26. April 2018 / 18:44 Uhr

Kalte Dusche für die Gäste in Quitzöbel

Kalte Dusche für die Gäste in Quitzöbel

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Quitzöbel(1)
Der SV Quitzöbel hat 34 Spieler gemeldet. © Verein
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Porträt: Der kleine Verein aus der Prignitz spielt in der 2. Kreisklasse und führt einen ständigen Kampf ums Überleben.

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Die Gäste des SV Quitzöbel 1960 erwartet eine kalte Dusche. Seit eineinhalb Jahren ist die Gastherme im Sozialtrakt des Fußballvereins aus der 2. Kreisklasse West im Fußballkreis Prignitz-Ruppin kaputt. „Kalt zu duschen kostet Überwindung. Unsere Gegner sind wenig begeistert“, sagt der stellvertretende Vereinspräsident Michel Muxfeldt. „Viele nehmen es aber mit Humor, das ist kein großes Thema.“

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Flickschusterei

Die Vereinsfunktionäre wurmt  die Baustelle allerdings ziemlich, sie steht auf der To-Do-Liste ganz oben. Ganz früher gab es einen Bauwagen zum Umziehen. Dann bauten die Mitglieder in Eigenleistung einen kleinen Sozialtrakt. Der hat jedoch keinen eigenen Stromanschluss – ein Nachbar hilft freundlicherweise aus. Außerdem muss das Dach alsbald saniert werden. „Das ist eine Flickschusterei. Die Umkleide ist ein Sorgenkind. Zwar gab es vor zehn Jahren kleinere Investitionen. Aber der Bau wird den Bedürfnissen nicht gerecht“, ärgert sich Michel Muxfeldt.

Fahrdienst zur Disko

Der Umgang mit Problemen gehört zur Geschichte des SV Quitzöbel, der 1960 als Traktor Quitzöbel gegründet wurde. In dem kleinen Dorf an der Mündung der Havel in die Elbe gab es schon früher nur wenige Kicker. Der langjährige Vereinspräsident Gerhard Wredenhagen, in der Prignitz als „Jury“ bekannt, wusste Abhilfe. Oft fuhr er Spieler samstagabends zur Disko und holte sie wieder ab, damit sie am nächsten Tag auf dem Platz stehen konnten. „Dass es den SVQ noch gibt, ist ihm zu verdanken“, sagt Michel Muxfeldt. Der Ehrenpräsident sei die „gute Seele“ des Vereins gewesen. Das langjährige Mitglied Hartmut Engelmann erwähnt Muxfeldt im gleichen Atemzug. Engelmann kümmert sich liebevoll um den Rasenplatz und ist bei fast allen Auswärtsspielen als Fan dabei.

Viele Berufspendler

Oft muss sich Engelmann  die Augen reiben, weil sich der Kader meist von Spiel zu Spiel stark ändert. 34 Spieler hat Quitzöbel gemeldet. „Während wir bei Heimspielen meist aus dem Vollem schöpfen können, treten wir bei Auswärtsspielen oft mit einer ausgedünnten Truppe an“, erzählt Spielertrainer und Kapitän Michel Muxfeldt. „Grund ist, dass viele Spieler Berufspendler sind und nicht selten extra zum Fußball am Wochenende in die Prignitz kommen.“ So kommt etwa Uwe Bieck häufiger zum Zuge. Der 54-Jährige hilft insbesondere bei Auswärtsspielen regelmäßig aus. „Bieck behauptet sich immer noch mit gutem Auge und Stellungsspiel zwischen den jüngeren Teamkollegen“, sagt der 31-jährige Muxfeldt voller Anerkennung.

Keine Nachwuchsmannschaft

2007 gelang der Aufstieg in die  2. Kreisklasse. Dort ist Quitzöbel derzeit Vierter von sieben Mannschaften. Damit können sie in Quitzöbel ganz gut leben. „Denn die jüngere Vereinsgeschichte ist vor allem durch den Existenzkampf und Spielermangel geprägt“, sagt Muxfeldt. Oft war nicht klar, ob der SVQ überhaupt weiterhin am Spielbetrieb teilnehmen kann. Seit Ende der 90er Jahre gibt es lediglich eine Herrenmannschaft und keinen Nachwuchs mehr. Die Talente spielen in  umliegenden Vereinen in Bad Wilsnack, Havelberg oder Weisen. Die meisten kommen jedoch zurück, wenn sie für das Herrenteam in Quitzöbel auflaufen können. Manchmal bringen sie dann sogar einen Spieler mit, der nicht aus Quitzöbel stammt. Für weitere Rekrutierungen wäre es allerdings gar nicht schlecht, wenn man mit warmen Duschen werben könnte.