09. September 2018 / 11:25 Uhr

Kai Havertz, Nico Schulz und Thilo Kehrer: Drei Insider erklären die neuen DFB-Kicker

Kai Havertz, Nico Schulz und Thilo Kehrer: Drei Insider erklären die neuen DFB-Kicker

Robert Hiersemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Neu im DFB-Team: Kai Havertz, Nico Schulz und Thilo Kehrer (vorn, v. l.). Im Hintergrund: Meikel Schönweitz, Raffael und Stefan Kuntz.
Neu im DFB-Team: Kai Havertz, Nico Schulz und Thilo Kehrer (vorn, v. l.). Im Hintergrund: Meikel Schönweitz, Raffael und Stefan Kuntz. © imago/Michael Weber
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Meikel Schönweitz gab Kai Havertz einen interessanten Tipp, der Brasilianer Raffael spielte viele Jahre Seite an Seite mit Nico Schulz und Stefan Kuntz war Thilo Kehrers Trainer beim größten Erfolg seiner jungen Karriere. Der SPORTBUZZER sprach mit drei Insidern, die die neuen Nationalspieler besonders gut kennen.

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Sie sind neu dabei, hochtalentiert und könnten sich am Sonntagabend in Sinsheim gegen Peru ins Rampenlicht spielen. Mit Kai Havertz (19), Thilo Kehrer (21) und Nico Schulz (25) nominierte Bundestrainer Joachim Löw nach dem blamablen Ausscheiden bei der WM in Russland drei Neue für den DFB-Kader. Doch was zeichnet die Newcomer aus? Weshalb setzt Löw gerade auf sie?

Der SPORTBUZZER sprach mit drei Insidern über die DFB-Neulinge.

Mit Meikel Schönweitz, der Havertz einen besonderen Tipp gab. Mit Europameister Stefan Kuntz, der Kehrer als U21-Nationaltrainer zum bisher größten Titel seiner jungen Karriere verhalf. Und mit dem Brasilianer Raffael, der viele Jahre Seite an Seite mit Schulz für gleich zwei Bundesliga-Vereine spielte.

„Kai hat auf dem Platz mehr Zeit als andere“

Schönweitz erinnert sich noch gut an Havertz. Er trainierte ihn von der U16 bis zur U19 in der deutschen Auswahl. „Kai zeichnet aus, dass er total bodenständig, höflich und bescheiden ist“, sagt Schönweitz über den heutigen Bundesliga-Star von Bayer Leverkusen. „Andererseits ist er selbstbewusst und er weiß, wo er hin möchte.“

Als Vierjähriger startete Havertz mit dem Vereinsfußball, damals noch bei Alemannia Mariadorf in Nordrhein-Westfalen, von wo aus er später zu Alemannia Aachen wechselte.

Doch was ist die große Stärke von Havertz? „Er hat auf dem Platz mehr Zeit als andere: Das liegt an seiner guten Spielübersicht und seiner Antizipationsfähigkeit, die ihn in Positionen bringt, die ihm sinnbildlich mehr Zeit geben, um seine nächste Entscheidung zu treffen.“ Eine wichtige Eigenschaft, um im Mittelfeld auf Profiniveau zurechtzukommen. Doch so weit wie heute war Havertz vor drei, vier Jahren natürlich noch nicht.

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Deshalb förderte Schönweitz den Teenager: „Ich kann mich noch sehr gut an einen seiner ersten Lehrgänge bei mir erinnern. Das war in Malente, im Oktober 2014. Wir hatten nach dem ersten Training ein längeres Gespräch, in dem ich ihm aufgezeigt habe, dass seine Offensivatkionen wirklich Hand und Fuß hatten, zum Fußball aber auch hin und wieder ein Defensivzweikampf gehört“, erklärt Schönweitz: „Im anschließenden Training hatten wir kurz überlegt, die Einheit abzubrechen, weil Kai derart entschlossen in die Zweikämpfe ging, dass es hin und wieder ruppig wurde.“

Doch gleichzeitig war diese Einheit für Schönweitz eine Art Aha-Effekt. Er spürte, dass in diesem Jungen mehr steckt als nur ein talentierter Offensivspieler – und er behielt recht.

Am Sonntag im Stadion in Sinsheim wird Havertz die Fritz-Walter-Medaille in Gold als bester Nachwuchsspieler Deutschlands überreicht bekommen. Und vielleicht reicht es im Anschluss sogar noch für einen Einsatz bei der A-Nationalmannschaft.

„Der schnellste Spieler, den ich bisher erlebt habe“

Bereits am Samstag verriet der Bundestrainer, dass Schulz gegen Peru als Linksverteidiger in der Startelf stehen wird. Worauf dürfen wir uns da freuen? Fußballprofi Raffael kennt Schulz seit vielen Jahren. Erst spielten sie gemeinsam drei Saisons für Hertha BSC, später standen sie für Borussia Mönchengladbach gemeinsam auf dem Feld – bis Schulz schließlich weiterzog und sich der TSG Hoffenheim anschloss. Damals in Berlin war der Brasilianer Raffael schon einer der Stars des Teams, Schulz hingegen ein blutjunger Spieler, der gerade erst dem Nachwuchs des Hauptstadtvereins entsprungen war. Doch Raffael erinnert sich noch gut an die ersten Schulz-Auftritte im Training.

Wer ist Nico Schulz?

„Ich sah sofort, dass er hochtalentiert ist“, sagt Raffael. „Und dazu ist er ein super Typ, Nico ist sehr angenehm. Und das ist eine gute Mischung“, findet er. Inzwischen ist Schulz einige Schritte weiter. Jüngst wurde er vom Kicker zum notenbesten Linksverteidiger der Bundesliga der vergangenen Spielzeit gewählt – damit landete er noch vor seinem Nationalmannschaftskollegen Joshua Kimmich, der aktuell auf der Sechs spielt.

Für Raffael ist das keine große Überraschung, denn Schulz hat eine besondere Waffe: seine Schnelligkeit. Und die Zahlen belegen das. Mit 34,6 km/h war er in der Saison 2017/2018 der schnellste aller Hoffenheimer Spieler. Raffael geht noch einen Schritt weiter: „Nico ist der schnellste Spieler, den ich bisher erlebt habe.“ Und wenn das ein Borussia-Spielmacher sagt, der inzwischen auf eine achtjährige Karriere in der Bundesliga zurückblicken kann, hat das mehr Aussagekraft als jede Auszeichnung.

Der DFB-Kader für die Länderspiele gegen Frankreich und Peru

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Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München) ©
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„Er verhandelte um den Zapfenstreich“

Stefan Kuntz und Thilo Kehrer gewannen im vergangenen Jahr gemeinsam die U21-Europameisterschaft in Polen – Kuntz war Trainer, Kehrer sein Spieler. An diesen Erfolg erinnert sich Kuntz, der selbst schon 1996 mit der A-Nationalmannschaft Europameister wurde, sehr gern zurück. Für Kehrer war der U21-Titel der bisher größte Erfolg seiner noch jungen Karriere.

Gerade erst hat er für 37 Millionen Euro die Bundesliga in Richtung Paris Saint-Germain verlassen. Und Kuntz weiß, weshalb PSG so viel Geld in den Defensivspieler investierte: „Thilo hat in den letzten Jahren vor allem dadurch, dass er bei Schalke gespielt hat, eine unwahrscheinliche Entwicklung genommen. Er hat Vorteile, weil er links als auch rechts spielen kann und beidfüßig ist. Er hat eine hohe Aggressivität und ein gutes Kopfballspiel. Er ist in seinem Jahrgang sicherlich das größte Abwehrtalent.“ Doch Kuntz schätzt den gebürtigen Tübinger vor allem auch als Typen.

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„Thilo ist eine gesunde Mischung aus ein bisschen ausgeflippt und auf der anderen Seite professionell“, findet der Auswahltrainer. „Ich glaube, dass er sich jetzt im richtigen Moment im richtigen Maß in Richtung Professionalität entwickelt hat. Deshalb ist er bei uns damals auch Kapitän geworden, weil er diese Mischung auch weitergibt. Er erkennt die Momente, in denen auf dem Platz richtig Gas gegeben werden muss.“ Und Kehrer wusste auch, dass mit dem Schlusspfiff seine Pflichten als Spielführer in der Kuntz-Truppe noch nicht erledigt waren.

Kuntz verrät ein interessantes Detail: „Wenn wir ein Spiel gewonnen hatten und Thilo Kehrer auf mich zukam, wusste ich immer sofort, worum es geht: Er wollte um den Zapfenstreich verhandeln.“ So weit ist Kehrer bei der A-Nationalmannschaft und Löw noch nicht. Doch seine Nominierung hat er sich ganz sicher verdient.

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