30. Januar 2020 / 09:39 Uhr

Hindernisse? Mit denen weiß der der 29-jährige Alexander Bley umzugehen

Hindernisse? Mit denen weiß der der 29-jährige Alexander Bley umzugehen

Heike Werner
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nominiert für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres 2020: Alexander Bley.
Nominiert für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres 2020: Alexander Bley. © Martin Bargiel
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Alexander Bley wollte die Spikes schon an den Nagel hängen, zum Glück hat er es sich noch einmal anders überlegt. Mithilfe eines Sportpsychologen fand der 29-Jährige den Spaß an der Leichtathletik wieder. Auch der Erfolg bei der neuen Herausforderung 3000-Meter-Hindernislauf ließ nicht lange auf sich warten.

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Erfolg ist die beste Motivation. „Dank der Goldmedaille bei den Gehörloseneuropameisterschaften habe ich auch den Spaß am Laufen wiedergefunden“, erzählt Alexander Bley. Den Titel gewann er über 3000 Meter Hindernis, diese Distanz war der bisherige Mittelstreckler (WM-Zweiter 2016 über 1500 Meter) erst zu Beginn des Jahres 2019 im Training und im Wettkampf angegangen. Zum besonderen Erlebnis wurde das Traumdebüt über die Hindernisse, weil die EM in Deutschland ausgetragen wurde, im Lohrheide-Stadion in Bochum-Wattenscheid.

Spikes hingen fast am Nagel

Zuvor musste Bley allerdings einige private Hürden aus dem Weg räumen, eigentlich wollte der 29-Jährige von Hannover Athletics die Spikes schon an den Nagel hängen. „Mit den Finanzen sah es nicht zum Besten aus“, erzählt er.

Die Vorstellung, bis zum nächsten sportlichen Highlight weiterhin von seinen Eltern unterstützt zu werden, nagte am Selbstbewusstsein des Maschinenbaustudenten. „Mit Ende 20 möchte ich gern auf eigenen Füßen stehen.“ Doch die Vorlesungen, Seminare und Übungen, 13 Trainingseinheiten pro Woche sowie Übungsleiterstunden, die er zweimal pro Woche gibt, geben weder Zeit noch Raum zum Geldverdienen.

Im Video: Alexander Bley über die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres

Behindertensportwahl Alexander Bley

Aus dieser Sackgasse half Bley ein Sportpsychologe, der ihm zu der neuen sportlichen Herausforderung über die Hindernisse riet. Das veränderte Umfeld mit anderen Trainingskollegen brachte Abwechslung und Motivation. „Wir haben viel Spaß, die Leistungsdichte in der Gruppe ist sehr hoch. Zudem sind einige meiner Trainingskollegen in meine Nähe gezogen, sodass wir die Dauerläufe zusammen absolvieren können“, sagt er.

Die Zukunft gewinnt Konturen

Und 140 Laufkilometer pro Woche zahlen sich aus, seit dem EM-Titel erhält Bley mehr Sportförderung. „Wenn ich etwas mache, dann will ich es richtig machen. Da hilft es, wenn ich mir nicht ständig Gedanken um Geld machen muss“, betont er. Auch außerhalb des Sports gewinnt die Zukunft Konturen. „Seit Februar habe ich meinen Bachelor in der Tasche und schaue jetzt, wo ich Fuß fassen möchte“, sagt der Läufer.

Bley ist zielstrebig, ehrgeizig, diszipliniert und fokussiert. „In meiner Disziplin wird der Kopf ordentlich gefordert, weil alle 100 Meter ein Hindernis auf der Bahn steht.“ Zudem ist er eine Kämpfernatur – einen bösen Sturz mit geprellter Hand und geprellten Rippen sowie einem Bluterguss am Knie bei den Norddeutschen Meisterschaften steckte er weg und startete trotz Schmerzen bei der Heim-EM.

Das sind die anderen Kandidaten

Der Lohn: Außer dem Titel über 3000 Meter Hindernis gewann er Silber auf seiner früheren Spezialstrecke, den 1500 Metern. Höchste Konzentration braucht Bley bei den Gehörlosenwettkämpfen auch deshalb, weil sie in absoluter Stille ablaufen. Er nimmt weder den Atem noch die Schritte der anderen Läufer wahr ebenso wenig wie Zurufe, weil er ohne Hörhilfe antreten muss.

Bley verlor sein Gehör im Alter von 13 Monaten nach einer Meningitis, erhielt aber im Februar 1992 als damals weltweit jüngstes Kind ein Cochlea-Implantat – eine Hörprothese. So behindert ihn der Hörverlust im Alltag nicht. Und auch eine genetisch bedingte Rheumaerkrankung, die ihn zu zeitweiligen Trainingspausen gezwungen hat, hat er im Griff.

Bilder von der Behindertensportwahl 2019

Alexander Budde gut gelaunt beim Empfang in der Gondel des GOP. Zur Galerie
Alexander Budde gut gelaunt beim Empfang in der Gondel des GOP. ©
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Das ermöglicht Bley das Anpeilen sportlich hoher Ziele. „Ich möchte mich für die Gehörlosenweltmeisterschaften, aber auch für die Deutschen Meisterschaften der Nichtbehinderten in Braunschweig qualifizieren.“ Dafür muss der Läufer seine Bestzeit von 9:18 Minuten um zehn Sekunden verbessern.

Bley ist überzeugt davon, dass das möglich ist „Wenn meine Technik am Hindernisbalken besser wird, sollte ich sogar unter neun Minuten laufen können“, sagt er. Es wäre ein Schritt hin zur Erfüllung des größten sportlichen Traums – ein Medaillengewinn bei den Deaflympics 2021, der Gehörlosenolympiade.

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