07. Juli 2019 / 18:26 Uhr

Mega-Kader und Härtefälle: Die Analyse des Union-Teams

Mega-Kader und Härtefälle: Die Analyse des Union-Teams

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
48 Unioner auf einem Bild: Von den 35 Spielern im Kader der Berliner fehlte auf dem Teamfoto nur Suleiman Abdullahi, der wegen Passproblemen in seiner Heimat Nigeria festhängt.
48 Unioner auf einem Bild: Von den 35 Spielern im Kader der Berliner fehlte auf dem Teamfoto nur Suleiman Abdullahi, der wegen Passproblemen in seiner Heimat Nigeria festhängt. © Andreas Gora/dpa
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Bundesliga: Nachdem Union Berlin bereits zwölf Neuzugänge präsentiert hat, stehen aktuell 35 Spieler im Kader des Bundesliga-Aufsteigers – der SPORTBUZZER analysiert die Mannschaft der Eisernen.

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Auf dem Mannschaftsfoto von Union Berlin wurde es am Sonnabend eng. 34 Spieler waren darauf zu sehen, dazu 14 Personen aus dem Betreuerstab – von Trainer Urs Fischer bis zum Masseur Thomas Riedel. Zudem fehlte Suleiman Abdullahi, der wegen Passproblemen noch in seiner Heimat Nigeria festhängt. Zum – zugegebenermaßen hinkenden – Vergleich: Bei Rekordmeister Bayern München waren auf dem Mannschaftsfoto der vergangenen Saison 23 Spieler!

Trainer Fischer lobt Geschäftsführer Ruhnert für Transfers

Diese Zahlen zeigen schon: Der Kader von Union Berlin ist prall gefüllt. Zwölf Neuzugänge hat Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball bei den Eisernen, in der Sommerpause bereits verpflichtet. Ende der Woche sorgte der Bundesliga-Aufsteiger für Schlagzeilen, als nacheinander Neven Subotic (zweimal Meister mit Borussia Dortmund) und Christian Gentner (je einmal Meister mit dem VfB Stuttgart und dem VfL Wolfsburg) als Neu-Berliner präsentiert wurden. „Kompliment an Oli, er hat einen tollen Job gemacht“, schwärmte Coach Urs Fischer über die Arbeit Ruhnerts.

Die Sommer-Neuzugänge des 1. FC Union Berlin 2019/20.

Das sind die Sommer-Neuzugänge des 1. FC Union Berlin in der Saison 2019/20  Zur Galerie
Das sind die Sommer-Neuzugänge des 1. FC Union Berlin in der Saison 2019/20  ©

Stürmer Sebastian Polter fühlte sich durch den großen Kader der Eisernen schon an seine Zeit beim VfL Wolfsburg erinnert. „Ich hatte es schon mal bei Felix Magath so ähnlich, wo es relativ viele Spieler waren“, sagte der 28-Jährige nach dem 2:1 im ersten Testspiel gegen Bröndby IF. „Am Ende wurden die Spieler rausgepickt, die die Qualität haben, Erste Bundesliga zu spielen. Vielleicht ist es auch so, dass wir am Ende der Vorbereitung einen Kader von 26, 27 Spielern haben.“ Das würde bedeuten, dass noch mindestens acht Spieler verkauft oder verliehen werden müssten. Der SPORTBUZZER analysiert den aktuellen Kader der Berliner.

Tor: Im Testspiel gegen Bröndby stand Neuzugang Moritz Nicolas in der ersten Hälfte im Tor, in der Pause kam Jakob Busk für den Leihspieler von Borussia Mönchengladbach. Stammtorhüter bleibt aber Rafal Gikiewicz, der in der Aufstiegssaison überragend gehalten hat.

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Abwehr: In der Innenverteidigung besteht ein absolutes Überangebot. Neben Subotic hat Union auch noch Marvin Friedrich vom FC Augsburg zurückgeholt, der in der Aufstiegssaison in allen 38 Pflichtspielen von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz stand. Außerdem neu: Keven Schlotterbeck, der vom SC Freiburg geliehen wurde. Dazu kommen Florian Hübner, Nicolai Rapp, Michael Parensen und Lennard Maloney. Gut möglich, dass zumindest die talentierten Rapp und Maloney den Verein noch per Leihe verlassen.

Subotic und Friedrich gesetzt?

Rekordtransfer Friedrich (geschätzt 2 Millionen Euro) dürfte gesetzt sein, ebenso wie Subotic – wenn er fit ist. Beim Testspiel gegen Bröndby wirkte er noch nicht mit. Hübner und Schlotterbeck wären somit Ersatz. Im Raum steht auch die Umstellung auf eine Dreierkette, dann braucht Trainer Urs Fischer genügend Innenverteidiger. Parensen ist durch seine Vielseitigkeit auch noch auf den Außen einsetzbar, wo sich Ken Reichel und Christopher Lenz (beide inks) sowie Christopher Trimmel und Julian Ryerson (beide rechts) Duelle um die Stammplätze liefern.

Mittelfeld: Auch hier wird es in der Zentrale eng, nachdem mit Robert Andrich, Julius Kade und Gentner drei weitere Spieler dazukommen. Der in der Aufstiegssaison starke Grischa Prömel dürfte einen Bonus genießen, Manuel Schmiedebach fehlte nur in zwei Zweitligaspielen in der Startelf. Durch seine Erfahrung ist Gentner ein Kandidat für die erste Elf, wodurch Andrich, Kade und Felix Kroos das Nachsehen hätten. Lars Dietz, Cihan Kahraman und Nachwuchsmann Maurice Opfermann wären Kandidaten für einen Abgang. Über einen Verkauf von Marcel Hartel wird seit längerem spekuliert.

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Union Berlin – und was aus ihnen wurde.

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Angriff: Auf den Außen ist das Gedränge so groß wie im Zentrum. Die Neuzugänge Marius Bülter, Sheraldo Becker und Florian Flecker sind neu und streiten sich mit Marcel Hartel, Joshua Mees, Akaki Gogia und Abdullahi um Einsatzminuten auf zwei Positionen. In der Sturmspitze wird der eh schon harte Konkurrenzkampf zwischen Sebastian Andersson und Polter durch Marcus Ingvartsen sowie Anthony Ujah noch einmal verschärft. Selbst wenn Fischer mit zwei Stoßstürmern spielen lässt, hätten zwei das Nachsehen. Laurenz Dehl (17) dürfte zunächst keine Chance haben und könnte verliehen werden.

Im Kader der Eisernen sind somit Härtefälle programmiert. „In der Ersten Liga gehört viel Qualität dazu, da muss man sehen, dass man sich durch den Konkurrenzkampf individuell steigern kann, dem muss sich jeder stellen“, sagte Polter. Am Montag reist Union ins elftägige Trainingslager nach Windischgarsten (Österreich), dann dürfte Kaderplaner Ruhnert sich daran machen, den Kader zu verkleinern.