17. Juni 2020 / 09:29 Uhr

Kampfansage statt Nostalgie beim FSV Glesien: "Manchmal geht es ganz schnell"

Kampfansage statt Nostalgie beim FSV Glesien: "Manchmal geht es ganz schnell"

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Andreas Pekar sagt, wo's langgeht.
Andreas Pekar sagt, wo's langgeht. © Alexander Prautzsch
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Andreas Pekar nimmt zum dritten Mal auf der Trainerbank des FSV Glesien Platz und will mit dem Team zurück in die Fußball-Nordsachsenliga. Der Coach hat sieben Neuzugänge an der Angel, darunter Oliver Kraske, der aus Gröbers zurückkehrt.

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Glesien. Alle guten Dinge… ach, lassen wir das. Fußball ist nicht zuletzt ein Spiel von und für Nostalgiker und Anekdotenerzähler. Eben deshalb greift man so gern auf bekannte Namen zurück. Auch der FSV Glesien hat ein Stück Erfolgsgeschichte zurückgeholt. Andreas Pekar übernimmt die Kreisliga-Männer. Wieder einmal. Bereits von 1997 bis 2005 und von 2010 bis 2015 schwang der heute 56-Jährige in Glesien das Zepter. Ihm stehen künftig der bisherige Chefcoach Christian Bartlitz als Assistent und Ronny Tormann als Mannschaftsleiter zur Seite.

Gleich zu Beginn der dritten Amtszeit, die nun aber wirklich die letzte sein soll, lässt Pekar einen Stapel offener Worte fallen: „Das Männerteam ist überaltert. Wichtig ist, dass die Mannschaft trotzdem am Leben erhalten wurde. Wir wollen jetzt ein junges Team auf die Beine stellen, mit Spielern, die eine Beziehung zum Verein haben, die jetzt ein bissel verstreut sind und nicht zufrieden“, erklärt er den Masterplan. Zwei ganz wichtige Puzzleteile könnten Tim Schwarz und Florian Falk werden, die momentan in der A-Jugend des SSV Markranstädt kicken. Die Gespräche mit den Talenten laufen, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Dennis Poppe macht noch eine Saison

Fest steht dagegen, dass Oliver Kraske von Eintracht Gröbers (Landesklasse Sachsen-Anhalt) zurückkehrt. Netter Nebeneffekt: Er bringt gleich Teamkollege David Wötzel mit nach Nordsachsen. Weitere Namen fallen offiziell vorerst nicht. Nur so viel: Insgesamt sieben Spieler hätten schon fest zugesagt. „Leute aus meiner Zeit als Jugendtrainer, die zu uns passen“, erzählt Andreas Pekar. Weitere Nachrücker müssen aus Altersgründen noch ein Weilchen warten. „Es gibt einen großen Nachwuchspool in Glesien, aber der ist noch nicht reif für den Männerbereich.“

Andreas Pekar stand in der Vergangenheit bereits an der Seitenlinie des FSV Glesien, so wie hier im September 2015.
Andreas Pekar stand in der Vergangenheit bereits an der Seitenlinie des FSV Glesien, so wie hier im September 2015. © Ditmar Wohlgemuth

So hält auch der ein oder andere alte Fahrensmann weiter zur Stange. Dennis Poppe etwa hängt eine Saison dran, Pekar nennt den Torjäger nur „die Kanone“. Gemeinsam mit ein paar anderen soll Poppe das Gerüst der neu formierten Mannschaft und gleichzeitig das Bindeglied zwischen jung und alt bilden.

Das Gespann Poppe/Pekar war schon 2013 dabei, als Glesien die Kreisliga West dominierte, mit zehn Punkten Vorsprung aufstieg und ein Jahr später sensationell auf Rang vier der Nordsachsenliga einkam. Gefürchtet war die Truppe seiner Zeit für ihre Defensive aus Stahlbeton, die nur 30 Gegentore in 26 Spielen zuließ. Das aufmüpfige Fußballdorf hielt das nordsächsische Oberhaus zumindest eine Spielzeit lang in Atem. 2015 übergab Pekar die Männer schließlich in die Hände des Duos Marcel Kaiser und Dennis Parpart und übernahm die B-Jugend. Der schleichende Abstieg der Randschkeuditzer hatte zu diesem Zeitpunkt schon begonnen. 2016 hielt die Truppe noch einmal die Liga, verabschiedete sich aber 2017 in die Kreisliga und wäre dort eigentlich umgehend als abgeschlagenes Schlusslicht in die unterste Etage durchgereicht worden, profitierte jedoch vom Neustart des SV Spröda in der Kreisklasse. Seitdem dümpelt der Fußballsportverein am unteren Ende der Kreisliga-Fahnenstange.

Wo Pekar ist, ist Erfolg

Das ist natürlich nicht der Anspruch von Andreas Pekar: „Wir wollen eine Mannschaft zusammenkriegen, die irgendwann den Aufstieg schafft. Das kann dauern, manchmal kann es aber auch ganz schnell gehen.“ Letzteres dürfte den Verantwortlichen sicher lieber sein.

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Denn wo Pekar ist, ist Erfolg. 2017 heuerte er als Co-Trainer beim FSV Krostitz an. Mit dem er 2018 wieder eine Sensation schaffte, diesmal die Meisterschaft in der Landesklasse Nord holte. Im Bierdorf galt er mit seinen anspruchsvollen Passübungen als ganz wichtiger Faktor neben dem damaligen Chefcoach Tobias Heede.

Der Mann nimmt seine Aufgaben ernst, hat gerade seine B-Lizenz verlängert, obwohl er die auf diesem Niveau eigentlich gar nicht bräuchte. Und an Selbstvertrauen mangelt es ihm schon gar nicht: „Wir haben es 2013 in die Nordsachsenliga geschafft, warum soll das nicht noch einmal möglich sein?!“ Das klingt weniger nach einer Frage als viel mehr nach einer Kampfansage.