11. Februar 2020 / 18:11 Uhr

Kaderplaner bei Hansa Rostock: Perlensuche für schlafenden Riesen

Kaderplaner bei Hansa Rostock: Perlensuche für schlafenden Riesen

Flemming Goldbecher
Ostsee-Zeitung
Kevin Meinhardt Kaderplaner FC Hansa Rostock
Kevin Meinhardt Kaderplaner FC Hansa Rostock © FC Hansa Rostock
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Hansa Rostocks neuer Kaderplaner Kevin Meinhardt ist seit knapp zwei Monaten im Amt. Er ist beeindruckt vom Umfeld und lobt die Zusammenarbeit mit Sportchef Pieckenhagen. Für die Zukunft baut vor allem auf den Nachwuchs und hofft auf die Geduld der Vereinsführung.

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Zu Beginn jeder neuen Woche tauscht sich Kevin Meinhardt, Kaderplaner beim FC Hansa Rostock, mit seinen Scouts aus, seinen „Perlentauchern“, wie er sie gern nennt. Bei den Gesprächen gehe es dann um die Fußballspiele, die sie am Wochenende besucht haben. Gibt es neue Talente? Wer ist besonders aufgefallen? Was gibt der Markt her?

Der Ergebnisse werden schließlich mit Cheftrainer Jens Härtel und Sportchef Martin Pieckenhagen besprochen und die Liste potenzieller Neuzugänge wird kleiner. „Letztlich entscheiden die beiden“, sagt Meinhardt. „Ich versuche, viele Puzzleteile zusammenzulegen, so dass am Ende ein Bild entsteht.“ Seit November arbeitet der 38-Jährige in der sportlichen Leitung des FC Hansa. Sein Arbeitsalltag besteht aus einer Fülle unterschiedlicher Aufgaben.

Diese Spieler holte der FC Hansa seit dem Winter 2010:

Die Winterzugänge des FC Hansa Rostock Zur Galerie
Die Winterzugänge des FC Hansa Rostock ©
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Dazu gehören insbesondere die Gespräche mit Spielern, die für Hansa interessant sein könnten. Es sei ein langer Prozess, bis ein Vertrag unterschrieben wird, erklärt Meinhardt: Berater kontaktieren, Spieler einladen und sie kennenlernen, Vertragsgestaltung.

„Manchmal tanzt man auf leeren Hochzeiten, man sollte daher immer mehrere Optionen haben.“ Besonders wichtig sei dabei auch das Zwischenmenschliche. „Wir wollen viele Informationen über die Spieler sammeln, um zu wissen, wen wir uns da holen. Man will ja keine Spieler verpflichten, die charakterlich nicht in die Gruppe und zum FC Hansa passen.“

Mit den beiden Wintertransfers Nico Granatowski und Daniel Hanslik ist Meinhardt hochzufrieden. „Die Jungs tun der Mannschaft richtig gut.“ Doch schon jetzt geht sein Blick voraus in Richtung Sommerpause. Potenzielle Kandidaten habe er bereits im Kopf. Priorität hätten jedoch zunächst Vertragsverlängerungen.

Hansa Rostock: So waren die Profis in der Hinrunde in Form (inkl. Leser-Durchschnittsnoten):

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Markus Kolke: ©

Auch bei diesen Verhandlungen hat Meinhardt immer ein Wörtchen mitzureden. Das erfordert viel Kommunikation mit Sportchef Pieckenhagen. Das Verhältnis zu seinem Vorgesetzten beschreibt er als „offen und vertrauensvoll“. „Natürlich hat jeder seine eigene Sicht auf den Fußball, aber ich bin der Meinung, es passt zwischen uns.“

Als vor wenigen Monaten der Anruf vom Hansa-Vorstand mit dem Wunsch nach einem Treffen kam, saß Meinhardt als Sportlicher Leiter beim Ligakonkurrenten Chemnitzer FC noch fest im Sattel. Über die neue Herausforderung musste er jedoch nicht allzu lange nachdenken. „Obwohl mir der Abschied von Chemnitz nicht leichtgefallen ist, war Hansa die richtige Entscheidung, um den nächsten Schritt zu gehen“, erzählt der gebürtige Berliner, dessen Eltern auf dem Darß in Nordvorpommern zu Hause sind.

Zwei Monate lang habe er sich in der Rolle des Beobachters befunden, Kontakte aufgebaut und den Verein sowie das Umfeld kennengelernt. Sein Fazit: „Die Strukturen sind fantastisch. Auch wenn ich den Druck mehr spüre als vorher. Alles muss schneller gehen“, so Meinhardt, der diese Herausforderung jedoch gerne anzunehmen scheint: „Ich bin infiziert mit Hansa und habe jeden Tag richtig Lust auf meine Arbeit und darauf, meine Vorstellungen und Ideen aktiv einzubringen.“

Der wöchentliche Stadionbesuch ist da unerlässlich. „Ich brauche ein Gefühl für die Jungs, denn wenn am Ende der Saison Entscheidungen getroffen werden müssen, kann ich ja nicht über etwas urteilen, was ich nicht gesehen habe“, sagt Meinhardt. Auch beim Training ist er Dauergast. Zudem beschäftige er sich intensiv mit den Profis von morgen. Die Spiele der Nachwuchsteams zu gucken, gehöre zu seinem Alltag. Dass der Verein die Zusammenarbeit zwischen sportlicher Leitung und Nachwuchsabteilung unter Akademie-Chef Stefan Beinlich fördern will, kommt Meinhardt sehr entgegen. „Ich bin sehr glücklich über die Strukturen, die wir da geschaffen haben und glaube, wir sind da auf einem richtig guten Weg.“

Gerade bei Neuverpflichtungen für die U 21 und die A- und die B-Jugend müsse die Kommunikation zwischen den Abteilungen stimmen, meint er. „Die Nachwuchsspieler, die wir holen, sollen ja irgendwann auch mal im Ostseestadion spielen. Wir wollen wieder mehr Toptalente für die erste Mannschaft haben.“ Es gehe um ein nachhaltiges Konzept, das man laut Meinhardt auf allen Ebenen des Vereins verfolgen müsse. „Das Wichtigste wird sein, den handelnden Personen Zeit zu geben, ihre Vorstellungen durchzusetzen, anstatt alles immer wieder umzuwerfen.“ Daran, dass dies in Rostock möglich ist, glaubt er fest. „Hansa ist ein schlafender Riese, und ich habe ein gutes Gefühl, dass wir den Verein in die richtige Bahn kriegen.“

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