31. März 2018 / 06:00 Uhr

Kampf des Jahres in Cardiff: Macht sich Anthony Joshua zur Box-Legende?

Kampf des Jahres in Cardiff: Macht sich Anthony Joshua zur Box-Legende?

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Showman: Anthony Joshua zeigt beim Wiegen, was er kann.
Showman: Anthony Joshua zeigt beim Wiegen, was er kann. © imago/Action Plus
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Das "Jahr des Schwergewichts" beginnt mit einem echten Kracher. Anthony Joshua kämpft in Wales gegen den Neuseeländer Joseph Parker. Beide sind noch ungeschlagen. Für den deutschen Weltmeister Manuel Charr ein Duell auf Augenhöhe.

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Für Box-Experten ist es der „Kampf des Jahres“, für Anthony Joshua soll es nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Legendenstatus im Schwergewichtsboxen sein. Am Sonnabend (23.15 Uhr, DAZN) steigt der Brite im Principality Stadium von Cardiff vor 80 000 Zuschauern gegen den Neuseeländer Joseph Parker in den Ring. Dann geht es zwischen den bisher ungeschlagenen Champions um die WM-Gürtel der Verbände IBF, WBA und WBO - und 25 Millionen Euro Gage.

Sowohl Klitschko-Bezwinger Joshua als auch Parker haben bisher eine makellose Bilanz aufzuweisen. Keiner von beiden hat bisher einen Kampf verloren. Joshua siegte in seinen 20 Profikämpfen sogar jeweils durch Knockouts, Parker immerhin in 18 von 24 Kämpfen. Die beiden derzeit wohl besten Schwergewichtsboxer treffen aufeinander. Der deutschen WBA-Schwergewichtsweltmeister Manuel Charr weiß genau, was den Kampf so besonders macht. „Beide sind erfahrene Kämpfer, mental stark, und hervorragende Boxer“, sagt er dem SPORTBUZZER. „Beide haben Schlagkraft und Nehmerqualitäten. Man kann nicht vorhersagen, wer den Ring als Sieger verlässt.“

Duell der Unbesiegten

Dafür sind die Boxstile der beiden Knockouter dann doch zu unterschiedlich. Joshua, der Superchampion der WBA, ist laut Charr „ein exzellenter Taktiker“. Das bewies er übrigens schon im Amateurboxen, als er 2012 bei den Olympischen Spielen in London Gold gewann. Parker gewann vier Jahre später in Rio de Janeiro Silber. Er überzeugte in seinen bisherigen Kämpfen vor allem mit seiner enormen Schlagkraft. „Er verunsichert die Gegner. Er wechselt zum Beispiel seine Auslage“, sagt Charr. Das heißt, mal nutzt Parker die linke Hand als Führhand, mal die rechte. Immer gleichstark sind allerdings seine Schläge.

Eiskaltes Duell: Joshua und Herauforderer Parker beim Staredown.
Eiskaltes Duell: Joshua und Herauforderer Parker beim Staredown. © imago/Action Plus

Davor hat auch Joshua, der als Jugendlicher übrigens wegen Körperverletzung eine Fußfessel angelegt bekam, Respekt. „Er ist unheimlich schnell. Und er kombiniert seine Schläge gut. Darauf muss ich aufpassen: Oft ist es nicht der erste Schlag, sondern der zweite oder dritte, der gefährlich werden kann“, sagte er gegenüber spox.com. Dennoch kündigte er mehrfach im Vorfeld einen Knock-out gegen seinen Herausforderer an. Er habe nämlich aus dem Sieg über Wladimir Klitschko gelernt. „Klitschko hat mich gelehrt, dass es mehr als einen Menschen braucht, um mich auf meinem Weg aufzuhalten“, sagte Joshua.

Charr: "Parker schlägt härter"

Ähnlich selbstbewusst gibt sich aber auch der Neuseeländer Parker. „Ich würde nicht lockerlassen und so lange zuschlagen, bis ich Joshua k. o. am Boden habe“, sagt er. Charr traut ihm das allemal zu. „Parker schlägt härter und hat mehr Erfahrung“, sagte er.

Der Kampfrekord von Manuel Charr: 35 Kämpfe, 31 Siege, vier Niederlagen.
Manuel Charr ist regulärer WBA-Weltmeister - hinter Superchamp Joshua. © imago

Allerdings hofft Charr dann wohl doch auf einen Sieg Joshuas. Schließlich will der deutsche WBA-Champion in naher Zukunft selbst gegen den Superchampion aus England antreten. Am liebsten hätte er diesen Kampf schon jetzt gehabt, doch die WBA machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Charr muss seinen Titel erst gegen den 44 Jahre alten Puerto Ricaner Fres Oquendo verteidigen. „Joshua hat sich interessiert gezeigt und möchte gegen mich antreten. Für mich das das ein weiterer Schritt in meiner Karriere. Ich präsentiere mit meiner neuen Hüfte jetzt auch erstklassiges Boxen“, sagt Charr. Deshalb sieht er sich mit Parker und Joshua auch „auf Augenhöhe“.

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Doch der Sieger zwischen Joshua und Parker dürfte zunächst einen anderen großen Kampf im Auge haben: Im Spätsommer könnte der Kampf gegen WBC-Champion Deontay Wilder stattfinden. "2018 ist das Jahr des Schwergewichts", sagte Joshua, "dieses Jahr knallt es richtig." Den Anfang macht er heute.