27. Juni 2018 / 08:03 Uhr

Kaiser und Zorniger wieder vereint: "Ich bin total überzeugt von Domme"

Kaiser und Zorniger wieder vereint: "Ich bin total überzeugt von Domme"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Wieder vereint: Alexander Zorniger und Dominik Kaiser.
Wieder vereint: Alexander Zorniger und Dominik Kaiser. © Brönby IF
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Bei Bröndby Kopenhagen kommt zusammen, was zusammen gehört: Dominik Kaiser kehrt nach seinem Abschied von RB Leipzig zum dritten Mal unter die Ägide von Alexander Zorniger zurück. Der SPORTBUZZER traf beide zum Doppelinterview.

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Bad Aussee. „Plötzlich ging alles ganz schnell. Tasche packen, Freundin Juliane küssen, ab ins Auto Richtung Bad Aussee in Österreich. Dort machen sich die Fußballer von Bröndby IF fit für die in drei Wochen beginnende Saison. Dort musste Ex-Bulle und Neu-Kopenhagener Dominik Kaiser gleich am ersten Tag dreimal hart ran. Der 29-jährige Mittelfeldspieler hat beim dänischen Pokalsieger und Vize-Meister einen Zweijahresvertrag unterschrieben und kehrt zurück in den Schoß seines Förderers und Ex-Trainers Alexander Zorniger, 50. Bröndby hat nicht nur wegen Zorniger Leipziger Anstrich. Co-Trainer Matthias Jaissle, 30, Torwart Benjamin Bellot, 27, und Linksverteidiger Anthony Jung, 26, haben eine RB-Vergangenheit. Übrigens: Kaisers Vertrag bei RB Leipzig läuft noch bis zum 30. Juni, die Roten Bullen mussten der kaiserschen Trainingsteilnahme zustimmen. Taten sie mit Freude. Und aus Dankbarkeit für sechs königlicher Kaiser-Jahre. Das Wiedervereinigungs-Interview.

DURCHKLICKEN: KaiseRBall - Der Abschied von "Domme"

Dominik Kaiser sagt Tschüß: Mit einem Abschiedsspiel RB Leipzig gegen Domme & Friends enden sechs Jahre Kaiserzeit an der Pleiße. Zur Galerie
Dominik Kaiser sagt Tschüß: Mit einem Abschiedsspiel RB Leipzig gegen "Domme & Friends" enden sechs Jahre Kaiserzeit an der Pleiße. © Christian Modla
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Wie war der erste Tag im Camp? Hat Sie Herr Zorniger noch geschont oder mussten Sie in die Mertesacker-Gedächtnis-Eistonne?

Kaiser: Ich komme gerade aus der Eistonne, lasse mich nachher massieren und gehe früh ins Bett. Es war hart und herzlich.

Zorniger: Und dosiert. Domme hat die beiden ersten intensiven Wochen verpasst und wird jetzt mit viel Gefühl auf den Stand der anderen gebracht.

Am 13. Mai haben Sie sich, Herr Kaiser, vor 26 .000 Fans in Leipzig von RB Leipzig verabschiedet. War das Ihr letztes Mal mit Ball und in Fußballschuhen?

Kaiser: Ich bin viel gelaufen, war im Kraftraum, habe Tennis gespielt. Gegen einen Ball habe ich erst wieder hier in Österreich getreten. Aber keine Angst: Das Kicken verlernt man nicht. Obwohl das am 13. Mai bei Ihnen so ausgesehen hat.

Zorniger: Acht Schäfer-Minuten waren sieben zu viel (beim kaiserschen Abschiedsspiel, Red.). Domme ist ein Ganzjahressportler, macht immer etwas. Er braucht jetzt wieder den Ball.

Wie ist Ihr erster Eindruck von Bröndby IF? Müssen Sie morgens Blut lassen, sind Gluten und Biere Todfeinde?

Kaiser: Es ist alles topprofessionell, aber nicht ganz so extrem wie bei RB. Leipzig ist in Sachen Sportwissenschaft, Ernährung und Detailversessenheit in Deutschland eine Hausnummer für sich. Nein, wir werden morgens nicht zur Ader gelasssen. Ja, es wird auf die Ernährung geachtet, aber nicht auf jede einzelne Glute.

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Bier, Wein, Weib, Gesang?

Kaiser: Der Coach versammelt uns abends am Tresen zu einem Absacker. Da ist ein Bier erlaubt.

Ein Bier für alle?

Zorniger: Ein Bier für jeden. Wodka steht übrigens auf dem Index, Herr Schäfer.

Stimmt es, dass Zorniger gar nicht mehr zornig ist?

Kaiser: Auf dem Platz ist er genau so wie ich ihn aus Leipzig und aus Gmünd kenne. Er fordert sehr viel, körperlich und vom Kopf her. Außerhalb ist er etwas gelassener geworden.

Weil Frau und Kind erden?

Zorniger: Gut möglich. Unser Zwerg ist jetzt sechs Monate, meine Kristina und ich sind sehr glücklich.

Kaiser: Sie sollten es mal ausprobieren, wie das ist mit Frau und Kind.

Zorniger: Ja, sollten Sie.

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Alexander Zorniger: Von der Oberliga über die Bundesliga nach Dänemark. Wir zeigen euch die Bilder der Karriere des Ex-Bundesliga-Trainers. Zur Galerie
Alexander Zorniger: Von der Oberliga über die Bundesliga nach Dänemark. Wir zeigen euch die Bilder der Karriere des Ex-Bundesliga-Trainers. ©

Danke für den Hinweis. Sie kennen Kopenhagen und den Bröndby-Fußball von mehreren Besuchen mit Ihrem Freund Yussuf Poulsen. Wie hoch ist die Kopenhagener Lebensqualität und wie sieht der Bröndby-Stil aus?

Kaiser: Wer sich in Kopenhagen nicht wohlfühlt, fühlt sich nirgendwo wohl. Eine super schöne und interessante Stadt. Die Dänen sind unaufgeregt und freundlich. Und es ist eine Fahrradstadt. Genau mein Ding.

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Kaiser: ...Leipzig zutreffen, das ist mir auch gerade aufgefallen. Leipzig ist in den sechs Jahren zu meiner zweiten Heimat geworden, ich verbinde nur Gutes mit Leipzig. Wunderbare Erlebnisse, tolle Menschen, eine sensationelle Stadt. Ihr werdet mich nicht los, ich werde immer mal wieder vorbeischauen.

Zorniger: Es sind beides lebens- und liebenswerte Städte. Die Dänen kennen aber die Gestresstheit der Deutschen nicht. Es ist ein sehr angenehmes Leben und Arbeiten hier. Damit kein falscher Eindruck aufkommt: Wir alle wollen Erfolg und arbeiten hart.

Wie sieht Zornigers Fußball aus?

Kaiser: Wo Zorniger drauf steht, ist immer noch Zorniger drin. Über allem steht die schnelle Balleroberung, Pressing und Gegenpressing.

Und auf einen Quer- oder Rückpass steht sofortige Entleibung?

Kaiser: Nein, Ballbesitzfußball gehört auch zum Repertoire.

Zorniger: Gehörte immer schon dazu. Man muss halt die Augen aufmachen.

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Timo Werner: Was Domme für den Verein geleistet hat, war großartig. Es macht allen Spaß heute, es ist eine super Kulisse. Zur Galerie
Timo Werner: "Was Domme für den Verein geleistet hat, war großartig. Es macht allen Spaß heute, es ist eine super Kulisse." ©

Gehen wir Recht in der Annahme, dass Sie einen Stammplatz inne haben werden?

Kaiser: Wenn ich so kicke wie beim ersten Training, wird es schwer. Wenn ich das zeige, was ich kann, will ich natürlich spielen und der Truppe helfen.

Zorniger: Ich zweifle nullkommanull daran, dass Domme schnell der Alte sein wird. Er ist ein Spieler, der Vertrauen braucht. Das bekommt er. Ich bin kein Fan von ihm, sondern total überzeugt von Domme. Er verpisst sich nie, er liebt und kann enge Spiele und entscheidende Situationen.

Wie gut ist Bröndby?

Kaiser: Wir haben viel Qualität, ich denke da beispielsweise an Hany Mukhtar im Mittelfeld. Er könnte in vielen Bundesliga-Mannschaften spielen.

Zorniger: Wir haben den Etat eines mittleren Zweitligisten, machen aus relativ wenig sehr viel. Kommen Sie mal zu einem Heimspiel. Bei uns ist die Hölle los, unsere Fans sind einzigartig. Denen müssen und wollen wir Vollgas-Fußball zeigen.

Musste Herr Kaiser Geld mitbringen?

Zorniger: Domme ist bei uns weit oben angesiedelt, er kann zweimal am Tag warm essen.

Die Qualifikation zur Europa League könnte Ihnen beiden zu einer größeren Bühne als die dänische Liga verhelfen.

Kaiser: Wir wollen nach Europa. Und das war auch ein Grund für meinen Wechsel. Ich hatte diverse Möglichkeiten zu wechseln, aber nur eine mit EC-Option: Bröndby.

Zorniger: Wir steigen erst in der dritten Quali-Runde ein – das ist gut. Weniger gut ist, dass da gesetzte Teams wie RB oder Kategorien wie Spanien warten. Aber wir haben eine gute Truppe zusammen, der Verein ist von einem besonderen Geist beseelt, der Umgang miteinander ist fantastisch. Der erste Titelgewinn seit zehn Jahren verbindet für immer.

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Nach dem Pokalsieg ging die Meisterschaft kurz vor knapp flöten.

Zorniger: Das haben wir vergeigt, das war sportlich der härteste Schlag in meiner Karriere.

Fortuna Düsseldorf war interessiert, Huddersfield Town erkundigte sich. Was lief sonst noch so, Herr Kaiser?

Es gab mehrere Interessenten. Aber die meisten spielten auf Zeit, hatten wohl noch andere auf dem Zettel. Als 1a-Lösung habe ich mich nur in Bröndby und bei Red Bull New York gefühlt.

Warum haben Sie nicht reingebissen in Big Apple?

Ich habe lange mit meiner Freundin über New York gesprochen, wir waren ja im Januar schon mal dort und haben uns das Stadion, das Trainingsgelände und die Stadt angeschaut. Das alles war schon verführerisch. Wir haben uns für Kopenhagen entschieden. New York ist nicht aus der Welt, kann irgendwann wieder Thema werden.

Bröndby also statt Bundesliga und Premier League. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach?

Kaiser: Bröndby ist kein Spatz, Bröndby ist unsere Taube. Wir haben viel vor, wollen in die Europa League, möglichst Meister und Pokalsieger werden. Ich bin in Kopenhagen nicht auf Durchreise.

Zorniger: Es ist eine Win-Win-Situation. Domme tut uns gut und wir ihm. Als er 2012 nach Leipzig kam, war das die bestmögliche Entscheidung. Das ist jetzt wieder so.

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Die folgenden Spieler sind neu im Kader von RB Leipzig für die Saison 2018/19. Zur Galerie
Die folgenden Spieler sind neu im Kader von RB Leipzig für die Saison 2018/19. ©

Die Antrittsrede im Ösi-Camp hat Herr Kaiser ...

Zorniger: ... in fließendem Schulenglisch gehalten. Er ist ein heller Junge. Wenn man Domme drei Tage kennt, ist es unmöglich, ihn nicht zu mögen.

Stammkeeper Frederik Rönnow ist zu Eintracht Frankfurt gewechselt. Hat Benny Bellot Chancen auf die Nummer 1 im Tor?

Kaiser: Das kann der Coach besser beantworten. Benny ist übrigens Papa geworden.

Zorniger: Benny hat sich in den beiden letzten Monaten sehr verbessert. So will ich ihn sehen.

Anthony Jung?

Kaiser: Ist immer noch ein einziger Muskel und hat einen Schuss wie ein Pferd.

Zorniger: Wir haben ihn heute RB Leipzig abgekauft. Darüber sind wir sehr glücklich.

Julian Nagelsmann setzt sich 2019 auf die RB-Bank.

Kaiser: Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Alle wollten ihn und RB kriegt ihn. Das spricht für RB und ist eine Superlösung. Wir haben damals in Hoffenheim zusammen studiert. Er ist nur ein Jahr älter als ich. Wahnsinn.

Ralf Rangnick wird am Freitag 60. Sie dürfen ihm gerne vorab ein paar freundliche Worte übermitteln.

Zorniger: Er wird schon 60? Ich dachte 57.

Kaiser: Gratuliert wird erst am Freitag. Aber jeder weiß, dass RB Leipzig ohne Ralf Rangnick nicht auf der großen Fußball-Landkarte wäre. Ralf sieht besser aus als mancher Fünfziger, Herr Schäfer.

Sie waren 2012 Rangnicks erster Königstransfer, Herr Kaiser.

Zorniger: Und meiner, ich wollte ihn unbedingt. Und Ralf hat es möglich gemacht.

Kaiser: Ich habe, glaube ich, 200. 000 Euro gekostet.

100 .000.

Kaiser: Ein Schnäppchen also. Bitte richten Sie liebe Grüße nach Leipzig aus.

Zorniger: Dito.

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