09. Februar 2021 / 07:22 Uhr

Kampfschwein, Antreiber und Capitano der BSG Chemie Leipzig: Stefan Karau wird 35

Kampfschwein, Antreiber und Capitano der BSG Chemie Leipzig: Stefan Karau wird 35

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Rückt das Karriereende von BSG-Teamleader Stefan Karau näher? 
Rückt das Karriereende von BSG-Teamleader Stefan Karau näher?  © PICTURE POINT
Anzeige

Der Leutzscher Innenverteidiger Stefan Karau ist der Leitwolf der BSG Chemie Leipzig. Der 35-jährige Spielführer hat mit dem SPORTBUZZER über den Beginn seiner Fußball-Karriere im Grundschulbus, die jungen Leiden des Alterns und seine grün-weiße Leidenschaft gesprochen.

Anzeige

Leipzig. Bei der BSG Chemie Leipzig ist Stefan Karau das emotionale Herz auf dem Spielfeld und der Liebling der Fans. Am Dienstag feiert der gebürtige Torgauer seinen 35. Geburtstag.

Anzeige

SPORTBUZZER: Haben Sie auch das Gefühl: Mann, wie schnell ist die Zeit vergangen?

Stefan Karau (35): Ja, insbesondere bei Chemie, die letzten sieben Jahre, da hat ein Höhepunkt den nächsten gejagt. Trotzdem hat sich diese Zeit angefühlt wie 20 Jahre. Wir haben so viel erlebt. Es gab keine Saison, die wir hätten in Ruhe ausklingen lassen können. Es ging immer um viel, Aufstieg, Abstieg, Pokalfinale, DFB-Pokal – aber so war das bei Chemie glaube ich schon immer. Das ist eine Grundmentalität bei Chemie, dass wir immer alles raushauen, egal, gegen welchen Gegner.

Fußballer neigen ja zur Frotzelei. Ist der „Capitano“ davor gefeit?


Nein, auch ich kriege immer mal nen Spruch gedrückt. „Alter Mann“ oder „Altherrenfußball“ – aber da stehe ich drüber. Habe ich ja früher auch nicht anders gemacht.

Wie weh tut es nach einem Spiel?

Die Tage danach geht gar nichts. Hier tut’s weh, da zwickt’s, manchmal brauche ich ne Schmerztablette. Regionalliga verlangt körperlich einiges ab. Ich hab vor fünf Jahren zehn Kilo weniger gewogen, das macht sich schon bemerkbar. Aber ich bin fit, keine Frage.

Ist die Jugend heute anders drauf als zu Ihrer Zeit?

Auf alle Fälle, die haben andere Themen. Und im Fußball hat man ja heute mit 14 einen Berater, der die Richtung vorgibt. So etwas hatte ich nie. Ich habe mich mit meinen Eltern kurzgeschlossen, das war’s.

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Stefan Karau

Schon als Kind war Stefan Karau bei den Grün-Weißen, damals FC Sachsen Leipzig. Zur Galerie
Schon als Kind war Stefan Karau bei den Grün-Weißen, damals FC Sachsen Leipzig. ©

Ihre Karriere begann angeblich in einem Linienbus?

Genau. Nach der ersten Klasse lief ein Mitschüler durch den Grundschulbus und verteilte Zettel, auf denen der SV Süptitz Kicker suchte. Wir wohnten 100 Meter vom Sportplatz entfernt und meine Eltern meinten, na dann geh doch mal hin. Mit einmal in der Woche Training ging es los. Nach drei Jahren klopfte Blau-Weiß Torgau an.

Wie fiel später die Entscheidung zwischen VfB Leipzig und FC Sachsen?

Mit 14 stand die Entscheidung an, Ich war in der Bezirksauswahl, bekam die Einladung zum Probetraining in Leutzsch. Da wurde ich klasse aufgenommen, das hat gepasst.

Der Sprung zu den „Großen“ klappte dann aber erst mal nicht?

Nach dem Bundesligaaufstieg bin ich raus aus der A-Jugend und durfte bei der ersten Mannschaft unter Wolfgang Frank mittrainieren. Ich hatte wenig Einsatzzeiten und bin in der gleichen Liga nach Eilenburg gewechselt, habe dort als Jüngster zwei Jahre gespielt. Dann war ich sieben Jahre beim VfL Halle.

Mehr zur BSG

Ihnen gelangen aufsehenerregende Spiele gegen Leipziger Teams…

Mit Eilenburg hatte ich zweimal das Vergnügen, gegen den FC Sachsen zu spielen. Im Zentralstadion haben wir denen ein 2:2 abgeluchst. Trainer Achim Steffens hatte mir den Auftrag gegeben, Rolf-Christel Guié-Mien abzumelden. Und wenn er auf die Toilette müsste, sollte ich hinterher. Sinngemäß. Einmal habe ich ein Eigentor geschossen gegen Sachsen. Gegen Lok habe ich in einer Saison zweimal das 1:0 erzielt. Einmal hat es mich übermannt, da bin ich auf den Zaun geklettert und habe gefeiert. Meine Mitspieler haben sich gewundert, sie hätten auch probiert, hochzukommen zu mir, hätten es aber nicht geschafft...

2014 ging’s zurück nach Leutzsch.

Chemie befand sich auf dem aufsteigenden Ast, da wollte ich unbedingt dabei sein und mithelfen. Wir haben mal flapsig gesagt, wenn wir noch ein paarmal aufsteigen, dann gäbe es wieder schöne Spiele. Aber diese rasante Entwicklung war nicht abzusehen. Im ersten Gespräch mit Herrn Kühne (Vorstandsvorsitzender) ging es um die Oberliga. Da hätte ich mir nie zu träumen gewagt, dass wir jetzt gegen Jena, Chemnitz und Cottbus spielen.

Wie gehen Sie mit Druck um?

Ich habe keine Rituale. Es kribbelt im Bauch, man kann schlechter einschlafen, aber man ist nicht mehr aufgeregt wie ein Teenager. Sobald man draußen ist beim Erwärmen, wird abgeschaltet.

Wie kam es zu Ihrer absoluten Identifikation mit Chemie?

Wenn mir was am Herzen liegt, bin ich mit 100 Prozent Leidenschaft dabei. Das bekommt man hier schon in der Jugend förmlich eingeimpft. Toller Verein, tolle Fans.

Karau will auch endlich wieder vor Fan-Kulisse kicken.
Karau will auch endlich wieder vor Fan-Kulisse kicken. © Christian Donner

Nun sind Sie Kapitän. Wie lange denn eigentlich noch?

Ich werde das bald entscheiden. Lust hätte ich, aber es muss alles mitspielen: der Körper, meine Familie und natürlich der Verein. Der hat letzte Wort. Fest steht: Ich möchte auch später was im Verein machen.

Nervt die aktuelle Situation?

Na klar, wir stehen so toll da, das Stadion wäre jedes Mal voll, dann wird man so ausgebremst. Die neuen Spieler kennen das ja nur aus Videos, was da los wäre im AKS. Aber da müssen wir alle durch.