04. Juni 2019 / 06:05 Uhr

Champions-League-Sieger Jürgen Klopp: Mensch, Trainer, Popstar - Weinen um Winnetou (Teil 1)

Champions-League-Sieger Jürgen Klopp: Mensch, Trainer, Popstar - Weinen um Winnetou (Teil 1)

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
„Ich bin mit meinem besten Freund verheiratet – sie sieht nur dramatisch besser aus“: Ulla und Jürgen Klopp sind gemeinsam glücklich. Nach dem Champions-League-Finale am Samstag in Madrid demonstrieren sie sich per Handzeichen ihre Liebe. In einer dreiteiligen Serie blickt der SPORTBUZZER auf Klopp - den Menschen, den Trainer, den Popstar.
„Ich bin mit meinem besten Freund verheiratet – sie sieht nur dramatisch besser aus“: Ulla und Jürgen Klopp sind gemeinsam glücklich. Nach dem Champions-League-Finale am Samstag in Madrid demonstrieren sie sich per Handzeichen ihre Liebe. In einer dreiteiligen Serie blickt der SPORTBUZZER auf Klopp - den Menschen, den Trainer, den Popstar.
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Teil eins der Serie über den Erfolgstrainer: Aus dem Schwarzwald in die weite Welt – wie Jürgen Klopp tickt und wie er zu dem wurde, der er heute ist.

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Wer verstehen will, warum Jürgen Klopp so ist, wie er ist, muss zurückblicken: nach Glatten im Schwarzwald, einem 1500-Einwohner-Dorf. Der kleine Jürgen verdient sein Taschengeld in der Brauerei der Oma. Auch Mutter Elisabeth, die ihren Sohn am leichtesten mit Käsespätzle glücklich machen kann, hilft aus. Und dann sein Vater Norbert, ein Handelsvertreter. Er verlangt viel von seinem Sohn. „Mein Vater hat sich ganz, ganz schwer damit getan, mich zu loben“, erzählt Klopp später. „Er war immer stolz auf mich. Doch das zu zeigen ist ihm nicht so leicht gefallen.“

Der kleine Jürgen, der am vergangenen Samstag seine bisherige Karriere als Fußballtrainer mit dem Sieg in der Champions League krönt, ist ab dem achten Schuljahr Klassensprecher und Kapitän in seinem Fußball-Dorfverein. Norbert schneidet dem Sohn die Haare – sie dürfen nicht zu lang sein. Mit 14 Jahren steht für Klopp fest, dass er Glatten – anders als seine fünf und sieben Jahre älteren Schwestern – nach dem Abitur verlassen wird. Er zieht diesen Plan durch, lässt die Haare wuchern, wird erwachsen.

Drama pur: Die magischen Momente des Jürgen Klopp

Jürgen Klopp hat in seiner Karriere bereits einige emotionale Szenarien erlebt. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die magischen Momente des Jürgen Klopp.  Zur Galerie
Jürgen Klopp hat in seiner Karriere bereits einige emotionale Szenarien erlebt. Der SPORTBUZZER zeigt die magischen Momente des Jürgen Klopp.  ©
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Jürgen und Ulla Klopp: "Mit bestem Freund verheiratet"

Klopp, heute 51, ist gläubiger Protestant, abends betet er. Seine erste Ehe geht in die Brüche, Klopp heiratet 2005 erneut, Ulla, eine Kinderbuchautorin. Nur drei Tage kennen sie sich, ziehen zusammen, sind bis heute glücklich. „Ich bin mit meinem besten Freund verheiratet – sie sieht nur dramatisch besser aus“, sagt Klopp mit seinem breitesten Lachen. „Ulla ist Sozialpädagogin, sie hat Verständnis für jede menschliche Schwäche. Das kann ich nicht von mir behaupten.“ Selbstironie – ein Werkzeug, das der Mensch Klopp perfekt beherrscht.

Es sind die Rückschläge, die ihn reifen lassen. Als Trainer, noch mehr als Menschen. Zweimal verpasst er mit Mainz 05 den Aufstieg in die Bundesliga, zweimal am letzten Spieltag. Im dritten Anlauf klappt es. „Alles, was ich kann, alles, was ich bin, habt ihr mich werden lassen“, sagt er zu 30 000 Menschen auf dem Marktplatz, als er 2008 Mainz verlässt und nach Dortmund geht. Klopp weint, was ihm auch jedes Mal passiert, wenn Winnetou im dritten Teil der Filmreihe stirbt. Oder nach seinem größten Erfolg, dem Champions-League-Sieg am Samstag mit Liverpool.

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Klopp erfindet sich immer wieder neu

„Als ich in Dortmund ankam, wollte mir keiner eine Wohnung vermieten, weil alle dachten, dass ich nach einem halben Jahr wieder weg bin. Die beißen sich heute alle schön in den Arsch“, sagt Klopp. Beim BVB lieben sie ihn dann vom ersten Tag an, genauso an der Anfield Road in Liverpool. Er beherrscht die Sprache, die die Leute sprechen – und hören wollen. Er beherrscht Understatement, obwohl sowohl der BVB als auch der LFC längst zu den Großen gehören und er es war, der diese Klubs erst wieder richtig groß gemacht hat.

Klopp erfindet sich immer wieder neu. Sein Leitsatz: „Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss? Das interpretieren wir anders! Ein gutes Pferd springt verdammt noch mal so hoch, wie es kann! Das ist es. Wir wollen immer alles raushauen.“ Er hat es vorgelebt bekommen zu Hause.

In der Schule bleibt er sitzen, doch er kämpft. „Einige lernen nur drei Stunden und schreiben in Mathe eine Eins. Und ich eine Vier. Was heißt das jetzt? Dass ich vielleicht ein bisschen blöder bin in Mathe, das war mir von vornherein klar. Dafür habe ich Gas gegeben, um diese Note zu bekommen“, sagt er. Als Trainer hat er sich inzwischen die Bestnote verdient, aktuell gibt es wohl keinen besseren auf der Welt.

Bus-Parade: Liverpool feiert Jürgen Klopp und seine Champions-League-Helden

Der FC Liverpool feierte seinen Champions-League-Titel am Sonntag nach dem Triumph von Madrid mit einer Bus-Parade durch Liverpool. Trainer Jürgen Klopp war bestens gelaunt. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Bilder. Zur Galerie
Der FC Liverpool feierte seinen Champions-League-Titel am Sonntag nach dem Triumph von Madrid mit einer Bus-Parade durch Liverpool. Trainer Jürgen Klopp war bestens gelaunt. Der SPORTBUZZER zeigt die Bilder. ©

Diese Erfahrung hat ihn demütig gemacht

Klopp ist witzig, spontan, authentisch. Er kann auch ungemütlich sein, herrisch, verletzend, sogar beleidigend. Nachtragend ist er allerdings nie. Die gröbsten Aussetzer hat er, wenn er ein Spiel verloren hat. Klopp kann nicht verlieren. Der erste Verweis auf die Tribüne? „Ich bin zum Assistenten und habe gesagt: Ich wollte nur fragen, wie viele Fehler erlaubt sind. Weil: Wenn es 15 sind, hast du noch einen frei.“ Er lacht, wenn er diese Geschichte erzählt, sogar ein bisschen stolz.

Klopp behauptet von sich, nicht eitel zu sein. Beim Champions-League-Finale tritt er im Trainingsanzug auf. Doch er lässt sich die Zähne machen, eine Haartransplantation sorgt für Schlagzeilen. Vor allem schafft er es mit seinen Sprüchen und Erfolgen dorthin.

„Sein Vater wäre hellauf begeistert und stolz auf ihn“, erzählt Mutter Elisabeth vor einigen Jahren. Den Zweitligakicker Klopp hat Norbert noch erlebt, den Trainer Klopp nicht mehr. 2000, ein Jahr bevor sein Jürgen vom Profi zum Coach befördert wird, stirbt er. Krebs, diese Teufelskrankheit.

Diese Erfahrung hat den Menschen Klopp auch demütig gemacht.


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