29. Dezember 2020 / 14:55 Uhr

Jürgen Simon startete vor 63 Jahren mit dem Fußball und sagt: „Heute wird mehr gelacht“

Jürgen Simon startete vor 63 Jahren mit dem Fußball und sagt: „Heute wird mehr gelacht“

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
21. Mai 1978: Jürgen Simon trifft hier zum 3:1 für den VfB Peine in der Oberliga-Aufstiegrunde beim SV Lurup.
21. Mai 1978: Jürgen Simon trifft hier zum 3:1 für den VfB Peine in der Oberliga-Aufstiegrunde beim SV Lurup. © Archiv
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Es fehlte nicht viel, und Jürgen Simon wäre Zweitligaspieler geworden. Er spielte lange als schneller und pass-sicherer Abwehrspieler in der Verbands- und Oberliga. Der Trainer des Bültener SC war Scout bei Eintracht Braunschweig und erlebte dort unter anderem die Coaches Michael Lorkowski, Uwe Reinders und Michael Krüger. 

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Einmal hat Jürgen Simon die Traute gefehlt. Tochter Martina war noch nicht geboren, es wäre ein Wagnis gewesen. Und so sagte er dem Fußball-Zweitligisten Hessen Kassel ab, der Kontakt zu dem Defensivspieler geknüpft hatte.

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Das Kicken hatte Jürgen Simon bei Pfeil Broistedt gelernt. Als er sechs Jahre alt war, hatten ihn seine Eltern angemeldet. „Bis zum 20. Lebensjahr bin ich in Broistedt geblieben“, sagt der heute 69-Jährige. 1971 hatte er die Traute, zu Union Salzgitter in die Verbandsliga zu wechseln. Die richtige Entscheidung, denn: „Im Jahr darauf sind wir als Dritter in die Oberliga aufgestiegen.“ Das war die dritthöchste Klasse.

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Zur Saison 1976/77 wechselte er zum VfB Peine. „Dreimal hintereinander standen wir in der Aufstiegsrunde zur Oberliga. Geschafft haben wir es aber nicht.“ Prägende Erlebnisse waren es dennoch für ihn. Am 22. Mai 1978 zum Beispiel schrieb die PAZ nach dem 4:1-Sieg des Niedersachsenmeisters VfB in der Aufstiegsrunde beim Hamburger Vizemeister SV Lurup: „Jürgen Simon, Verteidiger auf der linken Seite, war gestern bester VfBer. Sein Gegner Großmann mußte schließlich ausgewechselt werden, Simon war ihm klar überlegen und bestach durch bestes Stellungsspiel. Toll das Tor zum 3:1.“

Simon war technisch und läuferisch gut, schnell und pass-sicher. Einen Spieler, wie er war, könnte der Trainer des Bültener SC heute gut gebrauchen: „Ich würde mich in der Form von damals aufstellen – eventuell auf der Sechs oder außen in der Abwehr.“

Schon recht früh beschäftigte sich der Broistedter damit, nach seiner aktiven Zeit dem Fußball als Trainer verbunden zu bleiben. „In der Saison 1978/79 habe ich die B-Lizenz erworben.“ Das kam ihm gleich zugute, denn beim VfB Peine gab es Trainer-Knatsch, und Simon sprang ein, bis in der Rückserie Horst Seliger übernahm.

1981 wechselte Simon als Spielertrainer zu den Sportfreunden Salzgitter in die Bezirksoberliga und ging 1983 – ein Achillessehnenriss hatte seine Spielerkarriere beendet – für drei Jahre zur Peiner SG. „Wir spielten erst an der Ziegelei und zogen dann zum Golzplatz um“, erinnert sich Simon. Von dort ging er als Trainer zu Arminia Vöhrum in die Bezirksoberliga, dann zu Viktoria Ölsburg. „Das war damals die ’Wundertruppe’ mit Bernd Jahs, Jochen Brandes, Frank Kolbe, Christoph Hasselbach oder auch Oliver Kroll.“

Dann nahm der Broistedter das Angebot des SC Harsum (4. Liga) an. „Ich habe halb Peine mitgenommen“, sagt Simon flachsend. „Wir haben dort mit Leuten aus dem Bezirk die Klasse gehalten.“ Weitere Trainerstationen waren 1994 Friesen Hänigsen (Verbandsliga – unter anderem mit Hadi Bacaksiz und Marco Kegelmann) und 1995 TuSpo Petershütte (Verbandsliga).

Mit dem Ende des Jahrtausends kam Jürgen Simon dann doch wieder mit dem Profifußball in Berührung. Er wurde B-Jugendtrainer bei Eintracht Braunschweig und übernahm das Scouting für die Herren-Trainer. Bis 2006 erlebte er unter anderem die Trainer Michael Lorkowski, Uwe Reinders oder auch Michael Krüger. „Torsten Lieberknecht war damals A-Jugendtrainer.“ Als Scout kam Simon viel herum und beobachtete Spieler wie Kingsley Onuegbu, der 2008 zur Eintracht wechselte.

2007 gelang dem Broistedter mit Goslar 08 der Aufstieg in die Landesliga, 2010 wechselte er zum MTV Wolfenbüttel, 2012 zum SV Bosporus Peine (Bezirksliga), 2016 zum SV Innerstetal (Bezirksliga) und von dort zu Germania Barbecke und schließlich zum BSC. „Eigentlich wollte ich ja aufhören. Aber die Bültener haben sich sehr um mich bemüht, und ich muss sagen: Es macht Spaß dort.“

Regelmäßig hat Simon Trainerfortbildungen besucht und stellt fest: „Es gibt heute andere Übungen als früher. Viele Spielformen werden trainiert, und die Jungs erwarten, dass taktisch viel geübt wird.“ Er selbst legt Wert darauf, dass der Ball immer dabei ist. „Die Spieler sollen möglichst gar nicht merken, wieviel sie gelaufen sind.“

Als Trainer achtet er aber darauf, dass seine Spieler bei den Übungen konzentriert sind. Die körperliche Verfassung sei wichtig, um möglichst wenig Verletzungen im Team zu haben. Und noch einen Unterschied zu früher hat Simon ausgemacht: „Es wird heute mehr gelacht.“

Von Matthias Press