09. Oktober 2021 / 11:49 Uhr

Kämpfernaturen und Helden von einst: Zwei Geithainer Jubiläen jähren sich

Kämpfernaturen und Helden von einst: Zwei Geithainer Jubiläen jähren sich

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Bezirksliga-Aufstieg der BSG Motor Geithain, 1971. Hinten, von links: Kleditzsch (Mannschaftsleiter), Naumann, Rößner, Brauner, Krelke, Schmidt, Pinder, Schäfer (Spielertrainer), Irmert, H. Trommer, Wolff (Vorstand), Pfitzner, Beßert, Reinbach (Sektionsleiter). Vorn, von links: Höhle, Hübner, Kerat, Grünewald, Schuhknecht.
Bezirksliga-Aufstieg der BSG Motor Geithain, 1971. Hinten, von links: Kleditzsch (Mannschaftsleiter), Naumann, Rößner, Brauner, Krelke, Schmidt, Pinder, Schäfer (Spielertrainer), Irmert, H. Trommer, Wolff (Vorstand), Pfitzner, Beßert, Reinbach (Sektionsleiter). Vorn, von links: Höhle, Hübner, Kerat, Grünewald, Schuhknecht. © privat
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Den Fußball in Geithain gibt es schon seit Jahrzehnten. Und in diesen vielen Jahren gab es auch Erfolge, die den Beteiligen bis heute im Gedächtnis geblieben sind und über die noch immer erzählt wird – so zum Beispiel der Aufstieg in die Bezirksliga 1971 und die vielen Zuschauer, die zu besonderen Spielen ins Stadion strömten.

Geithain. Zwei Höhepunkte der Geithainer Fußballgeschichte feiern in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. So bejubelte die BSG Motor Geithain anno 1971 und damit vor genau fünf Jahrzehnten den Aufstieg in die Bezirksliga, es war zugleich der Durchmarsch von der Kreisklasse in die dritthöchste Spielklasse der DDR.

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3500 Zuschauer im Stadion

Zum entscheidenden Spiel gegen Groitzsch strömten im Frühsommer sage und schreibe 2000 Zuschauer auf das Geithainer Sportgelände, um sich eine im wahrsten Sinne des Wortes Schlammschlacht sowie einen 2:0-Erfolg des Gastgebers anzuschauen. Die Motor-Mannschaft stellte zu diesem Zeitpunkt eine gesunde Mischung aus Spielertypen auf der einen, sowie Kämpfernaturen auf der anderen Seite dar. So führten technisch beschlagene Akteure wie Peter Schäfer, Gerhard Rößner und Heinz Krelke geschickt Regie, während Kicker wie Uwe Pfitzner, Klaus Hübner oder Bernd Schuhknecht ihre Schnelligkeit sowie Zweikampfhärte zur Geltung brachten.

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Der Schauplatz des Geschehens unterhalb der Stadtmauer war damals noch ein einfacher Sportplatz, selbst das kleine Sanitärgebäude am Ostrand war erst wenige Jahre alt. Zuvor ging es zum Umziehen sowie zum Waschen durch die „Pforte“ (eine Gasse zwischen Promenade und Innenstadt) in den Gasthof „Zur Kurve“, wo die Wirtsleute Fischer einen großen Wasserbottich zur Körperhygiene bereit hielten (!). Es sollte noch ein ganzes Weilchen dauern, ehe komfortablere Bedingungen geschaffen wurden.

Am 1. Mai 1974 konnte dann das Stadion „25. Jahrestag der DDR“ mit modernem Sozialtrakt, Tribüne, Zuschauerrängen, Rundlaufbahn, Leichtathletikanlagen und Faustballfeld eingeweiht werden. In der Bauphase waren die Fußballer zu Heimspielen und Training nach Frohburg beziehungsweise Niedergräfenhain ausgewichen. Das war längst Vergangenheit, als am 7. Juni 1986 anlässlich der 800-Jahr-Feier Geithains eine Auswahl ehemaliger DDR-Nationalspieler in der Kreisstadt gastierte und beim Duell mit dem ehemaligen Bezirksligateam der BSG Motor 3500 Besucher anlockte.

Verändertes Bild durch das Hochwasser

Offiziell sogar 4300 Fußballfans verfolgten am 18. Mai 1980 die Begegnung zwischen Jugoslawien und Nordirland (2:2) im Rahmen der UEFA-Junioren-Europameisterschaft. Im Vorfeld waren zu diesem Anlass die Tribüne erweitert, eine massive Anzeigetafel errichtet und Werbebanden angebracht worden. Am 20. Oktober 1982 waren circa 1000 Zuschauer zur EM-Qualifikationspartie DDR (im Kader zum Beispiel Matthias Sammer und Torsten Kracht) gegen Schweden (0:0) in der Altersklasse U 16 anwesend, unter anderem auch der den Gruppengegner BRD trainierende Berti Vogts. Und selbst die heimischen Motor-Fußballer konnten zu besten Bezirksligazeiten nicht selten 500 und mehr Besucher begrüßen, vor allem wenn es gegen die Lokalrivalen BSG Aktivist Borna und BSG Motor Altenburg ging.

Die ehemalige Bezirksligamannschaft der BSG Motor Geithain gegen ehemalige DDR-Nationalspieler, 1986. Hinten, von links: Frank, Zerbe, E. Philipps, Brauner, Herrmann (Schiedsrichter), Römer, Brummer, Löwe, Albrecht, H. Trommer, Bornschein, Roßburg, Bransch, Raubold, Weigang, Fritsche, Frenzel.  Vorn, von links: Nauert, Drößler, Waitzmann, Gröbner, Schäfer, P. Ducke, Krelke, Pfitzner.
Die ehemalige Bezirksligamannschaft der BSG Motor Geithain gegen ehemalige DDR-Nationalspieler, 1986. Hinten, von links: Frank, Zerbe, E. Philipps, Brauner, Herrmann (Schiedsrichter), Römer, Brummer, Löwe, Albrecht, H. Trommer, Bornschein, Roßburg, Bransch, Raubold, Weigang, Fritsche, Frenzel.  Vorn, von links: Nauert, Drößler, Waitzmann, Gröbner, Schäfer, P. Ducke, Krelke, Pfitzner. © privat

Dank legendärer Platzwarte wie Heinz Kleditzsch oder Rudi Schnelle galt der Geithainer Rasen damals als einer der bestens gepflegten im ganzen Bezirk. Heute bietet das seit 2011 nach dem in Geithain geborenen 56-fachen Nationalspieler benannte Henning-Frenzel-Stadion ein gänzlich anderes Bild. Zum Beispiel sind die Tribüne, die Traversen, die Hochschale zum Entzünden des Spartakiade-Feuers und die Anzeigetafel verschwunden – zum Teil aufgrund des Hochwassers 2002. Die Laufbahn ist seitdem aus Tartan, aus dem kleinen Hartplatz wurde nach der Sturzflut 2013 ebenso ein Kunstrasenfeld wie aus dem zu früheren Zeiten beinahe Kultstatus genießenden großen Bruder am Freibad.