06. August 2020 / 05:30 Uhr

Michael Ballack über das Karriereende von Schürrle, Klopp als Bundestrainer und seinen Zukunftsplan

Michael Ballack über das Karriereende von Schürrle, Klopp als Bundestrainer und seinen Zukunftsplan

Heiko Ostendorp und Thomas Gassmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im zweiten Teil des SPORTBUZZER-Interviews spricht Michael Ballack unter anderem über André Schürrle und Jürgen Klopp. 
Im zweiten Teil des SPORTBUZZER-Interviews spricht Michael Ballack unter anderem über André Schürrle und Jürgen Klopp.  © imago images/Montage
Anzeige

Im zweiten Teil des SPORTBUZZER-Interviews mit Michael Ballack spricht der ehemalige DFB-Kapitän über das frühe Karriereende von André Schürrle, ein etwaiges Engagement von Jürgen Klopp als Bundestrainer und seine eigenen Pläne für eine Rückkehr in den Fußball.

Anzeige

SPORTBUZZER: Herr Ballack, André Schürrle, der wie Sie für Chelsea spielte, hat mit 29 Jahren seine Karriere beendet. Kritiker behaupten, er habe den Fußball nie geliebt. Sehen Sie das auch so?

Michael Ballack (43): Nein. Wenn der Frust bei ihm überwogen hat, war das der richtige Schritt. André wird sich diese Entscheidung lange überlegt haben, sie ist ihm sicher nicht leichtgefallen, weil klar war, dass er auch Kritik einstecken muss. Ich finde seine Entscheidung mutig. Wenn jemand mit seinem Job als Fußballprofi nicht mehr glücklich, dem Druck nicht mehr gewachsen ist, er auch seine eigenen Erwartungen nicht mehr erfüllen kann, sollte er die Konsequenzen ziehen. In normalen Jobs kommt das auch vor, warum sollte es im Fußball anders sein?

Weil Fußballer Millionen verdienen …

Fußballer werden häufig dafür kritisiert, dass sie zu viel Geld verdienen und ein Luxusleben führen. Das verstehe ich nicht. Man kann sich nicht immer alles so zurechtlegen, wie man es möchte. Auch wenn viele Menschen den Schritt nicht nachvollziehen können – ich respektiere diese Entscheidung total und wünsche André, dass er sein Glück außerhalb des Fußballs findet.

Der erste Teil des Interviews mit Michael Ballack

Ist der Rücktritt von Schürrle mit dem von Benedikt Höwedes zu vergleichen?

Es ist Privileg, eine Karriere als Fußballer machen zu dürfen, in der Nationalmannschaft zu spielen. Ein Traumjob, der allerdings auch seine Schattenseiten hat. Man muss auf viele Dinge verzichten. Jeder muss für sich und seine Familie entscheiden, ob er dazu bereit ist. Deshalb sollte man auch die Gründe von Höwedes respektieren.

Ein anderer Deutscher hat den englischen Fußball im Sturm erobert. Wie erleben Sie die Erfolgsstory von Jürgen Klopp beim FC Liverpool?

Es ist beeindruckend, wie Jürgen Liverpool erst in der Spitze etabliert, dann zum Champions-League-Triumph und nun zum Meistertitel geführt hat. Er hat den Reds neuen Geist eingehaucht, verkörpert den Klub, ist ein brutaler Arbeiter, der alles aus seinen Spielern herausholt. Er ist ein absoluter Ausnahmetrainer. Für mich gehört er zu den drei besten Trainern der Welt.

Sollte er Joachim Löw eines Tages als Bundestrainer beerben?

Warum sollte einer der besten Trainer der Welt nicht ein Kandidat für den Bundestrainerposten sein? Die Frage ist ja nicht, ob er die Qualitäten dafür hat. Sondern, ob Klopp überhaupt Lust hat, Bundestrainer zu werden. Er ist in einer Position, in der er sich alles aussuchen kann. Sollte er einmal genug haben als Klubtrainer, wäre der Posten als Bundestrainer für ihn und den deutschen Fußball eine tolle Geschichte. Diese Verbindung würde sich geradezu anbieten.

Drama pur: Die magischen Momente des Jürgen Klopp

Jürgen Klopp hat in seiner Karriere bereits einige emotionale Szenarien erlebt. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die magischen Momente des Jürgen Klopp.  Zur Galerie
Jürgen Klopp hat in seiner Karriere bereits einige emotionale Szenarien erlebt. Der SPORTBUZZER zeigt die magischen Momente des Jürgen Klopp.  ©

Die Premier League ist deutlich spannender als die Bundesliga. Würde der Einstieg von Investoren helfen, also sollte die 50+1-Regel fallen?

Ein sensibles Thema. Der Fußball in Deutschland versucht, die moralischen Werte und die Tradition zu bewahren. Aber wenn man ehrlich ist, reden wir bei Bayern, dem BVB, Leipzig oder Leverkusen von Unternehmen, die Hunderte Millionen Euro im Jahr Umsatz machen, die Stadionnamen verkauft haben und bei denen Spezialisten jeden Bereich durchvermarkten. Das hat natürlich nichts mit der Fußballromantik zu tun, die sich viele Fans vorstellen. Wenn man sportlichen Wettbewerb und Spannung haben will, muss man ernsthaft darüber nachdenken, ob 50+1 noch Sinn macht.

Außerdem wird über eine Gehaltsobergrenze nachgedacht – sinnvoll?

Man muss ehrlich damit umgehen und sich die moralische Frage stellen: Halten sich alle Klubs daran? Ich habe da meine Zweifel.

Wie sehen Ihre persönlichen Pläne für eine Rückkehr in den Fußball aus?

Ich habe letztes Jahr den B-Schein gemacht, wegen der Corona-Krise wurde der Lehrgang für den A-Trainerschein verschoben.

Mehr vom SPORTBUZZER

Das heißt, wir werden Michael Ballack bald als Trainer auf der großen Fußballbühne begrüßen dürfen?

(lacht) Das wird man sehen. Klar ist: Ich liebe den Fußball und kann mir eine Rückkehr selbstverständlich gut vorstellen.

Wie ist Ihr Kontakt zum DFB?

Ruhig.

Letzte Frage: Wird die deutsche Nationalmannschaft 2021 Europameister?

Schwierig zu beurteilen, da Corona auch den Fußball durcheinandergewirbelt hat. Das deutsche Team ist jung, hat aber weiterhin Weltklassespieler. Ich denke natürlich in erster Linie an Manuel Neuer. Wenn Leroy Sané wieder zurückkommt, haben wir ein Toptalent, das den Unterschied ausmachen kann. Kai Havertz ist ebenfalls ein Kandidat, dem ich viel zutraue. Ich denke, Deutschland braucht sich hinter keiner Nation zu verstecken und wird ein gewichtiges Wort im Kampf um den EM-Titel mitsprechen.