27. April 2021 / 12:09 Uhr

Kampfansage von Dynamo Dresdens Coach Schmidt: "Werde jeden Blutstropfen geben"

Kampfansage von Dynamo Dresdens Coach Schmidt: "Werde jeden Blutstropfen geben"

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo Dresdens neuer Trainer Alexander Schmidt ist zuversichtlich, das Aufstiegsziel zu erreichen.
Dynamo Dresdens neuer Trainer Alexander Schmidt ist zuversichtlich, das Aufstiegsziel zu erreichen. © SGD/Steffen Kuttner
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Kaum ist Trainer Alexander Schmidt bei Dynamo Dresden angekommen, gibt sich der 52-Jährige kämpferisch. Das klare Ziel ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Am Mittwochabend empfangen die Schwarz-Gelben den MSV Duisburg.

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Dresden. Sechs Spiele innerhalb von 18 Tagen, das erste gegen den MSV Duisburg schon am Mittwochabend (19 Uhr) vor der Brust, kaum Vorbereitungszeit. Dazu ein Team, das seit Mitte März nicht mehr ins gegnerische Tor traf und nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt. Und im Aufstiegskampf der 3. Fußball-Liga eine bärenstarke Konkurrenz, die man hinter sich lassen muss. Es ist eine Mammutaufgabe, die sich Alexander Schmidt vorgenommen hat. Doch Dynamo Dresdensneuer Cheftrainer fürchtet diese große Herausforderung nicht. „Ich bin von der Mannschaft überzeugt. Natürlich ist die eine oder andere Schlüsselposition verletzt oder coronabedingt ausgefallen, aber die Mannschaft hat immer noch die Qualität, dass sie aufsteigen kann. Ich bin voll motiviert“, sagte der 52-Jährige bei seiner offiziellen Vorstellung am Dienstag.

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Das Wesentliche wieder einfordern

Nachdem sein Vorgänger Markus Kauczinski am Sonntag beurlaubt worden war, hatte Alexander Schmidt bereits am Montag sein erstes Training in der Walter-Fritzsch-Akademie geleitet. „Was ich gesehen habe, war sehr gut. Die Mannschaft hat einen hungrigen hochmotivierten Eindruck gemacht. Ich habe das Gefühl, dass sie selber diese Sache korrigieren will“, so der gebürtige Augsburger. Die Profis der Schwarz-Gelben hätten ihn darin bestätigt, wie er sie schon kennengelernt habe, als er im Januar noch als Trainer von Türkgücü München auf sie getroffen war. „Ich muss meinen Vorgänger loben. Es ist nicht so, dass ich hier auf ein Team treffe, das schlecht trainiert ist. Die Mannschaft ist intakt“, erklärte Alexander Schmidt.

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Seine Mission lautet nun, sie wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Kein leichtes Unterfangen, besonders nach den beiden jüngsten Pleiten gegen zwei vermeintlich schlagbare Gegner: SpVgg Unterhaching (0:2) und Hallescher FC (0:3). Die Spiele habe er verfolgt, die Ergebnisse hätten ihn überrascht, doch er weiß: „Die 3. Liga ist eng. Wenn ich nur ans Unterhaching-Spiel denke mit der Großchance zu Beginn: Geht Dynamo dort 1:0 in Führung, kann alles anders laufen. Zwischen Erfolg und Misserfolg liegt ein Blatt Papier. Wenn man die ganze Zeit auf Platz eins steht und mit zwei Niederlagen abgefangen wird, ist das nicht so günstig vom Kopf her. Das gilt es jetzt zu drehen“, umschrieb Alexander Schmidt die Situation.

SGD: Bester Kader der Liga

Wie er das drehen will, dafür hat er einen Plan. „Jetzt ist einfach mal die Basis gefragt: Einsatz, Kampf, Leidenschaft, Herz, Zweikampfführung, Kompaktkeit – diese Dinge, die die 3. Liga ausmachen. Dann haben wir so eine Qualität, dass wir jede Mannschaft schlagen können“, ist der neue Chefcoach überzeugt. Aber er dürfe seine Schützlinge auch nicht mit zu viel Input überfrachten. „Man muss wesentliche Dinge wieder einfordern, ein paar taktische Details, aber nicht zu viel. Die Jungs sind ja fit, viel spielt sich im Kopf ab. Man muss ihnen dieses Selbstvertrauen geben, mutig ins Spiel zu gehen“, machte Alexander Schmidt klar. Deshalb habe er in seiner ersten Ansprache sein Team bestärkt.

Und in seinem Auftakttraining als Verantwortlicher bei den Schwarz-Gelben habe er an klaren Abläufen gearbeitet, damit jeder Spieler wisse, was er zu tun habe. Auch, was den Offensivfußball angeht. „Die Mannschaft hat Power nach vorn und gute Leute, die Tore schießen können. Man weiß, wie Fußball ist. Mal schießt man lange kein Tor, mal führt man nach 20 Minuten 3:0“, berichtete er aus eigener Erfahrung – wohlwissend, dass es auch im gegnerischen Gehäuse bald wieder klingeln wird. „Dynamo hat aus meiner Sicht den besten Kader in dieser Liga. Das wollen wir auf den Platz bringen“, powerte Alexander Schmidt. Um dafür gleich das passende Gefühl zu bekommen, trainieren die Schwarz-Gelben am Dienstagabend im Rudolf-Harbig-Stadion.

Siegen ist das Ziel

Mit welchem System und Personal genau sie 24 Stunden später an gleicher Stelle ins Heimspiel gegen die Duisburger gehen wollen, sei noch völlig offen. „Was war, interessiert mich nicht. Auch was den Kader betrifft. Spieler, die gedacht haben, sie sind abgeschrieben, haben jetzt wieder die Möglichkeit. Es geht bei null los, das muss jeder verstehen – auch Spieler, die sich einen Tick zu sicher waren“, lautete Schmidts Ansage auch in Richtung des Stammpersonals. „Ich will was sehen von den Jungs, die müssen was anbieten. Mir sind Namen egal, wenn ich einen jungen Spieler sehe, der besser ist als jemand, der was geleistet hat. Fußball ist jetzt und hier. Wir müssen Gas geben, Einsatz zeigen. Von alleine steigen wir nicht auf. Wir brauchen das ganze Team. Ich bin überzeugt, am Ende kommt was Gutes raus!“

DURCHKLICKEN: Die Eindrücke der ersten Trainingseinheit unter Schmidt

Dynamo Dresdens neuer Cheftrainer Alexander Schmidt gab am Montagnachmittag seinen Einstand. Zur Galerie
Dynamo Dresdens neuer Cheftrainer Alexander Schmidt gab am Montagnachmittag seinen Einstand. ©

Dem Aufstiegsziel ordnet Alexander Schmidt auch seine persönlichen Befindlichkeiten unter. Dass sein Vertrag nur bis zum 30. Juni 2021 laufe, sei kein Problem für ihn. „Wenn alles gut läuft, kann man über alles sprechen. Aber darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken“, sagte er über eine Vertragsverlängerung. Ähnliches gelte in Sachen eigener Trainerstab. Mit Heiko Scholz, Ferydoon Zandi, David Yelldell und Matthias Grahé hat er vier Assistenten, deren Verträge teils ebenfalls im Sommer auslaufen. „Die Trainer sind ein intaktes Team. Alles andere wird man dann sehen“, meinte Schmidt. „Für mich zählen nur Mittwoch und Samstag. Wenn wir beide Spiele gewinnen, sind wir auf Platz eins. Das ist das Ziel. Alles andere außer Trainingssteuerung, Regeneration, Konzentration aufs nächste Spiel interessiert mich nicht.“

Doch auch nach den beiden Nachholspielen am Mittwoch gegen den MSV und am Sonnabend auswärts beim KFC Uerdingen geht es Schlag auf Schlag weiter, denn bereits kommende Woche Dienstag gastieren die Dresdner beim SC Verl. Dass nicht auf Fehler der Konkurrenz angewiesen ist, sieht Alexander Schmidt als großen Vorteil. Dabei ist einer der Konkurrenten ausgerechnet sein Ex-Club 1860 München, bei dem er mehr als zehn Jahre als Trainer tätig war und sich vom Nachwuchs bis 2012/13 zum Chefcoach der damaligen Zweitliga-Profis hocharbeitete. Erst kürzlich hatte er die Löwen zum Aufstiegsfavoriten gekürt, nun muss er sie in Schach halten: „Ich werde jeden Blutstropfen dafür geben, Dynamo in die 2. Liga zu führen. Ob das dann gut ist für 1860 oder nicht, kann ich nicht beeinflussen. Wenn wir beide hochgehen sollten, freut es mich.“