30. Januar 2020 / 09:38 Uhr

"Vollkommen geflasht von Nowitzki": Mittlerweile ist Jan Haller selbst ein Vorbild

"Vollkommen geflasht von Nowitzki": Mittlerweile ist Jan Haller selbst ein Vorbild

Heike Werner
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nominiert für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres 2020: Jan Haller.
Nominiert für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres 2020: Jan Haller. © Martin Bargiel
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Es hat Hannover United Überzeugungsarbeit gekostet, den Gehrdener Jan Haller in seine Heimat zurückzulocken. Die Mühen haben sich gelohnt. Der 31-Jährige lenkt das Spiel der Rollstuhlbasketballer, auch dank ihm hat das Dasein als Fahrstuhlmannschaft ein Ende, er ist ein Vorbild für die jungen Spieler.

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Kraftvoll treibt Jan Haller seinen Sportrollstuhl über das Spielfeld. Hat er seine Arme eben noch in der Verteidigung eingesetzt, ist er nun schon wieder beinahe unter dem gegnerischen Korb angekommen. Es scheppert, als einer der Gegner versucht, sich ihm in den Weg zu stellen. Doch der 31-jährige Rollstuhlbasketballer des Bundesliga-Dritten Hannover United befreit sich geschickt aus der Blockade.

Aller guten Dinge sind drei

Hallers energische Verteidigung, sein Überblick und strategisches Talent haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich United von einer Fahrstuhlmannschaft zu einem Topteam der 1. Liga gemausert hat. Zudem hat er die deutschen Nationalmannschaft als Kapitän ins Europameisterschafts-Halbfinale und damit zur Paralympics-Qualifikation geführt. 

Einige Jahre und viel Überzeugungsarbeit hat es United gekostet, um diesen Vorzeigesportler zurück in die Heimat zu holen. „Bei der dritten Anfrage konnte ich dann nicht mehr nein sagen“, sagt Haller schmunzelnd. Er stammt aus Gehrden. 2001, als Zwölfjähriger, zog er mit seiner Mutter nach Bonn um. Dort fand der Heranwachsende, der wegen einer Fehlbildung der unteren Wirbelsäule (kaudales Regressionssyndrom) den Rollstuhl nutzt, schnell zu seiner Sportart.

Im Video: Jan Haller über die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres

Behindertensportwahl Jan Haller

Er war „vollkommen geflasht“, als er zum ersten Mal Dirk Nowitzky live spielen sah. „Ich habe mir damals einen Korb für zu Hause besorgt, um trainieren zu können“, erzählt er. Zunächst spielte Haller beim ASV Bonn, von 2011 bis 2019 war er für den RSV Lahn-Dill aktiv, eine der besten Adressen im hiesigen Rollstuhlbasketball. Mit dem Wechsel nach Hessen folgte auch die Berufung in die Nationalmannschaft, die Paralympics-Teilnahmen 2012 und 2016 sowie 2017 die Berufung zum Spielführer der deutschen Auswahl.

Haller lenkt das Spiel von United

Zur Rückkehr in die Region Hannover entschloss sich Haller auch, weil er bei Lahn-Dill aus taktischen Gründen sukzessive weniger Einsatzzeit erhielt. „Es ist einfach ein anderes Gefühl, wenn du abgekämpft vom Spielfeld kommst und gewonnen hast. Auf der Bank habe ich immer den Eindruck, nicht aktiv etwas zum Spiel beigetragen zu haben“, sagt er. Bei United trägt er „deutlich mehr Verantwortung im Team“. Und der Wechsel brachte auch familiäre Vorteile: „Ich kann wieder mehr Zeit mit meinem Vater verbringen.“

Haller lenkt als Guard das United-Spiel, er trägt auch die Nummer 10 des klassischen Spielmachers. „Meine Aufgabe ist es, einerseits Ruhe hineinzubringen und andererseits alle wach zu halten.“ Er setzt sich selbst hohe Ziele: „Mein Job ist es, im Training und auch im Spiel immer alles zu geben. Ich möchte der beste Spieler sein, der ich sein kann.“

Das sind die anderen Kandidaten

Und er kümmert sich nicht nur um die Kollegen auf dem Spielfeld. „Ich habe ein Radar für die Jungs, die nicht zum Einsatz kommen. Aus meinen eigenen Erfahrungen heraus kann ich sie gut motivieren, weiter hart zu arbeiten.“

"Die jungen Spieler brauchen eine eigene Plattform"

Zudem macht sich Haller Gedanken über die Zukunft im Rollstuhlbasketball. „Es ist eine professionelle Sportart geworden, da haben wir schon viel geschafft“, sagt er, denkt aber auch an die nachfolgenden Spielergenerationen. „Toll wäre es, eine Jugendliga für die U16 und U18 aufzubauen. Die jungen Spieler brauchen eine eigene Plattform, um sich entwickeln zu können. In den Erwachsenenmannschaften sind sie trotz allen Talents manchmal etwas überfordert.“

Als Trainer nach der eigenen Aktivenzeit will Haller trotz aller Liebe zum Sport nicht arbeiten. „Ich bin zurzeit acht bis zehn Mal pro Woche in der Halle. Das möchte ich irgendwann nicht mehr.“

Bilder von der Behindertensportwahl 2019

Alexander Budde gut gelaunt beim Empfang in der Gondel des GOP. Zur Galerie
Alexander Budde gut gelaunt beim Empfang in der Gondel des GOP. ©
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