06. November 2020 / 08:00 Uhr

Kämpfernatur Kurbjuweit wird 70 – Jena-Chef Berka: „Eine Clublegende“

Kämpfernatur Kurbjuweit wird 70 – Jena-Chef Berka: „Eine Clublegende“

Frank Kastner
Leipziger Volkszeitung
Lothar Kurbjuweit beim Freundschaftsspiel zwischen VfB Einheit zu Pankow und einer Auswahl ehemaliger DDR-Nationalspieler zum 125-jährigen Jubiläum des Vereins.
Lothar Kurbjuweit beim Freundschaftsspiel zwischen VfB Einheit zu Pankow und einer Auswahl ehemaliger DDR-Nationalspieler zum 125-jährigen Jubiläum des Vereins. © imago images / Sebastian Wells
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Selbst mit einer genagelten Hand spielte Weltklasse-Verteidiger Kurbjuweit unbeirrt weiter. DDR-Auswahltrainer Georg Buschner bezeichnete ihn als „Kämpfernatur“. Jenas Clublegende feiert am Freitag seinen 70. Geburtstag. Allerdings unter schwierigen Umständen.

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Jena/Berlin. Bei seinem Herzens-Club FC Carl Zeiss Jena hatte Lothar Kurbjuweit alles erlebt - vom Trainerjob über den Sportlichen Leiter bis hin zum Präsidenten. „Er ist einer der verdienstvollsten Spieler dieses Clubs. Mehr als 400 Pflichtspiele für den FCC, Rekord-EC-Spieler im Club, Olympiasieger, WM-Teilnehmer, EC-Finalist. Seine Vita und seine Verdienste als Spieler sind unglaublich und nötigen allerhöchsten Respekt ab“, sagte Präsident Klaus Berka am Donnerstag und betonte zum 70. Geburtstag von Kurbjuweit an diesem Freitag: „Er ist eine wirkliche Clublegende, der wir von Herzen alles Gute zum Geburtstag und natürlich vor allen Dingen Gesundheit wünschen.“

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Denn nach einer Operation liegt der Jubilar im Krankenhaus. Die kleine Party im engsten Familienkreis sowie das lockere Fußballspiel mit Freunden mussten verschoben werden. „Ich werde an seinem Geburtstag mit Lothar telefonieren, sofern das möglich ist. Und ich werde ihm sagen, dass wir alle ganz fest die Daumen drücken, damit er bald wieder gesund ist“, sagte der langjährige Weggefährte Jürgen Raab dem „Freien Wort“ (Donnerstag).

22. Juni 1974: Die DDR trifft bei der WM auf die BRD - und gewinnt. Hier Uli Hoeneß (li.) gegen Lothar Kurbjuweit.
22. Juni 1974: Die DDR trifft bei der WM auf die BRD - und gewinnt. Hier Uli Hoeneß (li.) gegen Lothar Kurbjuweit. © imago images / Horstmüller

Der FC Carl Zeiss Jena war für Kurbjuweit Liebe auf den zweiten Blick. Groß geworden ist Kurbjuweit bei seinem Heimatverein BSG Stahl Riesa. Ursprünglich wollte er in jungen Jahren elbaufwärts zu Dynamo Dresden. Doch seine Eltern sagten auf Rat des Deutschen Fußball-Verbandes der DDR Dynamo ab und zogen mit ihrem Sprössling ins beschauliche Jena.

Gegen die Thüringer hatte Kurbjuweit als 17-Jähriger in Diensten der Riesaer sein Debüt in der DDR-Oberliga gegeben. Nach eigenen Worten sei er bei der 1:2-Niederlage jedoch nicht besonders auffällig gewesen. Auch hatte es danach kein Gespräch mit Jenas Trainer Georg Buschner gegeben, der als DDR-Nationaltrainer den Abwehrspieler auch in die Auswahl holte. „Zu der Zeit wären alle Nationalspieler zu Fuß nach Jena gekommen, um hier zu spielen“, sagte Kurbjuweit einmal.

Kurbjuweit war trotz Verletzung nicht zu stoppen

Der FC Carl Zeiss war und ist sein Verein. Der früher parallel von Buschner trainierte Club war ein Garant für den Erfolg. 1981 zog Kurbjuweit mit Jena ins Finale des Europacups der Pokalsieger ein, verlor aber gegen Dynamo Tiflis (1:2). „Die Chance, Europapokalsieger zu werden, bekommst du nur einmal“, erinnerte er sich. Insgesamt lief er 408 Mal für die Blau-Gelb-Weißen auf.

Die DDR-Olympiasieger Jürgen Croy, Gerd Weber, Hans Jürgen Dörner, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit und Reinhard Lauck werden von FIFA Präsident Joao Havelange (Brasilien) und IOC Präsident Lord Michael Killanin (Irland) geehrt (v.li.).
Die DDR-Olympiasieger Jürgen Croy, Gerd Weber, Hans Jürgen Dörner, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit und Reinhard Lauck werden von FIFA Präsident Joao Havelange (Brasilien) und IOC Präsident Lord Michael Killanin (Irland) geehrt (v.li.). © imago images / Werner Schulze

Buschner nannte den Abwehrspieler „eine Kämpfernatur, ein Spieler mit eisernen Nerven und hellem Köpfchen“. Kurbjuweit steckte wie kein anderer Verletzungen weg. In den 70er Jahren spielte er über ein halbes Jahr selbst mit einer genagelten Hand, nachdem er sich im Training als „Ersatztorhüter“ das Kahnbein gebrochen hatte. Mit Mullbinden verdeckte er seine Verletzung.

Präsident, Sportlicher Leiter, Trainer und Scout

Mit der DDR-Auswahl wurde Kurbjuweit 1972 in München Olympia-Dritter und vier Jahre später in Montreal Olympiasieger. Auch bei der WM 1974 in der BRD war er aktiv dabei. Nach seiner Karriere wurde er Trainer und übernahm den FC Carl Zeiss. Platz drei in der DDR-Oberliga und das Pokalfinale 1988 (0:2 n.V. gegen den BFC Dynamo) erreichte er mit den Thüringern, ehe er vom damaligen Zeiss-Chef 1989 nach 3:7 Zählern entlassen wurde.

Der DDR-Kader 1974: Jürgen Sparwasser, Wolfgang Seguin, Harald Irmscher, Hans-Jürgen Kreische, Joachim Streich, Wolfram Löwe, Eberhard Vogel, Martin Hoffmann; Mitte: Nationaltrainer Georg Buschner, Peter Ducke, Siegmar Wätzlich, Joachim Fritsche (hi.v.li).
Der DDR-Kader 1974: Jürgen Sparwasser, Wolfgang Seguin, Harald Irmscher, Hans-Jürgen Kreische, Joachim Streich, Wolfram Löwe, Eberhard Vogel, Martin Hoffmann; Mitte: Nationaltrainer Georg Buschner, Peter Ducke, Siegmar Wätzlich, Joachim Fritsche (hi.v.li). © imago images / Werek

Danach arbeitete er beim Traditionsclub als Präsident, Sportlicher Leiter und auch wieder als Trainer. 2014 erreichte er das Landespokalfinale und gewann 5:0 gegen Landesrivale FC Rot-Weiß Erfurt. In der darauffolgenden Spielzeit wurde er nach nur drei Spieltagen entlassen, woran er lange zu knabbern hatte. Später arbeitete er dann als Scout, wie er das auch schon für den 1. FC Nürnberg und Borussia Mönchengladbach unter Ex-Zeiss Trainer Hans Meyer getan hatte. Inzwischen wohnt Kurbjuweit in Berlin-Pankow, um seinen in der Hauptstadt lebenden Kindern und Enkeln näher zu sein.