23. Februar 2021 / 17:04 Uhr

Darum kommt Kai Havertz beim FC Chelsea nicht in Tritt - Klare Ansage von Trainer Thomas Tuchel

Darum kommt Kai Havertz beim FC Chelsea nicht in Tritt - Klare Ansage von Trainer Thomas Tuchel

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kai Havertz hat es beim FC Chelsea noch schwer – Trainer Thomas Tuchel hat nur bedingt Geduld.
Kai Havertz hat es beim FC Chelsea noch schwer – Trainer Thomas Tuchel hat nur bedingt Geduld. © Getty Images/IMAGO/PA Images (Montage)
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Millionen-Einkauf Kai Havertz hat beim FC Chelsea aus verschiedenen Gründen mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Trainer Thomas Tuchel hat zuletzt aber klar gestellt: Er ist nur bedingt bereit, Rücksicht auf Einzelschicksale zu nehmen.

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Die Umbesetzung auf dem Trainerstuhl beim FC Chelsea sollte auch ein Neustart für Kai Havertz sein. Für mehr als 80 Millionen Euro war der Offensivmann im Sommer von Bayer Leverkusen in den Südwesten Londons gewechselt und damit zum teuersten deutschen Fußballer überhaupt geworden. Un­ter Frank Lampard, dem Trainer zu jener Zeit, konnte er sich allerdings nicht durchsetzen. Havertz, 21, kam auf verschiedenen Positionen zum Einsatz: als Mittelstürmer, auf der rechten Seite und als Spielmacher – überzeugt hat er nirgends. Dass er zwischenzeitlich wegen einer Corona-Erkrankung ausfiel, dürfte Teil der Erklärung für die Startschwierigkeiten sein.

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Die Ankunft von Thomas Tuchel vor einem Monat als Nachfolger der überforderten Chelsea-Ikone Lampard wurde in der britischen Öffentlichkeit auch als nachträglicher Startschuss für die Karriere des ehemaligen Leverkuseners an der Stamford Bridge gedeutet. Und bei Tuchels Debüt, einem 0:0 gegen die Wolverhampton Wanderers, spielte Havertz tatsächlich die kompletten 90 Minuten, zum ersten Mal seit Mitte Oktober. Wer allerdings vermutet hatte, dass einfach nur ein Trainer aus Deutschland kommen müsse, damit der deutsche Nationalspieler sein Potenzial entfaltet, der wurde in den Wochen darauf enttäuscht. Die komplizierte Eingewöhnung des Kai Havertz bei Chelsea dauert an.

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Insgesamt steht er in der Premier League erst bei einem Treffer und drei Vorlagen, jeweils noch unter Lampard. Zuletzt verpasste die deutsche EM-Hoffnung drei Ligaspiele wegen einer Verletzung und stand am Wochenende beim 1:1 beim FC Southampton nicht im Kader, obwohl er schon wieder im Training war. Möglicherweise ist das Achtelfinalhinspiel der Champions League an diesem Dienstag in Bukarest gegen Atlético Madrid (21 Uhr) die nächste Bewährungschance für Havertz. Die Partie ist auch der erste echte Härtetest für Tuchel, der mit Chelsea nach sechs Partien in der Premier League gegen mäßige Gegner und beim Weiterkommen im FA-Cup gegen den Zweitligisten Barnsley noch ungeschlagen ist.

Ex-Leipziger Timo Werner macht Fortschritte bei Chelsea

Die Londoner haben im Sommer so viel Geld für neue Profis ausgegeben wie kein anderer Verein im Fußballkosmos, nämlich fast eine Viertelmilliarde Euro, unter anderem für zwei Attraktionen aus der Bundesliga. Und während der Ex-Leipziger Timo Werner zuletzt Schritte aus der Formkrise gemacht hat, bleibt die Lage für Havertz trist. Ein Pro­blem dabei ist seine Vielseitigkeit, so absurd das klingen mag. Havertz kann in der Offensive im Grunde alles spielen.


Das bedeutet, dass es für ihn keine definierte Route in Chelseas Stammelf gibt, anders als bei Werner, der sich offensichtlich als hängende Spitze am wohlsten fühlt. Ein weiteres Problem ist die Masse an internen Mitbewerbern. Wohl kein Klub im Weltfußball hat so viele hochwertige Offensivspieler unter Vertrag wie Chelsea. Havertz konkurriert mit Profis wie dem englischen Publikumsliebling Mason Mount, dem Ex-Dortmunder Christian Pulisic und dem französischen Weltmeister Olivier Giroud.

Tuchel über Havertz: "Potenzial fast endlos"

Trainer Tuchel hat sein Angriffspuzzle noch nicht gelöst, wie das dürftige 1:1 zuletzt in Southampton zeigte. Das bedeutet, dass Havertz weiter alle Chancen hat, sich in die Mannschaft zu spielen. Der Schlüssel dazu liegt bei ihm selbst. Das hat Tuchel kurz nach seiner Ankunft klargemacht: „Sein Potenzial ist fast endlos. Es zu erfüllen, ist die Herausforderung für ihn“, sagte der Coach – und appellierte an Havertz, sich durchzubeißen: „Für mich ist die Frage: Kann er in einer schweren Situation die Zähne zeigen?” Tuchel will seinem teuren Landsmann helfen, so gut es geht. Doch am Ende steht der Erfolg der Mannschaft über Einzelschicksalen, auch darauf hat der Trainer gerade noch einmal leicht genervt hingewiesen: „Es ist nicht mein Job, teure Jungs zusammenzubringen. Mein Job ist es, Spiele zu gewinnen.”