30. Januar 2020 / 09:38 Uhr

"Bereue Umstieg auf keinen Fall": Für Christiane Reppe sind aller guten Dinge drei

"Bereue Umstieg auf keinen Fall": Für Christiane Reppe sind aller guten Dinge drei

Heike Werner
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nominiert für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres 2020: Christiane Rappe.
Nominiert für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres 2020: Christiane Rappe. © Martin Bargiel
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Christiane Reppe hat eine neue Herausforderung gesucht - und gefunden. Mit dem Handbike hatte die 32-Jährige alles gewonnen, ihre fehlte ein wenig die Motivation. Jetzt betreibt sie Paratriathlon und muss drei Einzeldisziplinen unter einen Hut kriegen. Und? "Es macht Spaß!"

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Zwei Sportrollstühle, ein Neoprenanzug, zwei Gehhilfen und eine riesige Reisetasche gefüllt mit Schwimmbrillen und Sportkleidung aller Art. Wenn Christiane Reppe zu Wettkämpfen oder ins Trainingslager reist, gleicht das mittlerweile einem Umzug. „Das klappt zwar gerade so noch allein, besser ist es aber, wenn mich jemand begleitet“, sagt die Athletin vom GC Nendorf.

Synthese der bisherigen Spezialitäten

Der gestiegene Aufwand gehört zu einem neuem Kapitel in der bemerkenswerten Sportkarriere der 32-Jährigen. Sie betreibt nun Paratriathlon und schafft damit quasi eine Synthese ihrer bisherigen Spezialitäten. Zuvor war die gebürtige Dresdnerin als Schwimmerin (Bronze bei den Paralympics 2004) und Handbikerin (Gold bei den Paralympics 2016) erfolgreich, nun absolviert sie beide Sportarten in einem Wettkampf und setzt sich zum Abschluss noch in einen Rennrollstuhl.

Reppe, die im Alter von fünf Jahren wegen einer Krebserkrankung das rechte Bein verlor, knüpft in der neuen Herausforderung nahtlos an frühere Erfolge an. Sie wurde im Vorjahr WM-Dritte und Europameisterin.

Im Video: Christiane Rappe über die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres

Behindertensportwahl Christiane Reppe

Dem Wechsel zum Triathlon gingen allerdings ein paar Zweifel voraus. „Ich wollte eigentlich gar nicht wieder so viel schwimmen“, sagt Reppe. Doch so ein Ausdauerdreikampf funktioniert nicht ohne die Fortbewegung im Wasser – und Reppe fand zur alten Spezialität zurück. „Ich bin einfach mal wieder schwimmen gegangen“, sagt sie.

Erstes Rennen endet mit Blasen an den Händen

Einen Urlaub und einige Gespräche später stand sie im Oktober 2018, schneller als geplant, an der Startlinie zu ihrem ersten Triathlon auf Madeira – ohne vorher nur einen einzigen Kilometer im Rennrollstuhl gefahren zu sein. „Ich war drei Tage zuvor aus dem Urlaub gekommen und habe eine Probefahrt erst auf dem Hotelflur gemacht. Nicht einmal Handschuhe hatte ich.“ Das erste Rennen endete mit Blasen an den Händen – und einem Sieg. 

So lautet ihr Fazit nach gut einem Jahr als Dreikämpferin: „Es macht Spaß! Das Gefühl im Wasser kommt schnell wieder. Aber es ist auch eine ganz neue Aufgabe, sich die drei Einzeldisziplinen so einzuteilen, dass man hinten raus nicht stirbt.“ Durch das jahrelange Handbiketraining sieht sich Reppe gegenüber ihren Konkurrentinnen durchaus im Vorteil.

Das sind die anderen Kandidaten

Nichtsdestotrotz ist das abschließende Rennrollstuhlfahren für die großgewachsene Athletin eine spezielle Geschichte. „Bei dieser engen Sitzposition ist es fast ein Nachteil, noch ein Bein zu haben.“ Die Nendorferin macht aber auch in der neuen Disziplin Fortschritte, seitdem sie auf die Hilfe des Schweizers Marcel Hug setzt, eines der weltbesten Rennrollstuhlathleten. „Bei ihm habe ich gelernt, worauf es ankommt.“

Großer Wandel im vergangenen Jahr

Reppe geht offensiv neue Herausforderungen an, deshalb wechselte sie auch zum zweiten Mal die Sportart. „Ich habe im Handbike plötzlich die Motivation vermisst. Da habe ich schließlich schon alles gewonnen, was man gewinnen kann“, sagt sie. „Und wenn du dich in jedem Training mental quälst, gewinnst du auch nicht.“ Die Sportlerin resümiert: „Ich bereue den Umstieg auf keinen Fall. Im Triathlon lerne ich so viele neue Menschen kennen – das sind schon ganz besondere Typen.“

Zum Umstiegsjahr 2019 passt auch der Studienabschluss: Reppe hat seit November den Bachelor in Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie in der Tasche. „Jetzt kann ich beruflich überall einmal reinschnuppern und mir überlegen, was ich wirklich machen will“, sagt sie. Diese gewonnene Energie nimmt sie mit zu den Paralympics nach Tokio – und vielleicht klappt es mit einer Medaille auch in der dritten Sportart.

Bilder von der Behindertensportwahl 2019

Alexander Budde gut gelaunt beim Empfang in der Gondel des GOP. Zur Galerie
Alexander Budde gut gelaunt beim Empfang in der Gondel des GOP. ©
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