11. April 2020 / 10:00 Uhr

Die neuen Superstars: Kai Havertz im Porträt – Musterschüler auf dem Platz

Die neuen Superstars: Kai Havertz im Porträt – Musterschüler auf dem Platz

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kai Havertz gilt als kommender Leistungsträger im Team von Bundestrainer Joachim Löw. 
Kai Havertz gilt als kommender Leistungsträger im Team von Bundestrainer Joachim Löw.  © imago images/Horstmüller
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Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind noch da, aber die nächste Generation lauert schon – der SPORTBUZZER stellt die neuen Superstars des Fußballs in einer Serie mit eingebettetem Podcast vor. Teil fünf: Kai Havertz von Bayer Leverkusen.

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In der Schule zu büffeln, davon sind nur die wenigsten Kinder Fans – gerade im eher schwierigen Alter ab 16. Auch für Kai Havertz wurde diese Phase zur Prüfung – der größten sogar, weil nicht einzigen, in seinem noch jungen Leben. Während sich der Minderjährige am Landrat-Lucas-Gymnasium auf das Abitur vorbereitete, verfolgte er gleichzeitig ein noch weitaus ambitionierteres Ziel: Bei Bayer Leverkusen stand das Nachwuchstalent auf dem Sprung zum Profi. Dass er letztlich beides packen sollte, spricht jedenfalls eher für den heutigen Nationalspieler als für den erfolgreichen Abiturienten.

Gerade als Schüler setzte Havertz die Doppelbelastung arg zu. Seine Eltern, die Mutter Juristin, der Vater Polizist, zogen sogar in Erwägung, ihrem Sohn die Bürde des Abiturs zu erlassen. Bloß hatten sie ihre Rechnung ohne Roger Schmidt gemacht, Leverkusens damaligen Profitrainer. Aufgeben? Komme gar nicht infrage. Würde er dadurch nicht auch anfälliger für andere, sportliche Widerstände? Diese Bedenken gab es damals in Leverkusen.

Noch mehr Infos, Experten-Einschätzung & Co.: Hier geht es zum Podcast zur neuen SPORTBUZZER-Serie

Havertz, der die Leistungskursfächer Sport und Deutsch sowie Erdkunde als drittes Fach belegt hatte, zog sein Abi also durch. Durchschnitt: 3,3. In der mündlichen Matheprüfung, für die er vom Klub Nachhilfe bekommen hatte, schaffte er eine 3+. "Daran sieht man, was für einen Charakter er besitzt", sagt Dirk Morfeld, Havertz’ erster Jugendtrainer, und erinnert sich an dessen Beginn bei den Bambinis des SV Alemannia Mariadorf: "Kai hatte von allem ein bisschen mehr: Power, Ehrgeiz, Biss."

Havertz hat "keine Faxen gemacht, wollte einfach kicken"

Auf dem Fußballplatz war der heute 20-Jährige ohnehin Musterschüler. "Er hat keine Faxen gemacht, wollte einfach kicken", erklärt Morfeld, den diese Eigenschaften auch heute an Havertz beeindrucken: "Man sieht von Kai nicht ständig Instagram-Posts mit dem üblichen Profi-Gepose." Tattoos zieren seinen Körper (noch) keine. In seiner Jugend hat er gar Klavierstunden genommen, Ex-Mitspieler Julian Brandt rezensierte begeistert: "Vielleicht wird er der neue Beethoven …"

Weitere Teile der SPORTBUZZER-Serie

Morfeld kennt Havertz, seitdem der vier ist. Doch als Trainer wollte er ihn erst gar nicht aufnehmen. Die Altersgrenze, die man sich bei den jüngsten Kickern auferlegt hatte, lag bei fünf Jahren. Als Morfeld sich vom Nachbarn der Havertz’, der den Jungen im Garten immerzu kicken sah, überreden ließ, spielte der kleine Kai stets bei den zwei Jahre Älteren mit. Als sein Team bei einem Nachwuchsturnier einige Bundesligisten besiegte, standen die Scouts bald Schlange.

Völler über Havertz: "Bester deutscher Spieler der nächsten zehn Jahre"

Nach einem Jahr bei Alemannia Aachen landete Havertz in der Leverkusener E-Jugend, spielte dort weiterhin bei den Älteren mit. Heute sagt Bayer-Sportchef Rudi Völler: "Wir haben mit Kai den besten deutschen Spieler der nächsten zehn Jahre." Ex-Leverkusen-Manager Reiner Calmund zieht Vergleiche mit Franz Beckenbauer und Michael Ballack. Havertz schwärmt hingegen von Mesut Özil. Ähnlich wie bei seinem Idol, heißt es, sei die Ruhe am Ball seine außergewöhnliche Fähigkeit. Morfeld: "Kai war schon damals nie überrascht, wenn er den Ball bekam."

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In der Bundesliga hat Havertz Altersbestmarken aufgestellt, was die Anzahl von 50 und 100 Ligaspielen angeht. Im Sommer 2018 wurde er als Deutschlands bester U19-Spieler ausgezeichnet, kurz darauf berief ihn erstmals Bundestrainer Joachim Löw.

Jugendtrainer rät Havertz von Bayern-Wechsel ab

Morfeld sieht in Havertz einen neuen Toni Kroos oder Andrés Iniesta, jemanden, der Fußball denkt. "Mit seinem Verstand kann er Spiele entscheiden." Sein Vertrag läuft bis 2022, ohne Ausstiegsklausel. Zum FC Bayern soll es Havertz nicht ziehen. "Weil er ein Typ ist, der Ruhe und Vertrauen braucht", erläutert Morfeld. In seinem Kinderzimmer hingen Poster des FC Barcelona, schon in der Jugend soll es Kontakt gegeben haben. Morfeld: "Bei diesem Klub war Kai schon immer mit dem Herzen dabei."

Teil 6: Christian Pulisic im Porträt

Die Serie "Die neuen Superstars des Fußballs" gibt es auch als Podcast bei rnd.de, sportbuzzer.de und allen bekannten Anbietern zum Anhören. In der nächsten Folge am kommenden Dienstag stellen wir den ehemaligen BVB-Profi Christian Pulisic vom FC Chelsea näher vor.