15. September 2020 / 14:17 Uhr

Kalkulierter Aufschrei: RB Leipzigs Vorreiter-Rolle bei der Fanrückkehr war geplant 

Kalkulierter Aufschrei: RB Leipzigs Vorreiter-Rolle bei der Fanrückkehr war geplant 

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzig setzt für die kommende Saison auf Partien vor Fans.
So viele werden es nicht, aber einige Fans dürfen den Bundesligaauftakt von RB Leipzig gegen den FSV Mainz 05 im Stadion miterleben. © 2020 Getty Images
Anzeige

Die Fans von RB Leipzig dürfen den Bundesligaauftakt ihres Teams live im Stadion miterleben. Zumindest einige wenige. 8500 Zuschauer hat die Stadt Leipzig anhand des Hygienekonzepts der Roten Bullen für das Heimspiel gegen Mainz 05 genehmigt. Alles was danach folgte, war kalkuliert. Denn RB und die Bundesliga handelten Hand in Hand.

Anzeige

Leipzig. Am Sonntag ist es für die Fans von RB Leipzig endlich so weit. Zumindest Einige dürfen den Bundesligaauftakt gegen den 1. FSV Mainz 05 in der heimischen Red-Bull-Arena miterleben. 8500 genau genommen. Zwar sind die Roten Bullen mittlerweile längst nicht mehr die Ersten, die Zuschauer auf den eigenen Rängen begrüßen dürfen, ihr genehmigtes Hygienekonzept entfachte aber eine bundesweite Diskussion, vor allem im Profi-Fußball. Und das war auch genau so beabsichtigt.

Auch andere Sportarten haben Nutzen gezogen

RB habe lediglich den nötigen Anstoß gegeben, erklärt Florian Scholz, kaufmännischer Leiter Sport und Sprecher der Roten Bullen. „Es war im Vorfeld mit ein paar Vereinen und der DFL besprochen, dass wir den Stein ins Rollen bringen und damit die Vorreiter-Rolle in der Bundesliga einnehmen.“ Von den anderen Clubs sei dabei keine Kritik gekommen. „Ganz im Gegenteil: Es profitieren jetzt eher alle davon“, so Scholz.

Mehr zur Fan-Rückkehr

Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt der Messestadt sei es auch den anderen Vereinen ermöglicht worden, sich mit dem Thema bei ihren zuständigen Behörden zu melden. „Tatsächlich kann man heute sagen, dass auch viele andere Sportarten aus unserem Hygienekonzept und den Entscheidungen in Sachsen einen Nutzen gezogen haben und jetzt schon der eine oder der andere Verein mit Fans spielt.“ Scholz ist sich sicher, dass weitere folgen werden.

Nicht alle sahen die Leipziger Offensive so positiv. Der frühere Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Andreas Rettig, monierte das unterschiedliche Vorgehen in der Bundesliga bei der Öffnung der Stadien und warf den Roten Bullen „Wettbewerbsverzerrung“ mit diesem Alleingang vor. Kritik gab es ebenfalls aus der Politik, namentlich von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie dem bayerischen Minsterpräsidenten Markus Söder (CSU) oder auch einigen Konkurrenten und Fanverbänden.

Mainz: Losgewinner werden am Mittwoch benachrichtigt

Dabei ist RB Leipzig längst nicht mehr der einzige Profi-Club, der Publikum auf den Rängen zulässt. Beim Pokalspiel von Dynamo Dresden gegen den Hamburger SV am Montagabend waren über 10.000 Fans im Rudolf-Harbig-Stadion dabei und erlebten einen berauschenden 4:1-Erfolg ihrer Elf. In der Bundesliga will auch Werder Bremen vor 8500 Zuschauern spielen, Union Berlin vor 5000. Für Köln und Dortmund will die Landesregierung am Dienstag eine Entscheidung fällen. Ziel sind zwischen 5000 und 10.000 Anhängern.

Übrigens: Für den RB-Heimauftakt am Sonntag haben sich laut Verein deutlich mehr als 8500 Personen auf die verfügbaren Plätze gemeldet. Das Losverfahren soll spätestens am Mittwoch abgeschlossen und die Gewinner benachrichtigt werden. Ausschlaggebend für die Verlosung sei dabei der Corona-Inzidenzwert gewesen. Die Postleitzahlen, in denen dieser über der maximalen Anzahl von 20 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner am Montag vor dem Spiel lag, wurden wie angekündigt nicht berücksichtigt, erklärt Florian Scholz.