11. Februar 2020 / 10:31 Uhr

Jürgen Klinsmann tritt als Trainer bei Hertha BSC zurück

Jürgen Klinsmann tritt als Trainer bei Hertha BSC zurück

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jürgen Klinsmann ist als Trainer von Hertha BSC zurückgetreten
Jürgen Klinsmann ist als Trainer von Hertha BSC zurückgetreten © 2019 Getty Images
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Trainer-Hammer in der Bundesliga: Jürgen Klinsmann hat sein Amt bei Hertha BSC zur Verfügung gestellt und will sich künftig wieder allein auf seine Aufgabe im Aufsichtsrat der Berliner konzentrieren.

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Jürgen Klinsmann ist nicht mehr Cheftrainer von Hertha BSC. Wie der Coach am Dienstagvormittag via Facebook mitteilte, wolle er sich künftig wieder allein seiner Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied widmen. Der frühere Bundestrainer hatte das Amt erst am 27. November 2019 übernommen und sollte eigentlich mindestens bis zum Saisonende Coach der Berliner bleiben. Nun kam es aber offenbar zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Klubs - dies lässt zumindest der Facebook-Eintrag des 55-Jährigen vermuten.

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"Als Cheftrainer benötige ich allerdings für diese Aufgabe, die noch nicht erledigt ist, auch das Vertrauen der handelnden Personen. Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente. Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden", heißt es dort. Und weiter: "Deshalb bin ich nach langer Überlegung zum Schluss gekommen, mein Amt als Cheftrainer der Hertha zur Verfügung zu stellen und mich wieder auf meine ursprüngliche langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückzuziehen."

Klinsmann-Bilanz: Drei Siege in zehn Pflichtspielen

Auch unter Klinsmann, der die Nachfolge des entlassenen Ante Covic angetreten hatte, steckt die Hertha weiter im Abstiegskampf. Als Tabellen-14. hat der Hauptstadtklub lediglich sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationplatz. Von seinen neun Bundesliga-Partien in verantwortlicher Position gewann Klinsmann mit seinem Team drei. Zudem war man zuletzt im Achtelfinale des DFB-Pokals bei Schalke 04 gescheitert. In seinem letzten Spiel als Trainer unterlagen Klinsmann und die Herthaner am vergangenen Wochenende Mainz 05 mit 1:3.

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Klinsmann, der in seiner kurzen Amtszeit die mittelfristige Qualifikation für Europa als Ziel ausgegeben hatte, spürte offenbar nicht ausreichend Vertrauen, um seine Aufgabe weiter auszuführen. Zwar richtete der frühere Nationalspieler in seinem Posten "ein herzliches Dankeschön an alle Spieler, Fans, Zuschauer, Betreuer und Mitarbeiter von Hertha BSC für die Unterstützung, die vielen Begegnungen und den Austausch", ließ jedoch auch seiner Ansicht nach fehlende Rückendeckung durchblicken.

Klinsmann weiter im Aufsichtsrat

Dennoch wird er dem Verein in seiner Funktion im Kontrollgremium verbunden bleiben. "Die Anhänger, die Spieler und die Mitarbeiter sind mir in dieser Zeit natürlich ans Herz gewachsen und deshalb werde ich weiter mit der Hertha fiebern. Ich freue mich weiterhin auf viele Begegnungen in der Stadt oder im Stadion", schrieb Klinsmann. Welche Verwerfungen genau zu seiner Demission geführt hatten, blieb offen.

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In der Winter-Pause war die Hertha - ganz nach dem Wunsch von Klinsmann und dank der Gelder von Investor Lars Windhorst - kräftig auf dem Transfermarkt aktiv geworden. So kamen Krzysztof Piatek (AC Mailand), Matheus Cunha (RB Leipzig), Santiago Ascacibar (VfB Stuttgart) für insgesamt 54 Millionen Euro. Zudem wurde Lucas Tousart für 22 Millionen Euro verpflichtet, umgehend aber wieder in dessen derzeitigen Verein Olympique Lyon verliehen. Der Franzose soll erst im Sommer endgültig zur Hertha stoßen.

Preetz äußerte sich zu langfristigem Klinsmann-Engagement

Klinsmann hatte sich von der Transfer-Offensive äußerst angetan gezeigt und schien zunehmend in seinem Trainer-Job angekommen zu sein. Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz hatte sich Mitte Januar in einem SPORTBUZZER-Interview gar zu einem möglicherweise langfristigen Trainer-Engagement von Klinsmann geäußert: "Die entscheidende Frage wird sein: Leckt er wieder Blut, kann er sich vorstellen, das länger zu machen? Das kann ich im Moment noch nicht abschätzen. Ich weiß nur, dass er uns in den ersten Wochen gutgetan hat und bei den Spielern schon viel bewegt hat."

Vom Hoffnungsträger zum Unruhestifter: Die Chaos-Chronologie von Klinsmann bei Hertha BSC

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Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! ©

Derartige Gedankenspiele sind nun hinfällig - obwohl sich Klinsmann selbst mit der Mannschaft auf einem guten Weg sah. "Ende November haben wir mit einem hochkompetenten Team dem Wunsch der Vereinsführung entsprochen und ihr in einer schwierigen Zeit geholfen. Wir waren in der relativ kurzen Zeit auf einem sehr guten Weg, haben auch dank der Unterstützung vieler Menschen trotz meist schwieriger Spiele inzwischen sechs Punkte Abstand zum Relegationsplatz. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Hertha das Ziel – den Klassenverbleib - schaffen wird", schrieb er bei Facebook.