30. Januar 2020 / 09:38 Uhr

Fällt die Elf-Sekunden-Grenze? Dann wird der Tokio-Traum für Phil Grolla Realität

Fällt die Elf-Sekunden-Grenze? Dann wird der Tokio-Traum für Phil Grolla Realität

Heike Werner
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nominiert für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres 2020: Phil Grolla.
Nominiert für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres 2020: Phil Grolla. © Martin Bargiel
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Die Aufregung und das Adrenalin bei großen Wettkämpfen treiben Phil Grolla zu Bestleistungen. So hat der 19-jährige Paraleichtathlet im November seine Bestzeit über 100 Meter auf 11,11 Sekunden verbessert. Auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen nach Tokio nimmt der Wolfsburger nun die zehn Sekunden ins Visier.

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„Früher war es ein Traum, jetzt ist es ein Ziel“, sagt Phil Grolla über die Paralympics 2020 in Tokio, und diese neue Formulierung hat einen Grund. Der 19-jährige Paraleichtathlet vom VfL Wolfsburg hat den ersten Schritt dorthin gemacht, als er im November bei den Weltmeisterschaften in Dubai über 100 Meter das Finale erreichte. Mit 11,11 Sekunden stellte er eine neue persönliche Bestzeit auf; der achte Platz in einem hochkarätigen Feld war der Lohn für ein Jahr intensiver Arbeit.

„Um bei den Erwachsenen Fuß zu fassen, muss man einen großen Schritt machen“, sagt der großgewachsene Athlet, der in der Juniorenklasse schon das Maß für alle anderen Sportler ist – als Weltmeister über 100 Meter und WM-Zweiter über 200 Meter.

Im Video: Phil Grolla über die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres

Behindertensportler des Jahres 2020: Kandidat Phil Grolla

Auf dem Weg nach Tokio hilft Grolla, dass nach dem bestandenen Abitur im Frühsommer 2019 der Sport die erste Geige spielt. Er absolviert den Bundesfreiwilligendienst in der Geschäftsstelle des VfL Wolfsburg. Eine spannende und vielseitige Aufgabe, wie der Sprinter sagt, die ihm zudem die Möglichkeit gibt, sich voll auf den Sport zu konzentrieren – in sechs Einheiten pro Woche auf der Kunststoffbahn, im Kraftraum und in der Sporthalle.

Mit dem Lernen ist erst einmal Schluss

„Das Leben passt sich zurzeit dem Sport an“, sagt er. Dennoch bemüht er sich um Zeit für die Familie und Freunde, „auch wenn das manchmal nicht so einfach ist“. Es gebe aber auch gute Seiten, ergänzt Grolla: „Ich kann nun nach dem Training abschalten.“ Mit dem Lernen für Klausuren oder Prüfungen ist vorerst Schluss.

Dem Sprinter fehlt von Geburt an der linke Unterarm. Das hinderte ihn keinesfalls am Einstieg in die Leichtathletik, obwohl er sowohl im Tiefstart als auch in den Würfen Nachteile hat. Schon mit sechs Jahren begann der Sprinter mit dem Lauf-, Sprung- und Wurftraining beim Wolfsburger Stadtteilverein VfB Fallersleben. Zu den Einheiten für die Schüler hatte ihn der ältere Bruder mitgenommen, in der Folge unterstützten die Eltern und der Behinderten-Sportverband Niedersachsen den Weg des Jungen, dessen Talent schnell erkannt wurde.

Das sind die anderen Kandidaten

Bilder von der Behindertensportwahl 2019

Alexander Budde gut gelaunt beim Empfang in der Gondel des GOP. Zur Galerie
Alexander Budde gut gelaunt beim Empfang in der Gondel des GOP. ©

Grolla trainiert seit dem Karrierebeginn mit Nichtbehinderten, auch derzeit beim VfL Wolfsburg. Er feierte auch internationale Erfolge im Diskuswurf, spezialisiert sich aber seit einigen Jahren auf den Sprint, weil ein Wettkampf mit der Wurfscheibe nicht auf dem paralympischen Programm steht. Mittlerweile hat er auch eine spezielle Unterarmprothese, die ihm beim Tiefstart hilft, das Gleichgewicht zu halten.

Grolla setzt sich immer neue Ziele

Grollas Stärke liegt in der Konzentration auf das Wesentliche – schon in seinen jungen Jahren. „Im Training versuche ich, alles zu geben, aber erst die Aufregung und das Adrenalin bei großen Wettkämpfen bringen mich zu Bestleistungen.“ Nur als „Trainingsweltmeister“ gewinnt man keine Medaillen, ergänzt der Sprinter, der sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lässt. „Dann lasse ich den Kopf nicht lange hängen, sondern arbeite einfach weiter und setze mir immer neue Ziele – sei es eine Zeit oder auch eine Platzierung bei einem Wettkampf.“

Vor dem Erreichen einer Paralympicsteilnahme im fernen Japan plant Grolla allerdings noch eine Wettkampfstation im Nachbarland Polen. In Bydgoszcz findet im Juni die Paraleichtathletik-EM statt, dort peilt der Wolfsburger eine Medaille und das Unterbieten der Elf-Sekunden-Grenze über die 100 Meter an. Klappt dieses, dann ist der Weg nach Tokio geebnet.