26. Februar 2020 / 11:38 Uhr

Hertha-Präsident Gegenbauer reagiert auf Bericht über Klinsmann-Protokoll: "Schäbige Anschuldigungen"

Hertha-Präsident Gegenbauer reagiert auf Bericht über Klinsmann-Protokoll: "Schäbige Anschuldigungen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hertha-Präsident Werner Gegenbauer hat sich über Jürgen Klinsmann geäußert.
Hertha-Präsident Werner Gegenbauer hat sich über Jürgen Klinsmann geäußert. © dpa
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Der Bericht über ein Protokoll, das für Ex-Hertha-BSC-Trainer Jürgen Klinsmann angefertigt worden sein soll, sorgt für großen Wirbel. Die darin erhobenen Vorwürfe gegen den Klub aus Berlin gleichen einem schweren Beben. Nun wendet sich Hertha-Präsident Werner Gegenbauer an die Mitglieder.

Jetzt reagiert Hertha BSC auf den Wirbel um ein in der Sport Bild geleaktes Dokument, das für Jürgen Klinsmann angefertigt worden sein soll - und zahlreiche Vorwürfe gegen den ehemaligen Klub des Ex-Bundestrainers enthält. Praktisch Tag für Tag wird darin geschildert, welche angeblichen Fehlleistungen sich die Hertha-Verantwortlichen in der kurzen Klinsmann-Ära (knapp elf Wochen) leisteten. Es wird von einer "Lügenkultur" geschrieben, einer Mannschaft, die bei der Übernahme durch Klinsmann in einem "katastrophalen Zustand" gewesen sei, von Klinsmanns Versuch, Ralf Rangnick für den Verein zu gewinnen, und erste Gedanken des Schwaben, schon Ende Dezember das Engagement wieder zu beenden.

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Hertha BSC wollte sich über Inhalte des Dokuments zunächst nicht äußern - nun hat sich jedoch Präsident Werner Gegenbauer per Brief an die Mitglieder gewandt: "Für uns sind weder der Inhalt des Schreibens noch die Art und Weise des Vorgehens seitens Jürgen Klinsmann und seiner Berater André Gross und Roland Eitel nachvollziehbar", heißt es in dem Statement des Präsidenten über das Dokument, welches laut Gegenbauer "überraschenderweise den Weg zur Sport Bild gefunden hat". Hertha habe beschlossen, "nicht auf die einzelnen Vorwürfe zu reagieren, da sie entweder falsch oder einfach nur unsinnig sind." Der Präsident weiter: "Eines müssen wir aber deutlich anmerken: die schäbigen Anschuldigungen gegen die Mitarbeiter der Abteilungen Medizin und Medien weisen wir entschieden zurück."

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Klinsmann kassierte in der Liga mit der Mannschaft drei Niederlagen, schaffte drei Unentschieden und feierte drei Siege. Im DFB-Pokal schied er im Achtelfinale mit den Berlinern gegen den FC Schalke 04 aus. Am 11. Februar erklärte Klinsmann sein Engagement bei Hertha BSC via Facebook völlig überraschend für beendet und stürzte den Verein nach ohnehin schon turbulenten Wochen und Monaten ins Chaos. Hertha reagierte und sah auch keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit mit Klinsmann im Aufsichtsrat. Dort hatte Investor Lars Windhorst Klinsmann zunächst installiert, ehe die Trennung von Covic den Weg auf die Trainerbank frei gemacht hatte.

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"Schon der Rücktritt von Jürgen Klinsmann via Facebook Post und auch der Versuch der Einordnung seiner Entscheidung einen Tag später via aufgezeichnetem Facebook „Live“ Video stehen aus unserer Sicht für sich und bedürfen keines weiteren Kommentars", schreibt Gegenbauer nun. "Nun dürfen wir Zeuge sein, wie unser ehemaliger Trainer mit diesem Schreiben, welches an die Tennor Holding und damit an Lars Windhorst gerichtet war, abermals versucht, mit absurden Behauptungen seinen Rücktritt zu rechtfertigen."

Seinen Brief schließt Hertha-Präsident Gegenbauer wie folgt ab: "Wir bedauern, dass wir uns anscheinend derart in ihm getäuscht haben, denn wir hätten mit Jürgen Klinsmann gerne gemeinsam eine positive Geschichte für Hertha BSC geschrieben."


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Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! ©

Der Brief von Werner Gegenbauer an die Mitglieder von Hertha BSC im Wortlaut:

Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder von Hertha BSC,

ich möchte hiermit gerne die Gelegenheit nutzen, Ihnen die Berichterstattung in der heutigen Ausgabe der Sportbild einzuordnen.

Am Montag wurden wir am späten Nachmittag von der Sportbild über die Existenz des heute veröffentlichten Dokumentes, welches überraschender Weise den Weg zur Sportbild gefunden hat, informiert. Verbunden mit der Gelegenheit, innerhalb von ca. zwei Stunden eine Antwort darauf liefern zu können.

Nach interner Abstimmung haben wir auf diese Aufforderung wie folgt geantwortet:

„Vielen Dank für die Übersendung der Fragen. Abgesehen davon, dass nahezu sämtliche darin enthaltenen Vorwürfe und Behauptungen nicht der Wahrheit entsprechen, ist uns auch im Interesse von Jürgen Klinsmann daran gelegen, diese Personalie zu einem würdigen Ende zu bringen. Deshalb werden wir uns als Verein auch nicht an einer derartigen öffentlichen Kontroverse beteiligen.“

Für uns sind weder der Inhalt des Schreibens noch die Art und Weise des Vorgehens seitens Jürgen Klinsmann und seiner Berater André Gross und Roland Eitel nachvollziehbar.

Schon der Rücktritt von Jürgen Klinsmann via Facebook Post und auch der Versuch der Einordnung seiner Entscheidung einen Tag später via aufgezeichnetem Facebook „Live“ Video stehen aus unserer Sicht für sich und bedürfen keines weiteren Kommentars.

Nun dürfen wir Zeuge sein, wie unser ehemaliger Trainer mit diesem Schreiben, welches an die Tennor Holding und damit an Lars Windhorst gerichtet war, abermals versucht, mit absurden Behauptungen seinen Rücktritt zu rechtfertigen.

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Wir haben uns dazu entschlossen, nicht auf die einzelnen Vorwürfe zu reagieren, da sie entweder falsch oder einfach nur unsinnig sind.

Eines müssen wir aber deutlich anmerken: die schäbigen Anschuldigungen gegen die Mitarbeiter der Abteilungen Medizin und Medien weisen wir entschieden zurück.

Wir bedauern, dass wir uns anscheinend derart in ihm getäuscht haben, denn wir hätten mit Jürgen Klinsmann gerne gemeinsam eine positive Geschichte für Hertha BSC geschrieben.

Ihr Präsident

Werner Gegenbauer