gelang ihm dann aber das vorentscheidende 3:2 gegen Schweden und er war wieder in der ersten Elf. "Diesem Spiel", sagte er immer wieder, "verdanke ich alles."

1965 bis 1980 im Eintracht-Trikot

Nach dem WM-Titelgewinn trat Grabowski aus dem Nationalteam zurück, bei der Eintracht trumpfte er aber weiter auf. Von 1965 bis 1980 spielte er für die Adler, zuvor nur in Biebrich. Sein Lieblingstrainer war Gyula Lorant. Der Ungar ließ schon eine Art Raumdeckung spielen und seine Spieler genüsslich noch einen Mokka schlürfen, während die gegnerische Mannschaft bereits mit klackernden Stollen im Kabinengang auftauchte und von so viel Gelassenheit beeindruckt war.

Kurz vor seinem 75. Geburtstag begleitete die Deutsche Presse-Agentur Grabowski durchs Museum seines Vereins. Er kam in seinem schicken Mercedes und sagte entschuldigend: "Autos waren schon immer meine Schwäche." Von seinem ersten Handgeld - 12 000 Mark für zwei Jahre zusätzlich zum Monatsgehalt von 1000 Mark - hat er sich damals einen "Triumph Spitfire" gekauft. In Feuerrot. Im Museum findet man Erinnerungen an Grabowski an vielen Ecken und Enden. Der gebürtige Wiesbadener schaute sich damals suchend um: Wo ist denn nur die Replik des WM-Pokals? Ein Mitarbeiter brachte hurtig die Mini-Trophäe aus einem Nebenraum und versprach, dass sie in eine Vitrine kommt.

Ärger nach DFB-Pokal-Sieg

Ein Aufsehen erregendes Foto von Grabowski stammt vom DFB-Pokal-Finale 1974. Der Kapitän hatte nach dem Sieg gegen den Hamburger SV etwas übereifrig den gerade erlaubten Trikottausch vollzogen, streifte sich das HSV-Hemd mit der fetten Campari-Werbung über und hielt den Pokal hoch. "Ich hatte mir nichts dabei gedacht, aber das hat mir mächtig Ärger eingebracht", erinnerte er sich. "Dafür hat mir Campari nachher sechs Flaschen geschickt."

Beim UEFA-Cup-Gewinn 1980 reckt Grabowski den schweren Cup in Zivilkleidung in die Höhe. Bernd Hölzenbein hatte ihn seinem Mit-Weltmeister und Freund als erstem überreicht. Ein Foul von Lothar Matthäus und eine schwere Fußverletzung hatten kurz zuvor Grabowskis famose Karriere beendet. Zu seinem Abschiedsspiel zwischen der Eintracht und der WM-Mannschaft von 1974 im damaligen Waldstadion kamen über 40 000 Fans. Das schöne Plakat ist das Prunkstück einer Extra-Vitrine. "Davon habe ich noch 40 Poster zuhause", sagte der Ehrenspielführer der Frankfurter damals: "Ist immer noch ein schönes Geschenk."

Nach seiner Karriere betrieb Grabowski zusammen mit seiner Frau Helga, mit der er in Taunusstein lebte, eine Versicherungsagentur. Er war mal kurz Interimstrainer der Eintracht, saß im Verwaltungsrat. Eine Funktionärs- oder Managerkarriere hatte er aber "nie im Sinn." Im Eintracht-Museum saß er damals nicht lange unbemerkt beim Interview an einem Tisch. Eine Klasse vom Gymnasium Riedberg stellte sich brav an, jeder Schüler wollte sich einzeln mit Grabowski fotografieren lassen. Ein Fünfklässler reichte ihm die Hand: "Es war mir eine große Ehre, Sie kennengelernt zu haben." Grabowski blickte ihm in die Augen - und lächelte. Bis zuletzt bekam Grabowski jeden Tag per Post Autogrammwünsche.

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